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Verbraucherzentrale warnt: Warum gesunde Menschen meist gar keine Vitamin-Präparate brauchen

Дата публикации: 17-10-2026 09:08:15

Präparate mit Vitaminen und Mineralstoffen sind überall präsent. Dabei brauchen gesunde Menschen meist keine zusätzlichen Nährstoffe. Paprika, Kohl und Co. können mehr, als viele vermuten. Doch es gibt Ausnahmen.

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Stand: 17.10.2026, 11:08 Uhr

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Die rechte Hand eines Mannes hält eine Medikamenten-Pille in der Hand, die linke hat eine Handvoll Pillen in der Hand

Erwartungen an gesundheitliche Wirkungen von Ergänzungsprodukten sind häufig hoch, doch Tabletten ersetzen keine ausgewogene Ernährung. © Julia Steinbrecht/KNA

Präparate mit Vitaminen und Mineralstoffen sind überall präsent. Dabei brauchen gesunde Menschen meist keine zusätzlichen Nährstoffe. Paprika, Kohl und Co. können mehr, als viele vermuten. Doch es gibt Ausnahmen.

Stuttgart (KNA) – Die Blätter fallen, die Temperaturen ebenso. Zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher fragen sich, ob sie in der dunklen Jahreszeit genug für die Gesundheit tun. Manche denken an zusätzliches Vitamin D, einen Fitmacher, der für gesunde Knochen und Zähne besonders wichtig ist. In Deutschland und anderen Ländern reicht die Sonneneinstrahlung im Herbst und Winter nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ist Extra-Vitamin D nötig?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn jeder Mensch ist anders. Wer im Frühjahr und Sommer die körpereigenen Speicher gut gefüllt habe, komme mit diesem Vorrat des sogenannten Sonnenvitamins gut durch den Winter – auch ohne Nahrungsergänzungsmittel, berichtet die Stiftung Warentest. Entsprechende Präparate werden meist als Tabletten, Kapseln und Pulver angeboten – in Supermärkten, Drogerien und bei Online-Händlern.

Expertin räumt mit Missverständnis auf

Bedarf an zusätzlichem Vitamin D kann es durchaus geben, etwa bei Schwangeren und Stillenden, wie die Verbraucherschützerin Sabine Holzäpfel der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagt. Die Expertin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nennt in diesem Zusammenhang auch Vitamin B12, das vegan lebende Menschen nicht ausreichend über die Nahrung aufnehmen können.

Vitamin B12 gerade für Veganer wichtig

Der Nährstoff kommt in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch und Milchprodukten vor. In pflanzlichen Lebensmitteln gibt es den Verbraucherzentralen zufolge zwar geringe Mengen, die aber für Menschen nicht verwertbar sind. Klarheit über einen möglichen Mangel gibt es indes nur, wenn das Blut bei einer Ärztin oder einem Arzt untersucht wird. „Das wird leider meist nicht von der Krankenkasse übernommen“, sagt die Fachfrau

Zu hohe Erwartungen an Vitamin-Präparaten

Erwartungen an gesundheitliche Wirkungen von Ergänzungsprodukten sind häufig hoch, wie Holzäpfel erfahren hat. Sie räumt deshalb mit einem gängigen Missverständnis auf: Diese Produkte seien nicht dafür da, Krankheiten einschließlich Erkältungen abzuwehren und zu behandeln. „Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass man nicht krank wird.“ Es gehe vielmehr darum, dass Körper und Stoffwechsel normal funktionieren.

Vitamin C und Magnesium besonders beliebt

Der Markt für die Nährstoffpräparate ist milliardenschwer und wird massiv beworben. Beliebt sind insbesondere Vitamin C zur Unterstützung des Immunsystems sowie Magnesium für Mineralstoffe, wie der Lebensmittelverband berichtet. Magnesium ist wichtig für Herz, Muskeln und Nerven.

Nahrungsergänzungsmittel gehören für viele Verbraucherinnen und Verbraucher zur täglichen Ernährung dazu, bilanziert die Branchenorganisation. Laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2024 nehmen 62 Prozent der Menschen im Land mindestens einmal in der Woche Ergänzungspräparate. Viele schlucken diese Produkte demnach sogar täglich.

Skepsis gegenüber Präparaten in der Fachwelt

Es gibt allerdings Experten und Einrichtungen, die dafür plädieren, erst einmal in die eigene Küche und auf den Einkaufszettel zu schauen. Die Ernährung sei „noch nie so gut wie heute“ gewesen, stellt etwa der Fachmediziner Hans Hauner von der Technischen Universität München laut einer Mitteilung fest. Die meisten Menschen benötigten deshalb keine Ergänzungsmittel.

Ähnlich sieht es das Bonner Bundeszentrum für Ernährung: Gesunde Menschen, die sich abwechslungsreich und ausgewogen ernähren, bräuchten in der Regel keine Nährstoffpräparate.

Tabletten ersetzen kein Gemüse

Die Basis sollte immer eine Ernährung mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln sein, wie Verbraucherschützerin Holzäpfel sagt. „Dazu kommen Milchprodukte und gelegentlich Fleisch, Fische oder Eier.“ Alle Lebensmittel enthalten bestimmte Vitamine und Mineralstoffe – bei einer guten Mischung bekomme man von allen etwas ab. „Falls ich kein Gemüse mag, ist es nicht zielführend, einfach Tabletten zu nehmen.“

Paprika – die unterschätzte „Vitaminbombe“

Vitamin D kommt nur in wenigen Lebensmitteln vor; nennenswerte Mengen finden sich etwa in Lachs, Hering und Makrele sowie im Eigelb. Beim Vitamin C sind laut den Verbraucherzentralen insbesondere Paprika, schwarze Johannisbeeren, Petersilie und mehrere Kohlsorten gute Lieferanten.

Sind Vitamin-Präparate Arznei- oder Lebensmittel?

Bestimmte Vitamine und Mineralstoffpräparate gibt es indes auch als Arzneimittel. Diese müssen zugelassen und vorab geprüft werden. Fachleute und Institutionen weisen darauf hin, dass die viel gefragten Ergänzungspräparate hingegen als Lebensmittel gelten – und damit weniger als Medikamente reguliert sind. Eine Vorabkontrolle gebe es nicht. Hersteller sind demnach dafür verantwortlich, dass sie sicher sind.

Lebensmittel werden nicht automatisch auf schädliche Stoffe geprüft

„Es ist nicht so, dass jemand von der Lebensmittelüberwachung prüft, ob das Etikett richtig beschriftet ist und ob möglicherweise schädliche Stoffe enthalten sind“, berichtet Holzäpfel. Das Produkt müsse lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet werden. Das Amt gebe dann die Informationen weiter an die Lebensmittelüberwachung, die das Produkt in ihre Kontrollen aufnehmen könne.

Fachleute dringen auf Prüfverfahren

Ernährungsmediziner Hauner plädiert dafür, Nahrungsergänzungsmittel in einem einfachen und schnellen Verfahren vorab zu prüfen. Dabei solle es unter anderem um Werbeaussagen gehen. Die Verbraucherzentralen in Deutschland äußern sich ähnlich und fordern eine behördliche Zulassung. „So, wie es jetzt ist, reicht es nicht aus“, resümiert Expertin Holzäpfel. (von Christian Böhme)

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