Die Bundesregierung hat eine Einigung bei der Pflegereform gefunden. Viele angekündigte soziale Härten bleiben aus. Für eine Gruppe kommt es dafür noch dicker als gedacht.
Friedrich Merz sieht sich als Kanzler, der für junge Menschen kämpft. Er mache Politik, „weil ich mich dieser Generation verpflichtet fühle“, sagte der CDU-Chef vor zwei Wochen bei einem Treffen mit jungen gesellschaftlich engagierten Menschen. Eine Art Versprechen.
Doch im Regierungsalltag bricht Merz dieses Versprechen nach nicht einmal zwei Wochen. Nach langem Ringen hat sich die schwarz-rote Koalition am Mittwoch auf eine Reform der Pflegeversicherung geeinigt.
Der Kompromiss von Union und SPD erspart vielen gesellschaftlichen Gruppen nun so manche Zumutung, die der ursprüngliche Gesetzentwurf der früheren Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) noch enthalten hatte. Für junge Menschen enthält er aber keine guten Nachrichten.
Zunächst zu den guten Neuigkeiten: Der Rentenanspruch für pflegende Angehörige wird nicht gekürzt. Wer neu pflegebedürftig wird, erhält nicht weniger Pflegegeld. Die Tariflöhne der Pflegekräfte können weiter steigen. Auch bei den Zuschüssen für Heimbewohner spart die Regierung nicht.
Die Bundesregierung sorgt nun dafür, dass ausgerechnet Beschäftigte am Beginn ihrer Karriere, die ohnehin bei oft gleicher Leistung schlechter verdienen, noch weniger Netto vom Brutto bleibt.
Caspar Schwietering
Doch warum kann die Regierung auf all diese Sparmaßnahmen verzichten, wo doch die Finanznot der Pflegekassen eher zu- als abnimmt? Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat sich entschieden, als Gegenfinanzierung eine Gruppe noch stärker zu belasten, als es Warken plante: die Kinderlosen.
Während Eltern trotz Finanzkrise der Pflegekassen keinen größeren Teil ihres Gehalts an die Pflegekassen abgeben müssen, erhöht sich der Zusatzbeitrag für Kinderlose um weitere 0,3 Prozentpunkte. Warken plante nur eine Erhöhung um 0,1 Prozentpunkte.
Künftig zahlen Kinderlose somit 0,9 Prozentpunkte mehr als Väter oder Mütter. Ihr Pflegebeitrag liegt bei 4,5 Prozent, für Eltern mit einem Kind sind es 3,6 Prozent. Für Mehrfacheltern ist es noch weniger.
Neben allen, die keine Kinder bekommen können und wollen, trifft das insbesondere junge Menschen, die sozialversicherungspflichtig angestellt sind.
Viele von ihnen dürften sich mit dem Thema Familienplanung noch nicht einmal beschäftigt haben. Denn Frauen waren hierzulande bei der Geburt ihres ersten Kindes zuletzt im Durchschnitt bereits 30,5 Jahre alt, Männer gar 34,7 Jahre.
Linnemanns Vorgehen ist unlogischDie Bundesregierung sorgt nun dafür, dass ausgerechnet Beschäftigte am Beginn ihrer Karriere, die ohnehin bei oft gleicher Leistung schlechter verdienen, noch weniger Netto vom Brutto bleibt. Mit Blick auf die Demografie ist das kontraproduktiv.
Denn gerade in Großstädten zögern junge Paare auch deshalb das Kinderkriegen hinaus, weil sie nicht genug verdienen, um sich eine Dreizimmerwohnung leisten zu können. Und wenn das erste Kind später kommt, folgt oft kein zweites oder drittes mehr.
Warum langt die Regierung also so stark bei den Kinderlosen zu? Eine große Logik muss man hinter der Entscheidung nicht suchen. Gesundheitsminister Linnenmann ging es wohl vor allem darum, sagen zu können: „Der allgemeine Beitrag bleibt stabil.“ Doch der gilt eben nur für Eltern.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | SPD kündigt Pflegekompromiss auf: Das ist ein Poker auf Kosten von Millionen | 0 | 7.95 | 28-09-2026 |
| 2 | Ärzte: Schwangeren-Versorgung durch Reform gefährdet | 0 | 11.23 | 04-06-2026 |
| 3 | Linnemann will Kinderkrankentage kürzen: Eine Unverschämtheit? Mitnichten | 0 | 7.79 | 25-09-2026 |
| 4 | Groß angekündigt, kaum geliefert: Für junge Menschen bleibt von dieser Steuerreform fast nichts | -8 | 6 | 02-07-2026 |
| 5 | Sozialreformen im Gesundheitswesen: Was sich für gesetzlich Versicherte verändert | 0 | 8.92 | 19-08-2026 |
| 6 | Pflegereform: Arbeitsauftrag für Kommission steht | 0 | 8.82 | 13-10-2026 |
| 7 | Koalition: SPD stellt Koalitions-Kurs auf den Prüfstand: „Die Menschen wollen Reformen, aber…“ | 0 | 14.17 | 21-09-2026 |
| 8 | Beschlusspapier: Die Ergebnisse des Koalitionsausschusses im Wortlaut | 0 | 5 | 02-07-2026 |
| 9 | Liveticker zu Reformen: Kabinett beschließt Frühstartrente und Bafög-Erhöhung | 0 | 9.32 | 12-08-2026 |
| 10 | Wird das Elterngeld gekürzt? | 0 | 12.49 | 22-05-2026 |