Die In-Ear-Kopfhörer Bang & Olufsen Beoplay Eleven setzen auf Luxus-Touch und einen stolzen Preis. Reicht das gegen die deutlich günstigere Konkurrenz?
Die In-Ear-Kopfhörer Bang & Olufsen Beoplay Eleven setzen auf Luxus-Touch und einen stolzen Preis. Reicht das gegen die deutlich günstigere Konkurrenz?
Bang & Olufsen steht für Audio-Luxus, den man nicht nur hören, sondern auch sehen kann – und für den man mitunter sehr tief in die Geldbörse greifen muss. Als Weiterentwicklung der gelungenen Beoplay EX müssen die In-Ear-Kopfhörer Beoplay Eleven im Test beweisen, dass sie ein würdiges Upgrade bieten und den deutlich höheren Startpreis von 499 Euro auch vertretbar machen können.
Design und Tragekomfort der Beoplay ElevenDie Beoplay Eleven greifen das edle Design des Vorgängers sehr präzise auf und zeigen sich in drei frischen Farbvarianten: Am klassischsten (und unauffälligsten) ist Natural Aluminium mit einer Kombination aus Schwarz und Silber. Copper Tone ist ein Zusammenspiel aus Weiß und Orange, Eucalyptus Green eine Mischung aus Weiß und Türkis. Das Ladecase ist überwiegend in der namensgebenden Akzentfarbe gehalten. Bei der Verarbeitungsqualität und den verwendeten Materialien zeigt sich schließlich, dass wir uns klar im oberen Preisbereich befinden. Der Mix aus Aluminium, Polymer, Silikon und Akzenten aus Glas ist hochwertig und ansehnlich zugleich. Beim Etui kommt perlgestrahltes Aluminium zum Einsatz, das sehr robust wirkt. Lediglich der Deckel hat im geöffneten Zustand einen Tick zu viel Spiel. Das ist aber Meckern auf sehr hohem Niveau.
Im Lieferumfang sind Ohrpassstücke aus Silikon in vier Größen enthalten. Zusätzlich gibt es ein Aufsatz-Paar aus Comply-Memoryschaum in mittlerer Größe für eine bessere und angenehmere Abschirmung. Mit rund 6 g Gewicht sitzen die Beoplay Eleven dann auch angenehm in den Ohren bei gutem Halt, der für intensiven Sport allerdings nicht ausreicht. Durch den IP57-Schutz sind die In-Ears sehr gut vor Staub, Schweiß und Regen geschützt und können auch mal kurz ins Wasser plumpsen. Für das Ladecase gibt es hingegen keine Schutzklasse.
Bang & Olufsen Beoplay Eleven
Auf Android-Geräten findet Google Fast Pair die B&O Beoplay Eleven schnell und empfiehlt auch gleich die passende Begleit-App. Einfacher geht’s nicht. Bei Windows-Geräten greift Microsoft Swift Pair ein.
Nicht so gut gefällt uns die Tipp-Steuerung über die Glas-Touch-Oberfläche: Sie ist sehr simpel gehalten, lässt sich über die Begleit-App nicht anpassen und wir vermissen auf Anhieb ein akustisches Feedback bei der Mediensteuerung. Beim Durchschalten der ANC-Modi fehlt uns ein Hinweis, welcher Modus gerade aktiv ist.
Die App ist eine Enttäuschung: Sie wirkt nicht ganz durchdacht, ist an eine Registrierung gebunden und bietet uns kaum Gründe, hier regelmäßig reinzuschauen. Gut gefällt uns lediglich der EQ-Modus mit seinen vier gut gewählten Klang-Presets (Sport, Commute, Clear und Podcast) und dem Beosonic-Equalizer, der die persönliche Klanganpassung über einen kreisförmigen Regler sehr einsteigerfreundlich macht.
Bang & Olufsen Beoplay Eleven Screenshot
Die B&O Beoplay Eleven verbinden sich über Bluetooth 5.2 inklusive Multipoint-Unterstützung für die Verbindung mit zwei Geräten gleichzeitig. An Codecs stehen SBC, AAC und mit aptX Adaptive auch eine Hi-Res-Variante zur Auswahl. Das war’s dann eigentlich auch schon. Bis vielleicht noch auf die Qi-Fähigkeit für kabelloses Laden bieten die In-Ears sonst keine weiteren nennenswerten Features. Selbst aktuelle In-Ear-Kopfhörer um 100 Euro, wie etwa die Soundcore Liberty 5 (Testbericht), haben hier deutlich mehr zu bieten – wie etwa eine Trageerkennung, einen Low-Lag-Modus oder gar einen Sprachassistenten. Bei einer UVP von 499 Euro ist das schon äußerst schwach.
AkkuDie Akkulaufzeit der Beoplay Eleven gibt Bang & Olufsen ohne ANC mit bis zu 8 Stunden am Stück und insgesamt 28 Stunden über das Ladecase an. Wird die aktive Geräuschunterdrückung aktiviert, reduziert sich die Laufzeit auf bis zu 6 Stunden und 20 insgesamt. Die Werte decken sich sehr genau mit unserer Testerfahrung. Kommt der aptX-Codec zum Einsatz, muss mit etwas weniger Laufzeit gerechnet werden. Geladen wird über das beigelegte USB-C-Ladekabel in etwa anderthalb Stunden. Nach 20 Minuten reicht der Akku für etwa eindreiviertel Stunden Wiedergabe. Kabelloses Laden ist auch möglich, dann dauert es aber entsprechend länger. Toll: Die Akkus lassen sich über B&O austauschen.
KlangWie schon die Beoplay EX setzen auch die Beoplay Eleven auf einen 9,2 mm großen Neodym-Treiber, der richtig gute Arbeit abliefert. Hier hat Bang & Olufsen definitiv sein Aushängeschild gefunden. Wir hören ein sehr detailreiches Klangbild, das sich selbst bei hoher Lautstärke keine nennenswerte Blöße gibt. Dazu eine Bass-Performance, die bei passenden Songs wie „A Cold Play“ von The Kid LAROI richtig gut zünden kann. Kurzgefasst: Der Sound macht richtig Laune und ist das klare Highlight der Beoplay Eleven.
Aber auch bei der Sprachqualität machen die In-Ears mit ihren insgesamt sechs verbauten Mikrofonen eine gute Figur, sofern die Umgebung beim Telefonieren nicht zu laut ist. Denn greift das ANC oder auch die Windschutz-Funktion ein, rückt die Präsenz der eigenen Stimme zunehmend in die Ferne, bis man nur noch schwer zu verstehen ist.
ANCBang & Olufsen spricht bei den Beoplay Eleven von einem auf das höchste Niveau verbesserten Noise Cancelling. Wir nehmen im Test eher ein gutes Mittelmaß wahr. Zu deutlich sind die Unterschiede zu den großen ANC-Playern wie Apple, Bose oder Sony. Mit den beigelegten Memoryschaum-Ohrstücken lässt sich die passive Abschirmung noch ein Stück weit verbessern, die Größe muss allerdings auch passen. In unserem Fall tut sie es nicht ganz.
Der Transparenzmodus überzeugt uns hingegen. Die Umwelt wird natürlich durchgeschleift und die eigene Stimme dröhnt beim Sprechen nicht in den Ohren, wie es bei vielen anderen In-Ear-Kopfhörern oft der Fall ist.
Preis: Was kosten die Beoplay Eleven?Mit einer UVP von 499 Euro siedeln sich die B&O Beoplay Eleven deutlich im Premium-Segment an und zählen zu den teuersten In-Ear-Kopfhörern mit ANC am Markt. Je nach Farbe gibt es sie inzwischen ab 378 Euro (Amazon), beziehungsweise 424 Euro (Amazon).
FazitSelten haben wir uns bei einem In-Ear-Kopfhörer so hin- und hergerissen gefühlt wie bei den B&O Beoplay Eleven. Beim wohl wichtigsten Kopfhörer-Kriterium, dem Sound, wird meisterlich abgeliefert. Dazu das edle Design, das Spiel mit außergewöhnlichen Materialien und die hohe Verarbeitungsqualität. So weit passt das gut zum Luxus-Anspruch der Marke und dem aufgerufenen Preis.
In puncto Features, Begleit-App und ANC passt das proklamierte Streben nach dem Besten vom Besten dann allerdings so gar nicht ins Bild. Hier werden die Beoplay Eleven bereits von Modellen um 100 Euro klar in den Schatten gestellt. Auch sehen wir zu wenig Fortschritt gegenüber den Beoplay EX, was den mittlerweile deutlich günstigeren Vorgänger auch gleich zur empfehlenswerten Alternative macht.
Wer gezielt das B&O-Prestige in den Ohren tragen und erstklassigen Sound genießen will, ist mit den hochwertig verarbeiteten Beoplay Eleven grundsätzlich gut bedient. Allen anderen raten wir aber zu günstigeren Premium-Kopfhörern, die einfach das bessere Gesamtpaket und echte Premium-Features bieten. Ein gutes Beispiel dafür sind die Technics EAH-AZ100 (Testbericht) mit Auracast, Dolby Atmos und LDAC-Codec.