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Großer Redebedarf auf dem Friedhof: Trauerbänke müssen vor Winter weichen

Дата публикации: 18-10-2026 18:00:00

Rund 30 Bürger haben auf dem Waldfriedhof mit dem Bürgermeister gesprochen. Sie kämpfen für die Trauerbänke, die für die Stadt ein Risiko darstellen.

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Stand: 18.10.2026, 20:00 Uhr

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Geretsried Friedhof, Bänke sollen weg, Ilse Graf am Grab ihrer Tochter

Fast jeden Tag sitzt Iris Graf am Grab ihrer Tochter Linda. Ihr helfe das bei der Trauerbewältigung. Auch Freunde von Linda würden oft auf den zwei schmiedeeisernen Bänken Platz nehmen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Rund 30 Bürger haben auf dem Waldfriedhof mit dem Bürgermeister gesprochen. Sie kämpfen für die Trauerbänke, die für die Stadt ein Risiko darstellen.

Geretsried – Der Diskussionsbedarf war groß. Etwa 30 Geretsrieder nutzten die Gelegenheit, bei einer Sonder-Bürgersprechstunde auf dem Waldfriedhof am Freitagmittag mit Bürgermeister Patrik Kohlert zu reden. Fast allen ging es um den Erhalt der privaten Sitzbänke auf dem Friedhof. Die Stadt will sie wie berichtet aus Sicherheitsgründen entfernen lassen.

Geretsried Friedhof, Bänke sollen weg, Bürgersprechstunde Patrik Kohlert  - diese Steine sollenb als Sitzgelegenheit hin

Großen Redebedarf hatten die Geretsrieder in der Bürgersprechstunde. Ihnen gefielen die rautenförmigen Sitzsteine, die an einigen Ecken neu platziert wurden, gar nicht. © Sabine Hermsdorf-HissWaldfriedhof Geretsried: Stadt will private Bänke vor dem Winter räumen lassen

Iris Graf und ihre Mutter Gislinde Graf haben am Grab ihrer Tochter und Enkelin Linda zwei schmiedeeiserne Bänke nebeneinander aufgestellt. Linda Graf war im Mai mit nur 20 Jahren tödlich verunglückt. „Wir sitzen da fast jeden Tag. Uns hilft das bei der Trauerbewältigung“, sagte die Mutter gegenüber unserer Zeitung. Auch Freundinnen und Freunde ihrer Tochter, die Mitglied des Geretsrieder Jugendrats und überhaupt sehr engagiert war, würden oft kommen. „Die reden über die Linda, lachen und weinen zusammen“, erzählte die Mutter.

Nun möchte Bürgermeister Kohlert aber, dass die Eigentümer noch vor dem Winter sämtliche Sitzmöbel wegräumen. Er begründete bei dem Vor-Ort-Termin erneut, warum. Die Stadt erstelle derzeit mit der Freiburger Firma Weiher ein Friedhofskonzept mit dem Titel „Friedhof 2050“. Bei den Vorgesprächen habe die Firma die Stadt darauf aufmerksam gemacht, dass die nicht städtischen Bänke ein Sicherheitsrisiko darstellten. Sie könnten umkippen, man könnte sich an scharfen Kanten oder splitterndem Holz verletzen. „Ich habe bei mehreren Gemeinden nachgefragt. Es gibt keine, die andere Sitzgelegenheiten als die eigenen erlaubt“, sagte Kohlert. Denn bei einem Unfall hafte die Kommune. Daran würden auch Schilder mit dem Hinweis „Benutzung auf eigene Gefahr“, wie von einigen Bürgern vorgeschlagen, nichts ändern.

„Es gelten einfach Regeln in einer Gemeinschaft, an die sich jeder halten muss“, so der Rathauschef. Apropos Regeln: In der städtischen Friedhofssatzung, zuletzt 2016 aktualisiert, steht nicht, dass individuelle Bänke verboten sind. „Es wurde aber auch nie eine solche Bank von mir oder meinen Vorgängern genehmigt, wie manche behaupten“, betonte Kohlert. Vielmehr sei das Anbringen bisher geduldet worden. Er als neuer Bürgermeister wolle jedoch nicht haften, sollte etwas passieren.

Einige der Anwesenden konnten das nachvollziehen. Andere meinten, die Gefahr, von einer Bank zu fallen, sei deutlich geringer als die, auf einem Waldfriedhof über eine Wurzel zu stolpern oder von einem herabfallenden Ast getroffen zu werden. Dem widersprach Kohlert. Die Stadt kontrolliere jeden Baum zweimal im Jahr. Breche trotzdem mal ein Ast ab und verletze eine Person, erkenne ein Richter das als „tragisches Unglück“ an. Die Friedhofsmitarbeiter rüttelten auch regelmäßig an den Grabsteinen, um sicherzugehen, dass sie nicht locker seien. Die öffentlichen Bänke seien alle TÜV‑zertifiziert. Kohlert: „Bei einer privaten, unbefestigten Bank, die nach hinten kippt, habe ich keinerlei Handhabe“.

Iris Graf schlug daraufhin vor, dass die Eigentümer ihre Sitzgelegenheiten ebenfalls vom TÜV untersuchen lassen könnten. Die trauernde Mutter will sich über Möglichkeiten und Kosten informieren. Sie tauschte Handynummern mit anderen Besuchern aus, die sich eventuell anschließen würden. Kohlert hätte grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Bankerl nicht im Weg stünden und so die Arbeit des Friedhofspersonals behinderten. Denn auch das kommt laut Friedhofsverwalter Richard Zimolong vor. An einer Stelle des Rundgangs war es für eine Besucherin mit Rollator recht eng, um zwischen Grab und Bank durchzukommen.

„Die Menschen brauchen doch einen Platz, wo sie gemeinsam trauern können“, meinte Ellen Hoffmann auf dem Weg durch den Friedhof. Solche Plätze möchte die Stadt auf jeden Fall anbieten. Zusätzlich zu den vorhandenen Holzbänken wolle man zeitnah weitere aufstellen, versprach Kohlert. Die rautenförmigen Sitzsteine, die an einigen Ecken neu platziert wurden, gefielen den 30 Teilnehmern der Bürgersprechstunde überhaupt nicht. Sie hätten keine Lehne, seien kalt und man könne nicht nebeneinander darauf hocken, hieß es.

Parkdauer am Waldfriedhof wird erhöht

Auch Lob am neuen Konzept gab es. Kurt Schiessling äußerte sich positiv über den Urnengarten und wollte wissen, ob ein weiterer geplant sei. Kohlert bejahte. 2027 oder 2028 könnte der Garten fertig sein. Baumbestattungen und Tuchbestattungen würden ebenfalls künftig eine größere Rolle spielen. Ein Wunsch soll sofort erfüllt werden: Die Parkdauer wird von eineinhalb auf drei Stunden erhöht. Trotz knapper Kassen will die Stadt laut Bürgermeister in ihren schönen, parkähnlichen Waldfriedhof investieren. Wer eine der neuen Bänke spenden wolle, dürfe das jederzeit gerne tun. Das wäre für Iris Graf eine Alternative: „Es wäre mir nur wichtig, ganz in der Nähe meiner geliebten Tochter sitzen zu können.“

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