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Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten: Chinas Exporte gehen durch die Decke, die Konsumenten üben Zurückhaltung

Дата публикации: 19-10-2026 12:29:29

Zwischen Juli und September wuchs die chinesische Wirtschaft stärker als erwartet. Der Haupttreiber waren die Ausfuhren von Tech-Komponenten. Doch was passiert, wenn der globale KI-Boom abebbt?

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Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten: Chinas Exporte gehen durch die Decke, die Konsumenten üben Zurückhaltung

Zwischen Juli und September wuchs die chinesische Wirtschaft stärker als erwartet. Der Haupttreiber waren die Ausfuhren von Tech-Komponenten. Doch was passiert, wenn der globale KI-Boom abebbt?

19.10.2026, 14.29 Uhr

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Der KI-Boom freut die Hersteller von Chips.

Der KI-Boom freut die Hersteller von Chips.

Guo Cheng / Imago

Bei vielen chinesischen Technologiefirmen dürften in diesen Tagen die Sektkorken knallen. Hersteller von Speicherchips etwa steigerten im September ihre Ausfuhren, in Dollar gerechnet, um 136 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Chinas Handyhersteller exportierten im selben Monat, ebenfalls in Dollar gerechnet, wertmässig 14 Prozent mehr Endgeräte als im September 2025.

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Insgesamt wuchsen Chinas Exporte im abgelaufenen Monat um 36,3 Prozent, nach 25 Prozent im August. Chinas Handelsbilanzüberschuss betrug im September 133,5 Milliarden Dollar. Der Haupttreiber der Ausfuhren ist der weltweite KI-Boom. Überall investieren Unternehmen in riesige Datencenter. Dort werden Chips aus China gebraucht.

Vor allem dank dem boomenden Exportsektor wuchs die chinesische Wirtschaft zwischen Juli und September nach offiziellen Angaben um 4,5 Prozent, und damit kräftiger als von den meisten Experten erwartet. Im Vorquartal hatte der Zuwachs bloss 4,3 Prozent betragen. Damit dürfte China das von der Regierung für das laufende Jahr vorgegebene Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent erreichen.

Verlassene Läden in Peking

Der Boom im Exportsektor steht in krassem Gegensatz zur Inlandnachfrage. So legten die Umsätze im Detailhandel im September mit 1,1 Prozent zwar etwas stärker zu als im Vormonat. Insgesamt halten sich Chinesinnen und Chinesen mit Ausgaben aber nach wie vor stark zurück. Zu besichtigen ist dies etwa in der Pekinger Innenstadt. Dort müssen immer mehr kleine Läden und Restaurants schliessen.

Die verlassenen Läden verkleiden die Managementfirmen meist mit grossen Transparenten. Der Schriftzug «Coming soon» soll suggerieren, dass schon bald ein Nachfolger einzieht. Meist geschieht dies nicht. «Chinas berühmteste Restaurantkette heisst ‹Coming soon›», ist in diesen Tagen ein viel gehörter Witz.

Vor allem die anhaltende Krise am Immobilienmarkt drückt nach wie vor das Konsumentenvertrauen. Wie die chinesische Regierung am Montag mitteilte, fielen die Investitionen am Immobilienmarkt während der ersten neun Monate des Jahres erneut um 20,6 Prozent. Insgesamt schrumpften die Investitionen zwischen Januar und September im Jahresvergleich um 7,2 Prozent.

Dies ist ein Indiz für das insgesamt schwache Vertrauen in die chinesische Wirtschaft, aber auch für die engen finanziellen Spielräume der Unternehmen und der Lokalregierungen.

Gefahr eines Einbruchs der Wirtschaft

Die boomenden Tech-Exporte Chinas bergen auch Risiken. Sollte sich der globale KI-Boom eines Tages abschwächen oder zum Stillstand kommen – was früher oder später passieren wird –, bekäme Chinas Wirtschaft dies schmerzhaft zu spüren. Die schwache Binnenkonjunktur könnte den Einbruch kaum auffangen. Die Folge wären dramatische Rückgänge der Unternehmensgewinne. Viele Firmen sähen sich wohl gezwungen, Arbeiter zu entlassen.

«Die Exporte dürften wegen des Investitionsbooms bei künstlicher Intelligenz stark bleiben, doch eine Umkehr der Chip-Preise und Handelsbarrieren sind klare Risiken», erklärt Dave Chia, China-Ökonom bei Moody’s Analytics in Schanghai.

Kaum neue Arbeitsplätze

Derzeit profitieren die chinesischen Exportfirmen von den weltweit steigenden Preisen infolge des KI-Booms. Höhere Preise, insbesondere aufgrund gestiegener Energiekosten, gibt es auch in anderen Bereichen. Abzulesen ist dies an den Volumina der chinesischen Ausfuhren. So wuchs etwa die Menge der exportierten Speicherchips im September nur um 2 Prozent; die absolute Stückzahl der ausgeführten Handys schrumpfte sogar um 13 Prozent.

Auch bei Hausgeräten, Aluminiumprodukten und petrochemischen Erzeugnissen lagen die Volumina der Exporte im September weit unter den in Dollar gemessenen Ausfuhren. Dies dürfte bedeuten, dass viele Unternehmen trotz steigenden Umsätzen und Gewinnen kaum neue Arbeitsplätze schaffen.

Sollte der chinesische Exportboom noch über längere Zeit anhalten, könnte dies aber auch zu einer Verschärfung der Spannungen mit anderen Ländern führen. Schon jetzt ist China auf dem besten Weg, seinen weltweiten Exportüberschuss von 1,2 Billionen Dollar vom vergangenen Jahr zu übertreffen.

Brüssel will mehr von Peking

Die Europäische Union etwa erzielte bei ihren Handelsgesprächen mit der chinesischen Regierung vor wenigen Wochen einen ersten Kompromiss. Danach will China dafür sorgen, dass seine Unternehmen die Ausfuhren von Hybridfahrzeugen in die EU sukzessive reduzieren.

Doch für Brüssel ist die Einigung nicht mehr als ein Anfang, wie es der Handelskommissar Maros Sefcovic formulierte. Schon nehmen EU-Spitzen andere Branchen ins Visier, für die sie von Peking Zugeständnisse fordern wollen. Die Rede ist in Brüssel von der chemischen Industrie, aber auch europäische Hersteller von Industriemaschinen will die EU vor chinesischer Konkurrenz schützen. Chinas Exportboom steht auf wackligen Beinen.

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