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Lindt-Chef Adalbert Lechner muss per sofort gehen – seine Position übernimmt vorerst ein Lindt-Urgestein

Дата публикации: 19-10-2026 10:13:26

Lindt & Sprüngli kämpft mit schwachen Verkaufszahlen und einem stark gesunkenen Aktienkurs. Nun übernimmt die alte Garde rund um den Präsidenten Ernst Tanner und den ehemaligen Chef Dieter Weisskopf. Wer neuer CEO wird, ist noch offen.

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Lindt-Chef Adalbert Lechner muss per sofort gehen – seine Position übernimmt vorerst ein Lindt-Urgestein

Lindt & Sprüngli kämpft mit schwachen Verkaufszahlen und einem stark gesunkenen Aktienkurs. Nun übernimmt die alte Garde rund um den Präsidenten Ernst Tanner und den ehemaligen Chef Dieter Weisskopf. Wer neuer CEO wird, ist noch offen.

19.10.2026, 12.13 Uhr

4 Leseminuten

Aktualisiert

Adalbert Lechner war insgesamt 33 Jahre für Lindt & Sprüngli tätig.

Adalbert Lechner war insgesamt 33 Jahre für Lindt & Sprüngli tätig.

Andreas Becker / Keystone

Bei Lindt & Sprüngli kommt es zu mehreren Führungswechseln, die zeigen, dass der Schokoladekonzern in grossen Schwierigkeiten steckt. Per sofort gehen muss der Konzernchef Adalbert Lechner, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

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Es ist ein unrühmlicher Abgang für ein Lindt-Urgestein: Lechner arbeitete seit 33 Jahren im Unternehmen. Er gehörte zu den ersten Managern, die der Firmenpatron und heutige Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner einstellte, als er in den 1990er Jahren die Führung von Lindt & Sprüngli übernahm. Lechner leitete jahrzehntelang erfolgreich das wichtige Deutschland-Geschäft, bevor er 2022 zum Konzernchef von Lindt & Sprüngli wurde.

Suche nach dauerhaftem CEO

Nun lässt der Verwaltungsratspräsident Tanner den Weggefährten fallen. Dass es sich um eine Absetzung handelt, lässt sich durch lobende Worte kaum kaschieren: «Der Verwaltungsrat dankt Adalbert Lechner für seinen bedeutenden Beitrag zum Erfolg von Lindt & Sprüngli in seinen 33 Jahren im Unternehmen.»

An Lechners Stelle übernimmt vorerst ein anderes Lindt-Urgestein die operative Führung: Dieter Weisskopf, der das Unternehmen von 2016 bis 2022 leitete und seither als Vizepräsident im Verwaltungsrat sitzt. Weisskopf will sich in den kommenden Monaten darauf konzentrieren, das Geschäft in Europa wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Er soll interimistischer CEO bleiben, bis ein dauerhafter Nachfolger gefunden ist. Der Verwaltungsrat will den neuen Konzernchef oder die neue Konzernchefin spätestens im zweiten Quartal 2027 präsentieren.

Dieter Weisskopf leitete Lindt & Sprüngli von 2016 bis 2022 und sitzt heute im Verwaltungsrat – nun muss er interimistisch nochmals als CEO einspringen.

Dieter Weisskopf leitete Lindt & Sprüngli von 2016 bis 2022 und sitzt heute im Verwaltungsrat – nun muss er interimistisch nochmals als CEO einspringen.

Arnd Wiegmann / Reuters

Ungewöhnliche Absatzkrise

Die personellen Turbulenzen sind eine Folge davon, dass Lindt & Sprüngli seit knapp einem Jahr unter einer ungewöhnlichen Absatzkrise leidet. Vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich sind die Verkaufsvolumen in diesem Jahr deutlich zurückgegangen.

Bereits das Ostergeschäft lief schlecht, und auch für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft haben die Händler weniger Lindor-Kugeln und Pralinés bestellt als üblich. Der Hauptgrund sind die hohen Preise: Lindt hatte seine Produkte in den vergangenen Jahren um 40 bis 50 Prozent verteuert. Dies war zum Teil nötig, weil der Weltmarktpreis für den Rohstoff Kakao stark gestiegen ist.

Doch die Konzernführung unterschätzte die Reaktion der Kunden. Im März musste sie ein erstes Mal die Umsatzerwartungen für dieses Jahr nach unten schrauben. Ende September folgte die zweite Korrektur. Eine solche Häufung von Umsatzwarnungen hatte es in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht gegeben. Gleichzeitig stürzte der Aktienkurs von Lindt & Sprüngli in diesem Jahr um rund 40 Prozent ab. Dies dürfte den Abgang des Konzernchefs Adalbert Lechner eingeläutet haben.

Zu einem Führungswechsel kommt es auch im Markt Deutschland. Der dortige Länderchef Michal Spiller muss ebenfalls per sofort gehen. Er wird ersetzt durch den bisherigen Österreich-Chef, Ali Kulein. In Österreich wird Fabian Reinhardt, der bisherige Leiter von Global Sales am Hauptsitz in Kilchberg, übernehmen. Keinen Wechsel gibt es hingegen in der Schweiz.

Schwierige Rückgewinnung der Kunden

Den Managern muss es gelingen, die Geschäfte im deutschsprachigen Raum wieder zum Laufen zu bringen. Während Lindt & Sprüngli in den USA oder in asiatischen Schwellenländern weiterhin wächst, nagen die Probleme in Europa am Fundament des Unternehmens. Bisher hatte Lindt die Preise stets erhöhen können, ohne Kunden zu verlieren. Nun ist die Preissetzungsmacht infrage gestellt: Nehmen die Konsumenten Lindt das Versprechen, es handle sich um Premiumschokolade, weiterhin ab? Oder sind ihnen die Produkte zu teuer geworden?

In Deutschland und in der Schweiz setzt die Konzernführung jetzt auch auf Promotionen, um die Kunden zurückzugewinnen. In deutschen Supermärkten sowie im Schweizer Coop sind auffällig viele Rabattaktionen für Lindt-Produkte zu sehen. Doch Promotionen sind eine Gratwanderung: Werden sie zu häufig eingesetzt, verlieren die Kunden womöglich den Glauben, dass es sich um ein Luxusprodukt handelt.

Braucht es Änderungen im Verwaltungsrat?

Fragen stellen sich ebenfalls zur künftigen Führung des Konzerns. Einerseits muss ein neuer CEO gefunden werden. Anderseits bestimmt die alte Garde schon lange die Geschicke des Unternehmens: Ernst Tanner leitet seit 33 Jahren den Verwaltungsrat und gilt als allmächtiger Herrscher bei Lindt & Sprüngli.

Auch der Verwaltungsrat sollte einer Prüfung unterzogen werden, erklärte Jean-Philippe Bertschy, Aktienanalyst bei der Bank Vontobel. Der Verwaltungsrat hätte in seinem Urteil früher eingreifen können.

«Wir würden eine weitere Erneuerung des Verwaltungsrats im nächsten Frühjahr begrüssen», erklärte Bertschy. Zusammengenommen sollten diese Änderungen die Grundlagen legen, damit Lindt & Sprüngli wieder zum gewohnten Wachstum zurückfinden kann.

Passend zum Artikel

Der Schokoladekonzern hat an der Börse stark an Wert verloren. Das Vermögen von Firmenpatron Ernst Tanner ist um 165 Millionen Franken geschrumpft. Dennoch hält der 80-Jährige weiterhin alle Fäden in der Hand.

Ein gerade lanciertes Anlageprodukt setzt auf radikale Swissness – und schliesst so ausgerechnet die bekanntesten heimischen Aushängeschilder aus.

Die Preise sind so stark gestiegen, dass Schokolade langsam zum Luxusgut wird. Doch die Konsumenten machen nicht mehr alles mit.

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