Datenzentren sind vollgestopft mit Ausrüstung und Erfindungen aus der Schweiz. Die NZZ stellt jene Firmen vor, die den KI-Boom möglich machen – und davon profitieren.
Datenzentren sind vollgestopft mit Ausrüstung und Erfindungen aus der Schweiz. Die NZZ stellt jene Firmen vor, die den KI-Boom möglich machen – und davon profitieren.
16.10.2026, 05.32 Uhr
5 Leseminuten
Künstliche Intelligenz breitet sich schnell im Alltag aus. Möglich machen das Datenzentren, die insbesondere in den USA wie Pilze aus dem Boden schiessen. Allein die grossen amerikanischen Tech-Konzerne investieren Hunderte Milliarden Dollar in den Bau.
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In diesen riesigen Gebäuden stecken viel Ingenieurskunst und Spitzentechnologie. Zu den Zulieferern zählen über ein Dutzend Schweizer Unternehmen, die mit ihren Produkten den digitalen Siegeszug möglich machen.
Manche Firmen treten in der Öffentlichkeit selten in Erscheinung. Sie sind die versteckten Schweizer Champions des KI-Booms.
Auffällig ist der Erfolg von Schweizer Mikrotechnik, oft aus der Hand klassischer Industrieunternehmen. Der Grund seien die hohe Qualität und die Zuverlässigkeit, erläutert Adriaan Spierings, Industrieexperte beim Branchenverband Swissmem. Das gehe bis auf die Uhrenindustrie zurück, in der es ebenfalls auf die Fertigung kleiner Komponenten mit konstant höchster Präzision ankomme. Diese Expertise habe die Firmen auch in andere Sektoren geführt, darunter die Halbleiterindustrie.
Die Ergebnisse sind gut, aber nicht billig: Schweizer Tech-Zulieferer seien in fast allen Sektoren teurer als die Konkurrenz, räumt Spierings ein. Aber entscheidend sei die hohe Leistungsfähigkeit der Produkte: «So gelingt es vielen Schweizer Firmen, in ihrer Nische zur Weltspitze zu gehören und absolut wettbewerbsfähig zu sein.» Zwar würden asiatische Anbieter aufholen, insbesondere bei Neuentwicklungen. Doch noch bestehe ein Qualitätsabstand.
Deshalb boomen die Aufträge. Zum Beispiel beim Halbleiterzulieferer VAT im St. Galler Rheintal. Dort gingen von Juli bis Ende September fast dreimal so viele Bestellungen wie im Vorjahreszeitraum ein – so viele wie nie in der Firmengeschichte. Das Unternehmen habe weltweit 450 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, wie es am Donnerstag bekanntgab. Der Aktienkurs hat binnen eines Jahres um mehr als 60 Prozent zugelegt. Aber was macht VAT genau?
Ohne Chips geht nix: Einsatz für VAT, Comet, Inficon und Huber + Suhner
Datenzentren und KI benötigen immer mehr und immer stärkere Computerchips. Das hat Chip-Entwickler wie Nvidia ins Scheinwerferlicht gerückt. Doch um die Chips zu produzieren und ihre Leistung zu nutzen, braucht es Hightech-Maschinen und Komponenten. Hier kann die Schweizer Industrie ihre Stärken voll ausspielen:
Immer online: ABB und Accelleron sorgen für Strom
Datenzentren und KI-Anwendungen brauchen viel Strom. Schweizer Unternehmen bauen zwar keine Kraftwerke – aber bei der Verteilung und Übertragung der Elektrizität können sie helfen. Ein Rechenzentrum sollte sich keinen Stromausfall erlauben. Um die stabile Versorgung zu garantieren, braucht es mehr als den Anschluss an das Stromnetz.
Abseits dieser Schwergewichte profitieren auch kleinere Firmen vom Stromhunger: Das Unternehmen LEM aus Meyrin im Kanton Genf stellt Strom- und Spannungssensoren her, um den Netzbetrieb im Rechenzentrum zu überwachen. Die R&S Group aus Sissach in Basel-Landschaft produziert ähnlich wie ABB Transformatoren und Spannungswandler.
Die Wärme muss weg: Belimo und Georg Fischer bringen Kühlung
Ein grosser Teil des Strombedarfs von Datenzentren wird für die Kühlung der Chips und Server benötigt. Weil die Chips immer leistungsfähiger und dichter platziert werden, entwickelt sich beim Betrieb mehr Wärme. Die klassische Kühlung durch Luftströme stösst an ihre Grenzen. Kühlendes Wasser, sonst der natürliche Feind jeder Elektronik, wird zu einem unentbehrlichen Helfer.
Der enorme Baubedarf bringt auch die grossen Schweizer Bauzulieferer ins Spiel: Die in Zug angesiedelte Sika, der weltgrösste Hersteller von Bauchemie, produziert Beschichtungen, um zum Beispiel das Eindringen von Feuchtigkeit ins Gebäude zu verhindern. Die Zementkonzerne Holcim aus Zug und Amrize, Holcims abgespaltenes Geschäft in Nordamerika, liefern den Beton für die massiven Rechenzentren.
Zeit ist Geld: Kühne + Nagel drückt beim Transport aufs Tempo
Alle Ausrüstung für den Bau und Betrieb von Datenzentren hat eines gemeinsam: Sie muss an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Im Wettrennen der Tech-Konzerne ist kein Platz für langwierige Transporte. Davon profitiert Kühne + Nagel mit Sitz in Schindellegi, der weltgrösste Speditionskonzern.
Die Tech-Konzerne lassen sich das Material per Flugzeug liefern – der teuerste Weg des Transports. Der Seeweg mit dem Containerschiff wäre viel günstiger, würde aber Wochen statt Stunden dauern. Das macht den Transport von Halbleitern und der Ausrüstung für Rechenzentren zu den wichtigsten Wachstumstreibern im Luftfrachtgeschäft von Kühne + Nagel.
Der Umsatz in der Luftfracht wuchs allein von April bis Juni währungsbereinigt um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dank diesem Beitrag hat Kühne + Nagel die Erwartungen der Analysten klar übertroffen und prognostiziert nun auch für das Gesamtjahr einen höheren Gewinn. Im September hat der Logistikriese eine strategische Partnerschaft mit Amazon bekanntgegeben, um Material für dessen Cloud-Infrastruktur zu transportieren.
Das Unternehmen setzt auch selbst auf künstliche Intelligenz. KI-Agenten sollen unter anderem helfen, die Abläufe in der Logistik besser zu planen. Kühne + Nagel rechnet mit einer Steigerung der Produktivität um 5 Prozent. So schliesst sich der Kreis: wenn die KI einem Schweizer Unternehmen hilft, eine im KI-Boom gewonnene Spitzenrolle zu behalten.
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