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Open AI schockiert die Anleger: Macht das Unternehmen viel weniger Umsatz, als die Börse glaubte?

Дата публикации: 12-10-2026 03:30:00

Der hochgerechnete Jahresumsatz von Sam Altmans KI-Firma soll derzeit 50 Milliarden Dollar betragen und nicht 70 Milliarden, wie zuvor kolportiert wurde. Die Neuigkeit liess am Donnerstag die Aktienkurse zahlreicher Techfirmen fallen.

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Open AI schockiert die Anleger: Macht das Unternehmen viel weniger Umsatz, als die Börse glaubte?

Der hochgerechnete Jahresumsatz von Sam Altmans KI-Firma soll derzeit 50 Milliarden Dollar betragen und nicht 70 Milliarden, wie zuvor kolportiert wurde. Die Neuigkeit liess am Donnerstag die Aktienkurse zahlreicher Techfirmen fallen.

12.10.2026, 05.30 Uhr

4 Leseminuten


Sam Altman, der Chef von Open AI, muss Aussenstehenden derzeit keine genauen Angaben zum Geschäftsgang machen. Erst mit dem Börsengang gäbe es eine transparente Sicht auf die Zahlen des KI-Pioniers.

Sam Altman, der Chef von Open AI, muss Aussenstehenden derzeit keine genauen Angaben zum Geschäftsgang machen. Erst mit dem Börsengang gäbe es eine transparente Sicht auf die Zahlen des KI-Pioniers.

Heather Diehl / Getty

Die KI-Branche ist zum Lebenselixier der amerikanischen Wirtschaft geworden: Wenn die führenden Firmen husten, verkriecht sich auch die Börse ins Bett. Das hat sich am Donnerstag ein weiteres Mal bewahrheitet, als die «Financial Times» vermeldete, dass der hochgerechnete annualisierte Umsatz von Open AI im Moment nur 50 Milliarden betrage. Zuvor hatte die Zahl von 70 Milliarden Dollar die Runde gemacht.

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Der Techindex Nasdaq sackte um rund 1,5 Prozent ab, nachdem die britische Finanzzeitung den Artikel veröffentlicht hatte. Unternehmen, die mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur ihr Geld verdienen, wurden abgestraft: Die Titel der Techschwergewichte Micron, Oracle, Broadcom und Nvidia verloren zwischen 2 und mehr als 5 Prozent.

Mit ungleichen Ellen gemessen

Der hochgerechnete annualisierte Umsatz hat sich zu einer der wichtigsten Masszahlen entwickelt, mit der die Finanzmärkte den Erfolg der führenden KI-Unternehmen Open AI und Anthropic einordnen. Es ist ein fiktiver Wert: Die Firmen berechnen, wie viel sie umsetzen würden, wenn ihre aktuellen Verkaufszahlen, meist vom abgelaufenen Monat, ein ganzes Jahr lang anhalten. Für sehr schnell wachsende Unternehmen hat der Wert aber manchmal mehr Aussagekraft als der Umsatz des vergangenen Jahres.

Open AI schien die Geschichte jedenfalls so wichtig zu sein, dass man sie rasch in den Griff bekommen wollte: Gegenüber Bloomberg präzisierten am späten Donnerstagabend «mit der Angelegenheit vertraute Personen», dass Open AI bis zum Jahresende einen annualisierten Umsatz von 70 Milliarden Dollar erreichen wolle. Das entspräche einem monatlichen Umsatz von knapp 6 Milliarden. Per Ende September stehe man bei rund 50 Milliarden.

Die Frage steht da im Raum, wie sich die Märkte bei einer so wichtigen Masszahl um 20 Milliarden Dollar verschätzt haben. Die Diskrepanz könnte entstanden sein, weil Open AI, als die 70 Milliarden Dollar in Umlauf gesetzt wurden, für einmal das grosszügigere Mass seines Konkurrenten Anthropic angewandt hatte. Anthropic hat per Ende Juli einen hochgerechneten annualisierten Umsatz von 65 Milliarden Dollar ausgewiesen – gemäss Finanzmedien, die sich auf Präsentationen berufen, die Anthropic mit Investoren geteilt hat.

Das ist ein beeindruckendes Wachstum gegenüber 2025, als die KI-Schmiede im gesamten Jahr 4,6 Milliarden Dollar umgesetzt hatte. Investoren sahen die Zahl als weiteren Beleg dafür, dass Anthropic schneller wächst als der Konkurrent Open AI.

Der Vergleich hatte aber stets einen Haken. Anthropic weist aus, wie viel Geld die Endkunden insgesamt für die Nutzung seiner Produkte wie des KI-Modells Claude ausgegeben haben.

47 Prozent dieser Nutzer greifen aber nicht direkt auf Claude zu, sondern über die Cloud-Partner Amazon AWS oder Google Cloud. Anthropic hat auch diesen Anteil bisher nie öffentlich bestätigt. Er soll aber im Börsenprospekt der KI-Firma genannt werden, der Ende September Investoren gezeigt wurde und bald darauf seinen Weg zu mehreren Finanzmedien fand.

Amazon und Google behalten einen bedeutenden Anteil des Gesamtertrags für sich. Ihre Abkommen mit Anthropic sind geheim, den Partnern dürften aber zwischen 15 und 30 Prozent zufliessen. Das rechnet sich: Im zweiten Quartal 2026 soll Anthropic einen Umsatz von 11,5 Milliarden Dollar generiert haben. Rund 1 bis 2 Milliarden Dollar davon dürften an die Cloud-Partner geflossen sein.

Open AI soll dagegen bei der Berechnung seines annualisierten Umsatzes den Anteil, den sein Vertriebspartner Microsoft Azure einbehält, ausklammern. Ohnehin dürfte der indirekte Vertriebskanal für Open AI nur 20 bis 25 Prozent der Verkäufe ausmachen: Den Grossteil des Umsatzes generiert Sam Altmans Firma mit dem direkten Vertrieb von Chat-GPT-Abonnements an Firmen und Privatpersonen.

Es liegt nahe, dass Open AI versucht, seine Zahlen mit denen von Anthropic vergleichbar zu machen. Wie dabei der falsche Eindruck entstand, dass Sam Altmans Unternehmen schon jetzt auf 70 Milliarden Dollar an annualisiertem Umsatz kommt, erklärt das aber nicht vollständig.

Keine Offenlegungspflicht

Das verwirrliche Zahlenspiel verweist auf das eigentliche Problem hinter der Nachricht: Open AI und Anthropic werden privat gehalten und haben nur sehr eingeschränkte Offenlegungspflichten. Die KI-Firmen prägen zwar das Börsengeschehen in den Vereinigten Staaten, die Anleger müssen sich aber mit firmeninternen Leistungskennzahlen begnügen, die via Reuters, Bloomberg oder die «Financial Times» ihren Weg an die Öffentlichkeit finden. Diese Kennzahlen müssen dabei nicht den Rechnungslegungsstandards entsprechen, die börsenkotierte Unternehmen erfüllen müssen.

Das wird sich erst ändern, wenn Anthropic und Open AI wie angekündigt an die Börse gehen und fortan standardisierte Kennzahlen ausweisen müssen. Im Falle von Anthropic könnte das noch in diesem Jahr der Fall sein, bei Open AI wohl nicht vor 2027.

Dass die 20 «fehlenden» Milliarden ein derartiges Echo auslösen, hat auch mit der Sorge der Börsianer zu tun, dass sich eine KI-Blase gebildet hat. Der amerikanische Aktienmarkt wird seit 2025 stark vom Erfolg all jener Unternehmen geprägt, die irgendetwas mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur zu tun haben. Neben Chipentwicklern und -herstellern wie Nvidia oder Micron gehören dazu die grossen Techfirmen, aber auch die vielen Unternehmen, welche mit dem Bau der Rechenzentren ihr Geld verdienen.

Open AI und Anthropic bilden das Zentrum dieses «KI-Ökosystems»: Sie und ihre Partner haben sich stark verschuldet, um in Rekordzeit Rechenzentren zu bauen und sie mit modernsten Computerchips auszurüsten. Hält ihre Umsatzentwicklung nicht mit den Erwartungen mit, wächst die Gefahr, dass sich ein Teil dieser Investitionen niemals bezahlt macht und abgeschrieben werden muss.

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Der Raumfahrtkonzern SpaceX will in den USA das Oligopol im Mobilfunkmarkt aufbrechen. Schlechter läuft es in Indien: Dort hat sich Musk mit dem reichsten Mann des Landes verkracht.

In Zürich hofft man, Open AI und Anthropic könnten einst so gross werden wie Meta oder Google. Die beiden Firmen sind in der Schweiz bislang allerdings kaum gewachsen, wie eine Analyse von Stellenanzeigen und Handelsregistereinträgen erstmals zeigt.

US-Technologiefirmen machen immer lauter auf die Gefahren von KI aufmerksam. US-Präsident Trump bezeichnet dieses Vorgehen als «Schwindel». Tatsächlich dürfte hinter den Warnungen viel Eigeninteresse stehen.

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