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Die EZB erlaubt Unicredit die Übernahme der Commerzbank. Jetzt kann es ganz schnell gehen

Дата публикации: 16-10-2026 11:38:46

Nach gut zwei Jahren ist die italienische Grossbank so gut wie am Ziel. Ihr Chef Andrea Orcel will Anfang 2027 in Frankfurt die Kontrolle übernehmen. Die deutsche Bundesregierung kann ihn kaum bremsen.

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Die EZB erlaubt Unicredit die Übernahme der Commerzbank. Jetzt kann es ganz schnell gehen

Nach gut zwei Jahren ist die italienische Grossbank so gut wie am Ziel. Ihr Chef Andrea Orcel will Anfang 2027 in Frankfurt die Kontrolle übernehmen. Die deutsche Bundesregierung kann ihn kaum bremsen.

16.10.2026, 13.38 Uhr

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Die Frankfurter Commerzbank steht vor der Übernahme durch Unicredit

Die Frankfurter Commerzbank steht vor der Übernahme durch Unicredit

Matias Basualdo / EPA

Die Mitteilung, die Unicredit am Donnerstagabend verschickte, ist nur drei Sätze lang. Für die italienische Grossbank markiert sie dennoch einen Meilenstein. Denn mit der in der Nachricht verkündeten Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) fällt für sie das wichtigste formale Hindernis auf dem Weg zur kompletten Übernahme der deutschen Commerzbank. Ab jetzt kann alles ganz schnell gehen.

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Die Erlaubnis der EZB-Bankenaufseher hatten alle Beteiligten erwartet. Mit ihr kann Unicredit den Anteil an der deutschen Grossbank künftig unbegrenzt ausbauen. Bisher galt für die italienische Bank eine Grenze von 30 Prozent. Sie geht nun davon aus, dass ihr bis zum Jahresende etwa die Hälfte der Anteile gehören dürfte. Mit diesen könne sie dann die Kontrolle über das deutsche Institut übernehmen, heisst es in der Mitteilung. Einige noch ausstehende Genehmigungen sollen in den kommenden Wochen vorliegen.

Damit neigt sich ein ungewöhnlich langer und harter Übernahmekampf dem Ende entgegen. Begonnen hat er im September 2024: Als der deutsche Staat einen Teil seiner in der Finanzkrise 2008 übernommenen Aktien an den Markt brachte, nutzte die vom früheren Chef-Investmentbanker der UBS, Andrea Orcel, geführte Unicredit das überraschend zum Einstieg.

Dass sich nicht nur die Führung der Commerzbank, sondern auch die wechselnden Berliner Bundesregierungen in den folgenden Monaten einer kompletten Übernahme widersetzten, beeindruckte Orcel wenig. Er trieb seine Pläne entschlossen voran und nutzte dabei auch juristische Grenzbereiche aus. Durch den Einsatz von Derivaten gelang es ihm etwa, sich den Zugriff auf rund 20 Prozent der Aktien zu sichern, obwohl das offizielle Übernahmeangebot unter dem gerade geltenden Commerzbank-Kurs lag.

Unicredit könnte Aufsichtsrat und Vorstand austauschen

In einem nächsten Schritt könnten die Italiener nun Anfang kommenden Jahres eine ausserordentliche Hauptversammlung der Commerzbank einberufen. Da sie bei dieser die Mehrheit der Stimmen hätten, könnten sie den bisher vom früheren Chef der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann geführten Aufsichtsrat komplett mit eigenen Kandidaten besetzen. Diese könnten dann wiederum den Vorstand austauschen und so die neuen Machtverhältnisse auch personell manifestieren.

Dass er von der amtierenden Führungsriege um die Vorstandschefin Bettina Orlopp wenig hält, hat Orcel in den vergangenen Monaten deutlich gemacht. Die Gespräche sollen sich seit dem Spätsommer zwar konstruktiv gestalten. Nach den verbalen Gefechten der vergangenen Monate ist eine gedeihliche Zusammenarbeit aber kaum vorstellbar.

Orlopp selbst hat ihren Rückzug bereits angedeutet. Wenn es zwischen Aufsichtsrat und Vorstand keine Vertrauensbasis gebe und man sich nicht über die Strategie einig sei, «muss man die Konsequenzen daraus ziehen», sagte sie Anfang September bei einer Veranstaltung des «Handelsblatts». Orlopps Vertrag läuft noch bis 2029.

Mindestens 7000 Beschäftigte sollen gehen

Orcel hat bereits klargemacht, wie er die deutsche Bank umbauen will. So soll sie die Auslandsaktivitäten deutlich reduzieren, die die bisherige Führung für einen Kern des Geschäftsmodells hält. Zudem hat er den Abbau von 7000 Stellen angekündigt, ein grosser Teil davon dürfte auf die Frankfurter Zentrale entfallen. Orlopp hatte im Mai angekündigt, die Zahl der Arbeitsplätze zusätzlich zu einem bereits laufenden Abbauprogramm bis 2030 noch einmal um 3000 zu reduzieren.

Erst nach einer Umbauphase von zwei bis drei Jahren würde Unicredit die Commerzbank mit der in München ansässigen HypoVereinsbank verschmelzen. Diese gehört den Italienern bereits seit 2005. Für diesen Schritt wäre eine Mehrheit von mindestens 75 Prozent der bei einer Hauptversammlung anwesenden Stimmen erforderlich. Wegen der üblicherweise geringen Präsenz der Investoren könnte der Bund diesen Schritt mit seinem verbliebenen Anteil von gut 12 Prozent der Aktien womöglich blockieren. Mitte September traf sich Orcel in Berlin mit Finanzminister Lars Klingbeil. Konkrete Vereinbarungen gab es dabei nicht.

Ein Umzug nach München wäre für Frankfurt ein Schlag

In welcher Stadt sich die Zentrale eines vereinigten deutschen Ablegers der Unicredit befinden soll, hat Orcel bisher offengelassen. Sollte sie mittelfristig nach München abwandern, wäre das ein schwerer Schlag für den Finanzplatz Frankfurt. Mit der Europäischen Zentralbank, der Versicherungsaufsicht Eiopa und der neuen Geldwäscherei-Behörde Amla haben hier zwar wichtige europäische Institute ihren Sitz. Nach dem Brexit haben zudem Auslandsbanken wie Goldman Sachs und JP Morgan ihre Präsenz am Main deutlich ausgebaut, auch die UBS steuert ihr Europageschäft vom Main aus. Neben der Deutschen Bank blieben als grössere heimische Institute aber nur noch die genossenschaftliche DZ Bank, die Hessische Landesbank und die staatliche Förderbank KfW übrig.

Bei einem Treffen Anfang September wollte Boris Rhein, der christlichdemokratische Ministerpräsident des Bundeslandes Hessen, den Unicredit-Chef Orcel von der Bedeutung der Commerzbank für den Finanzplatz überzeugen. Dass es um diesen nicht zum Besten bestellt ist, zeigt die jüngste Auflage des alle sechs Monate vom Londoner Think-Tank Long Finance veröffentlichten Global-Financial-Centres-Index. In diesem stürzte Frankfurt um gleich 14 Plätze auf Rang 29 ab. In Europa liegt die deutsche Grossstadt damit nicht nur hinter London, Zürich und Paris, sondern auch hinter Kopenhagen und Lugano.

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