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Russland nimmt Kiews Brücken ins Visier. Eine Analyse der Angriffe in Videos und Karten

Дата публикации: 18-10-2026 03:30:00

Seit einigen Wochen greift Russland gezielt die Dnipro-Übergänge in Kiew an. Bis jetzt halten die Brücken stand, doch die Gefahr ist eine andere.

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Seit einigen Wochen greift Russland gezielt die Dnipro-Übergänge in Kiew an. Bis jetzt halten die Brücken stand, doch die Gefahr ist eine andere.

18.10.2026, 05.30 Uhr

2 Leseminuten


Die russische Drohne ist im Anflug noch kurz zu sehen, ehe sie in die sechsspurig befahrene Nord-Brücke in Kiew stürzt und einen Feuerball verursacht. Obwohl zu dieser Zeit viele Autos die Brücke passieren, gab es bei dem Angriff vom 4. Oktober keine Toten und nur zwei Verletzte. Ein in den sozialen Netzwerken verbreitetes Video dokumentiert die Szene.

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X / @wartranslated

Die Brücken über den Dnipro bilden in Kiew ein Nadelöhr: Täglich überqueren Hunderttausende den Fluss, um von den östlichen Schlafvierteln ins Stadtzentrum am Westufer zu gelangen. Seit einigen Wochen greift Russland gezielt diese Flussübergänge an.

Acht Dnipro-Brücken gibt es im Stadtgebiet. Eine davon ist nur für Züge und eine nur für Fussgänger und Velofahrer nutzbar. Die anderen umfassen in verschiedenen Kombinationen Strassen, Schienen und Fussgängerwege.

Russland hat neben der Nord- auch die Süd-Brücke mehrfach angegriffen. Die Angriffe verletzten Menschen und zwangen die Behörden, den Verkehr zeitweise zu stoppen, um Schäden zu reparieren. Alle acht Brücken sind aber grundsätzlich weiterhin benutzbar, die Schäden überschaubar.

Das amerikanische Konfliktforschungsinstitut Acled hält es für unwahrscheinlich, dass einzelne Drohnenangriffe die Brücken tatsächlich zum Einsturz bringen. Wiederholte Angriffe könnten aber ihre Stabilität beeinträchtigen und zu längeren Sperrungen führen. Das hätte auch Auswirkungen über Kiew hinaus.

Denn die acht Dnipro-Brücken sind nicht nur ein Nadelöhr für die Hauptstadt, sondern für die ganze Region. Sie verbinden die Fernstrassen auf den Achsen Nord–Süd und Ost–West. Und sie sind von strategischer Bedeutung, weil es zu ihnen nur wenige Alternativen gibt. Die nächste Dnipro-Überquerung im Süden ist 94 Kilometer Luftlinie entfernt. Längere Sperrungen einer oder mehrerer Brücken in Kiew könnten Lieferketten beeinträchtigen und die Militärlogistik erschweren.

Hinzu kommt, dass die Abwehr solcher Angriffe für die Ukraine immer schwerer wird. Erstens stehen ihr kaum noch Mittel zur Verfügung, weil die Munition für Flugabwehrsysteme wie Patriot weitgehend aufgebraucht ist. Zweitens setzt Russland verstärkt auf neue Drohnen mit Düsenantrieb, die schneller und somit schwieriger abzuwehren sind. Auch bei den Angriffen auf die Brücken in Kiew kamen sie zum Einsatz. Von diesen Drohnen mit Düsenantrieb kann die Ukraine laut Präsident Wolodimir Selenski gegenwärtig nur etwas mehr als jede zweite abfangen.

Zum Schutz der Brücken greift Kiew auf einfache Mittel zurück. Videoaufnahmen zeigen, dass nach den Angriffen entlang der Nord-Brücke Anti-Drohnen-Netze installiert wurden. Solche Konstruktionen kannte man bislang eher von Versorgungsrouten an der Front.

X / @clashreport

Wie effektiv die Netze gegen die neuen russischen Drohnen sind, muss sich noch herausstellen. In den vergangenen Tagen gab es vorerst keine neuen Angriffe auf die Brücken in Kiew.

1 Kommentar

Marc Anderson

Heute

Kiew, geteilte Stadt und der Dinpro als natürliche Demarkationslinie, so wird‘s kommen, ausser P. beisst vorher ins Gras.

Passend zum Artikel

Präsident Donald Trump kritisiert die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien. Nun will er Kiew offenbar zu einem Stopp zwingen – und dies, obwohl Russland täglich den von Trump verkündeten «Energie-Waffenstillstand» bricht.

Russland zerstört seit viereinhalb Jahren gezielt die zivile Infrastruktur der Ukraine. Die gegenwärtige Kampagne erreicht jedoch ein neues Ausmass. Besonders in Kiew wird die Lage schwierig.

Seit vier Jahren kartografiert die NZZ täglich den Krieg in der Ukraine. Klicken Sie sich durch alle wichtigen Ereignisse im russischen Angriffskrieg.

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