In Baden-Württemberg haben sich erstmals zwei Menschen mit dem West-Nil-Fieber angesteckt. Was bedeutet das für die Bevölkerung? Die wichtigsten Antworten im Überblick.
Im Raum Stuttgart und Karlsruhe haben sich erstmals zwei Menschen vor Ort mit dem West-Nil-Virus infiziert. Beide waren zuvor nicht im Ausland. Das Landesgesundheitsamt sieht derzeit kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung.

Das West-Nil-Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen wildlebenden Vögeln und Stechmücken. Infizierte Mücken können es auch auf Menschen und andere Säugetiere übertragen, etwa auf Pferde. Dafür braucht es keine eingeschleppte Mückenart wie die asiatische Tigermücke: Als wichtigste Überträger gelten die hierzulande verbreiteten Culex-Mücken, zu denen auch die Gemeine Hausmücke gehört.
Menschen sind sogenannte Fehlwirte: In ihrem Blut vermehrt sich das Virus nicht stark genug, um wiederum Mücken zu infizieren. Übertragungen sind allerdings beispielsweise durch Bluttransfusionen oder Organtransplantationen möglich.

Nach der aktuellen Einschätzung des Landesgesundheitsamts besteht derzeit kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung. Die beiden Betroffenen haben sich nach bisherigem Kenntnisstand im Raum Stuttgart und Karlsruhe durch Stiche infizierter Mücken angesteckt. Da sie zuvor nicht im Ausland gewesen waren, sprechen Fachleute von lokal erworbenen oder "autochthonen" Infektionen.
Das Übertragungsrisiko hängt auch von Wetter und Jahreszeit ab. In Deutschland sind die Bedingungen vor allem im Spätsommer günstig, bei anhaltender Wärme auch im Frühherbst. Seit 2019 werden hierzulande durch Mücken übertragene Infektionen bei Menschen registriert, bislang überwiegend im Osten. Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnet damit, dass sich die betroffenen Gebiete ausweiten.

Etwa 80 Prozent der Infizierten entwickeln keine Beschwerden. Rund 20 Prozent bekommen eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, das sogenannte West-Nil-Fieber. Typisch sind unter anderem Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Auch Hautausschlag kann auftreten. Die ersten Symptome zeigen sich normalerweise 2 bis 14 Tage nach der Ansteckung.
Meist heilt die Erkrankung ohne Komplikationen aus. Das Problem ist, die Krankheit zu erkennen, das geht nur durch Blutuntersuchungen. Daher dürfte sie oft mit einer Grippe verwechselt werden.
Etwa eine von 100 infizierten Personen erkrankt jedoch schwer. Dabei kann es zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung kommen. Bleibende Schäden und Todesfälle sind möglich. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Für Menschen ist bislang kein Impfstoff verfügbar. Auch eine gezielte antivirale Therapie gegen das West-Nil-Virus gibt es nicht. Behandelt werden die Beschwerden. Schwere Verläufe können eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machen.
Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?Der wichtigste Schutz besteht darin, Mückenstiche zu vermeiden. Dazu empfiehlt das RKI lange Kleidung, Mückenschutzmittel sowie Fliegengitter. Gerade ältere und immungeschwächte Menschen sollten in Gebieten mit Virusvorkommen auf Mückenschutz achten.
Zusätzlich sollten mögliche Brutplätze im Wohnumfeld beseitigt werden. Dazu gehört beispielsweise Wasser in Pflanzenuntersetzern, in dem sich Mücken vermehren können.
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