Nach der missglückten Hinrichtung von Christa Pike in den USA kam die Hilfe verspätet. Die Leitstelle hielt den Notruf zunächst für einen Telefonstreich. Aufnahmen zeigen das Chaos.
Nach der missglückten Hinrichtung von Christa Pike in den USA kam die Hilfe verspätet. Die Leitstelle hielt den Notruf zunächst für einen Telefonstreich. Aufnahmen zeigen das Chaos.
Der Rettungseinsatz nach der verpfuschten Hinrichtung von Christa Pike im vergangenen Monat verzögerte sich um etwa eine halbe Stunde. Denn laut Leitstellen- und Funkgesprächen, die am Montag veröffentlicht wurden, herrschte Unklarheit über die Echtheit des Notrufs.
Laut einem geschwärzten Transkript wurde der erste Notruf zur Anforderung eines Rettungswagens am 30. September um 20.40 Uhr von einer Person innerhalb der Riverbend Maximum Security Institution abgesetzt – etwa eine Stunde, nachdem dort die Giftinjektionen begonnen hatten.
Doch die Verifizierung dieses Anrufs erforderte mehrere Minuten Hin und Her zwischen den Rettungsdiensten von Nashville und Gefängnisbeamten, wie aus Audioaufnahmen von acht weiteren Anrufen und dem Funkverkehr hervorgeht. Diese wurden im Rahmen eines Antrags auf Akteneinsicht von mehreren Nachrichtenorganisationen, darunter der „New York Times“, veröffentlicht.
Die Verwirrung schien weit verbreitet zu sein. Der erste Notruf kam nicht, wie es normalerweise der Fall sein könnte, von der zentralen Leitstelle des Tennessee Department of Correction, und der Anrufer verfügte nicht über die richtige Sicherheitsverifizierung.
Als Reaktion darauf versuchten Mitarbeiter der Leitstelle wiederholt, den Anruf zu verifizieren, indem sie während der Hinrichtung das Personal und andere Beamte im Gefängnis kontaktierten.
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„Wir versuchen gerade herauszufinden, ob das tatsächlich eine Sache ist, die gerade passiert, und ob wir einen Krankenwagen schicken müssen“, erklärte eine Mitarbeiterin. Oder, fügte sie hinzu, „ob das von jemandem kommt, der im Grunde nur Telefonstreiche macht“.
Die Telefonate erwecken den Eindruck, dass die zentrale Leitstelle des Department of Correction die Hilfsanfrage nicht sofort registriert hat.
Eine nicht näher genannte Person in der zentralen Leitstelle teilt den Rettungsdiensten von Nashville mit, dass die Behörde „diejenige gewesen wäre, die euch angerufen hätte – wir haben niemanden angerufen“.
In einem anderen Anruf um 21.03 Uhr teilt jemand den Rettungskräften mit, Vorgesetzte hätten gesagt, „es ist ein Fehlalarm“ und „es wird keine medizinische Hilfe benötigt“. Um 21.07 Uhr berichtet jedoch ein Mitarbeiter der Rettungskräfte im Rahmen des Funkverkehrs, „irgendein Beamter vom Staat“ stehe „vor dem Gefängnistor und sagt uns, dass es echt ist, und verlangt, dass wir reingehen“.
Wenige Minuten später erhalten sie die Nachricht, dass Gefängnisbeamte telefonisch offiziell bestätigt haben, dass die Anfrage legitim ist.
Das Tennessee Department of Correction reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme zu dem augenscheinlichen Zusammenbruch in der Kommunikation. Zuvor hatte die Behörde erklärt, dass jeder Schritt des Protokolls befolgt worden sei und der Prozess „keine zusätzlichen Verfahren über das hinaus zulässt, was getan wurde“.
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Das Giftspritzenprotokoll in Tennessee wird nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch an der 50-jährigen Christa Pike erneut unter die Lupe genommen. Pike saß im Todestrakt wegen der Folter und des Mordes an Colleen Slemmer, einer 19-jährigen Klassenkameradin in Knoxville. Anwälte von Pike – die es als erste Person überlebte, bei einer Hinrichtung zwei Dosen des Medikaments Pentobarbital zu erhalten – erklärten am Samstag, sie sei aus einem Krankenhaus in Nashville entlassen und ins Gefängnis zurückgebracht worden.
Die in den Anrufen festgehaltene Verwirrung scheint zu unterstreichen, wie das Hinrichtungsprotokoll, das von staatlichen Pflichtverteidigern und Abgeordneten der Demokraten und Republikanern wegen seiner Unschärfe kritisiert wird, offenbar keine Probleme während einer Hinrichtung berücksichtigt. Tennessee hat in diesem Jahr zwei verpfuschte Hinrichtungen erlebt, einschließlich der von Pike.
Das Protokoll habe nicht bedacht, dass die Hinrichtung möglicherweise nicht gelingt, so Joel Zivot, ein Anästhesiologe und Intensivmediziner, der das Verteidigungsteam von Pike vor der gescheiterten Hinrichtung beraten hatte. Gefängnisbeamte, fügte er hinzu, „hatten keine Ahnung, dass so etwas misslingen könnte“.
Zivot gehörte zu den medizinischen Experten, die gewarnt hatten, dass Pikes Vorerkrankungen sowie ihre feinen Venen die Hinrichtung komplizieren könnten. Diese Warnungen seien ignoriert worden, so ihre Anwälte. „Wenn man natürlich bedenkt, was alle ihnen gesagt haben – dass die Hinrichtung fehlschlagen könnte –, sah es sicherlich nicht danach aus, dass sie reagierten“, erklärte Zivot.
Aus den Aufnahmen ging nicht hervor, ob Sauerstoff und andere Wiederbelebungsgeräte in der Hinrichtungskammer bereitlagen oder ob Pike medizinische Versorgung erhielt, bevor mehr als eine Stunde nach der Verabreichung der Medikamente ein Rettungswagen eintraf.
Das Transkript des ersten Notrufs und einige der Audioaufnahmen wurden geschwärzt – unter anderem, weil das Gesetz in Tennessee die Offenlegung der Identität von Personen verbietet, die mit Hinrichtungsverfahren in Verbindung stehen.
Allerdings wirkte die Person, die den ersten Notruf absetzte, unvertraut mit den Schritten, die für die Verifizierung eines Notrufs aus dem Gefängnis nötig sind, was wiederum die Anstrengungen zur Authentifizierung des Anrufs auslöste.
„Gibt es da niemanden, der weiß, wie das abläuft?“, fragt jemand in einem Anruf zwischen der Feuerwehr von Nashville und den Rettungsdiensten. „Ich habe keine Ahnung“, antwortet jemand anderes. „Ich schätze, weil das ein Sonderfall ist, wissen sie es vielleicht nicht.“
Die Anrufe zeigen auch, dass Kelly Gleason, eine von Pikes Anwältinnen, um 21.08 Uhr den Notruf wählte, nachdem ein Kollege, der den verpfuschten Injektionen beigewohnt hatte, ihr gesagt hatte, dass Pike noch atme.
„Sie lebt noch und atmet und braucht sofortige lebensrettende Hilfe“, drängte Gleason bei ihrem Hilferuf. Wenige Minuten später fuhr der Rettungswagen durch das Tor.
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