Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und wird deshalb leicht übersehen.
Mit festen Abläufen und gezielter Unterstützung lässt sich der Alltag für betroffene Tiere erleichtern.
08.10.2026 · 00:00 Uhr
Hunde können neben normalen Alterserscheinungen auch an einer Hundedemenz erkranken.
Foto: Getty Images/iStockphoto/LaurieSHDie Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und wird deshalb leicht übersehen. Mit festen Abläufen und gezielter Unterstützung lässt sich der Alltag für betroffene Tiere erleichtern.
Mitten in der Nacht steht der Hund plötzlich im Flur und läuft scheinbar ziellos umher. Beim Spaziergang wirkt er orientierungslos oder findet den gewohnten Weg nicht mehr. Vielleicht setzt er sogar erstmals seit Jahren wieder in der Wohnung Kot oder Urin ab. Für Halter sind solche Veränderungen zunächst irritierend. Schließlich ist der Hund alt geworden und manches funktioniert im Alter nicht mehr so gut. Doch nicht jede Veränderung ist eine normale Alterserscheinung, denn bei Hunden gibt es eine Erkrankung, die häufig übersehen wird: die sogenannte Canine Cognitive Dysfunction, kurz CCD. Die „Demenz des Hundes“ ähnelt in einigen Punkten der Demenz beim Menschen. Nach aktuellen Studien ist etwa jeder dritte Hund im Alter von zwölf Jahren betroffen, bei den 15-jährigen Hunden sogar etwa jeder zweite.
Eine beginnende Demenz zeigt sich zumeist nicht durch ein eindeutiges Symptom. Vielmehr verändert sich das Verhalten schleichend. Der Hund bleibt beispielsweise in einer vertrauten Umgebung plötzlich stehen, wirkt verwirrt oder findet sich schlechter zurecht. Manche Tiere ziehen sich zurück, andere suchen auffällig häufig die Nähe ihres Menschen. Auch der Schlaf-Wach-Rhythmus kann sich verändern. Betroffene Hunde schlafen tagsüber mehr und werden dafür nachts unruhig. Ein weiteres Warnsignal kann sein, wenn ein bislang zuverlässiger Hund sein Geschäft plötzlich wieder in der Wohnung verrichtet. „Demenz beim Hund entwickelt sich meist langsam über Monate oder Jahre“, erklärt Dr. Sabine Schüller vom Bundesverband für Tiergesundheit. Ein einzelner auffälliger Tag ist dabei nicht entscheidend. Werden solche Veränderungen jedoch häufiger und halten über längere Zeit an, sollten Halter genauer hinsehen. So können sich auch Aktivität und Sozialverhalten des Tieres verändern. Manche Hunde werden deutlich ruhiger, andere laufen immer wieder dieselben Wege oder reagieren plötzlich ängstlicher auf vertraute Situationen. Entscheidend ist das Gesamtbild.
Bei manchen Hunden verändert sich der Schlaf-Wach-Rhythmus, sodass sie plötzlich nachts unruhig werden.
Foto: Getty Images/Daniel BesicGerade weil die Anzeichen unspezifisch sind, sollte eine Verhaltensänderung nicht vorschnell als Demenz eingeordnet werden. Schmerzen durch Arthrose können beispielsweise dazu führen, dass ein Hund schlechter schläft oder sich anders bewegt. Auch nachlassendes Seh- oder Hörvermögen kann Unsicherheit auslösen. Daneben kommen Stoffwechselerkrankungen oder andere neurologische und körperliche Ursachen infrage. „Es gibt keinen einzelnen Test, mit dem sich eine Demenz sicher nachweisen lässt“, betont Dr. Sabine Schüller. „Deshalb wird zunächst ausführlich über die beobachteten Veränderungen gesprochen und der Hund klinisch und neurologisch untersucht.“ Dabei wird geklärt, wann die Veränderungen begonnen haben und wie sie sich entwickelt haben. Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein. Für Halter ist es hilfreich, auffälliges Verhalten zu dokumentieren. Wann wird der Hund unruhig? Schläft er anders als früher und hat sich sein Verhalten gegenüber Menschen oder anderen Tieren verändert? Solche Beobachtungen können dem Tierarzt wichtige Hinweise liefern.
Eine Heilung der Caninen Cognitiven Dysfunktion (CCD) ist derzeit nicht möglich. Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität betroffener Hunde möglichst lange zu erhalten. „Je nach individuellem Bedarf des Hundes können medikamentöse Therapien, eine angepasste Ernährung sowie Maßnahmen im Alltag sinnvoll sein“, erklärt Dr. Sabine Schüller. Bei rechtzeitiger Diagnostik können diese Maßnahmen das Fortschreiten der Erkrankung nachweislich verlangsamen. Medikamente beispielsweise können die Gehirnfunktion unterstützen. Einige Wirkstoffe verbessern die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen, bei entsprechender Symptomatik werden auch angstlösende Medikamente eingesetzt, andere fördern die Durchblutung des Gehirns. Dadurch können sich Aufmerksamkeit, Orientierung und Aktivität bei einigen Hunden verbessern. Welche Behandlung sinnvoll ist, entscheidet der Tierarzt. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle: Spezielle Diäten enthalten beispielsweise Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren oder mittelkettige Fettsäuren, die die Gehirnfunktion unterstützen können. Wichtig sind auch einfache Maßnahmen im Alltag. Hierzu zählen unter anderem eine möglichst stressfreie Umgebung, feste Tagesabläufe, ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sowie eine altersgerechte geistige Beschäftigung. Einfache Suchspiele, bekannte Übungen oder ruhige Beschäftigung sorgen für Anregung. Dabei geht es nicht darum, den Hund mit möglichst vielen neuen Aufgaben zu fordern, sondern ihm positive Erfahrungen zu ermöglichen.
Für Halter kann die Erkrankung belastend sein. Der Hund, der jahrelang zuverlässig war, braucht plötzlich mehr Unterstützung. Nächtliche Unruhe, Missgeschicke in der Wohnung oder scheinbar sinnlose Verhaltensweisen erfordern Geduld. Doch auch wenn die Demenzerkrankung nicht heilbar ist, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um betroffene Hunde zu unterstützen. Wer wiederholt beobachtet, dass sein Hund orientierungslos wirkt, nachts unruhig ist, seine Stubenreinheit verliert oder sich sozial verändert, sollte die Entwicklung tierärztlich abklären lassen. Denn eine frühe Diagnose kann helfen, andere Erkrankungen auszuschließen und passende Maßnahmen einzuleiten. So lässt sich die gemeinsame Zeit auch im hohen Alter möglichst lebenswert gestalten.
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