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Neues Classic Center: Mercedes-Markenerbe wird zum Profit-Pool

Дата публикации: 20-10-2026 14:59:00

Mercedes hat das Classic Center für Oldtimer deutlich erweitert. Es dient der Pflege des Markenerbes und wirft gleichzeitig ordentlich Gewinn ab.

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Stand: 20.10.2026, 16:59 Uhr

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Das Mercedes-Benz Classic Center mit neu gestalteter Fassade.

Das Mercedes-Benz Classic Center mit neu gestalteter Fassade. © Michael Gerster

Mercedes hat das Classic Center für Oldtimer deutlich erweitert. Es dient der Pflege des Markenerbes und wirft gleichzeitig ordentlich Gewinn ab.

Fünf Jahre nach Gründung der Mercedes-Benz Heritage GmbH stellt sich das Classic Center in Fellbach mit dem Oldtimer-Geschäft neu auf. Mit rund 10.000 Quadratmeter Werkstatt-Fläche ist es das weltweit größte Kompetenzzentrum für klassische Autos mit Stern.

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Diese sind nach wie vor weltweit begehrt. „In einer Zeit erodierender gesellschaftlicher Institutionen ist dies eine Möglichkeit, seine Persönlichkeit auszudrücken“, sagte Marcus Breitschwerdt anlässlich der Eröffnung im Rahmen der 140-Jahr-Feier von Mercedes. Das Leistungsspektrum reicht vom Werkstatt- und Ersatzteilgeschäft über Begutachtung und Restaurierung klassischer Fahrzeuge bis hin zum Handel.

Jedes Auto hat eine Geschichte

Wer Einblick in die heiligen Hallen bekommt, der stößt an jeder Ecke auf Autos, die eine faszinierende Geschichte erzählen. Da steht etwa das Fahrgestell des Stromlinien-Mercedes W 196 R aus dem Jahr 1954, der vor gut eineinhalb Jahren bei einer Auktion im Mercedes-Museum für 51 Millionen Euro einen neuen Besitzer bekam.

Der Rennwagen, der unter anderem von Sir Stirling Moss gefahren wurde, wird mit akribischer Expertise restauriert. Zum Teil fahnden die Mitarbeiter auf der ganzen Welt nach Ersatzteilen. Am Ende wird die Arbeit über zwei Jahre beansprucht haben. „Unser Ziel ist immer Originalität“, sagt Peter Schoren, Leiter des Classic Centers. Letztlich entscheide aber der Kunde, auch wenn dieser sich für eine Polsterung an der Handtasche seiner Frau orientiere.

Autos kommen aus aller Welt

Etwas weiter entfernt steht ein W 150 aus den Jahren 1938 bis 1943. Der Typ 770 mit einem 7,7-Liter Reihenachtzylinder wurde auch als „Großer Mercedes“ bezeichnet und galt damals als absolutes Repräsentationsfahrzeug. Als Cabriolet ist er eine absolute Rarität. Er wird im Auftrag eines Königshauses aus dem Nahen Osten restauriert.

Stromlinien-Mercedes W 196 R aus dem Jahr 1954.

Stromlinien-Mercedes W 196R.jpeg © Michael Gerster

Zum Teil lassen Sammler aus aller Welt ihre Autos einfliegen, damit sie mit der größtmöglichen Kompetenz in den Originalzustand versetzt werden. Je nach Seltenheit des Fahrzeugs reicht schon allein die Fahrgestellnummer, um einen Wiederaufbau zu rechtfertigen. Der Zustand spielt keine Rolle. Das gilt besonders für den begehrten 300 SL (W198) aus den Jahren 1954 bis 1963, der heute zu den begehrtesten Oldtimern der Welt zählt.

Neue Lackiererei

Mit der Erweiterung des Classic Centers kann die gesamte Wertschöpfungskette noch besser abgedeckt werden. Zum bisherigen Hauptstandort ist eine weitere Immobilie in unmittelbarer Nähe hinzugekommen. Dadurch konnten Flächen und Abläufe neu geordnet und einzelnen Bereichen mehr Raum gegeben werden.

Neu sind unter anderem eine Lackierkabine und ein Leistungsprüfstand. Spezielle Maschinen für Metallbearbeitung oder die Bearbeitung von Motoren ergänzen die Ausstattung. Die Werkstatt greift dabei auf originale technische Unterlagen, Konstruktionsdaten und historisches Material aus dem Konzernarchiv zu, das zu den größten dieser Art in der Welt zählt.

Mercedes will Standards schaffen

In einer Zeit, in der chinesische Wettbewerber mit ebenbürtiger Technologie auf den europäischen Markt drängen, will Mercedes-Chef Ola Källenius den Fokus auf das Markenerbe mit 140-jähriger Historie legen, die die Stuttgarter von der neuen Konkurrenz unterscheidet. „Wir glauben an den globalen Erfolg einer starken Marke“, sagt Breitschwerdt. Dabei gehe es nie darum, nur in den Rückspiegel zu schauen. Das Erbe einer Marke sei vielmehr dazu da, um aus der Vergangenheit zu lernen und daraus die Zukunft zu formen.

Mercedes Typ 707

Mercedes.jpeg © Michael Gerster

Mit der Stärkung des Classic Centers will Mercedes zudem Standards für den Umgang mit klassischen Fahrzeugen und Vertrauen schaffen. Vor wenigen Jahren erschütterte der Fall Kienle die Oldtimer-Szene. Dem weltweit bekannten Händler und Restaurator wurde gewerbsmäßiger Betrug durch manipulierte Fahrgestellnummern und Fälschungen von Klassikern vorgeworfen, insbesondere mit teuren 300 SL Flügeltürern.

Zertifikat über die Echtheit

Im Zuge der Ermittlungen summierten sich die Forderungen geschädigter Kunden auf eine Gläubigerliste mit über 100 Betroffenen und Forderungen von mehr als 23 Millionen Euro. Kienle musste Insolvenz anmelden, Mercedes übernahm schließlich einen Großteil der Mitarbeiter, die ihre Expertise nun im Classic Center einbringen.

Für 25.000 Euro können Kunden heute beispielsweise ein Zertifikat über die Echtheit ihres Fahrzeugs erwerben, bei dem alle erdenklichen Informationen zum Zustand und der Historie zusammengetragen werden. „Ohne dies sollte man kein Fahrzeug kaufen oder verkaufen, denn dieses Geschäft lebt von Transparenz und Vertrauen“, sagt Schoren.

160.000 Ersatzteile

Rund 160.000 Ersatzteile in Herstellerqualität sind innerhalb kürzester Zeit verfügbar. Das Angebot wird laufend ausgebaut, auch durch Nachfertigungen historischer Komponenten. Alle Original-Teile sind nach den exakten Standards des Unternehmens produziert.

Teil des Classic Centers ist auch die historische Sammlung, zu der mehr als 1100 Fahrzeuge gehören. Ein Teil davon ist im Mercedes-Benz-Museum ausgestellt. Personenwagen aller Epochen gehören ebenso zum Bestand wie Rennwagen, Transporter und Forschungsfahrzeuge.

Zweistellige Rendite

Mit der stärkeren Fokussierung und dem Ausbau der Mercedes-Heritage GmbH als eigenständigem Unternehmen hat sich das Geschäft zum Profitpool für den Konzern entwickelt. Zwar ist der Umsatz im dreistelligen Millionenbereich überschaubar, doch dieser wächst stetig und wirft zudem ordentlich Gewinn ab. Breitschwerdt spricht auf Nachfrage von einer Rendite im zweistelligen Prozentbereich. Angesichts der zahlungskräftigen Klientel dürfte diese jedenfalls deutlich höher sein als im Gesamtkonzern.

Zwar ist der Boom während der Corona-Pandemie, als Old- und Youngtimer Spitzenpreise erzielten, inzwischen wieder abgeebbt. Doch Breitschwerdt spricht vor allem bei echten Sammlerstücken von einer erstaunlichen Preisstabilität. Während es früher vor allem bei Finanzkrisen deutliche Einbrüche gegeben habe, sei dies seit 2008 nicht mehr der Fall. „Vielleicht hat das Vertrauen in finanzielle Institutionen gelitten, aber wir sehen hier deutlich geringere zyklische Ausschläge.“

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