Die Bundeswehr bestellt in großem Stil Netzwerferdrohnen. Werden die angesichts der rasanten Entwicklung der Drohnentechnologie überhaupt gebraucht? Die Antwort ist komplex.

Skyron-400-Drohne von Quantum Systems: In der Weiterentwicklung gibt es die Drohne auch mit Jetantrieb. Foto: Getty Images
Berlin. Die Vorlage, die die Haushälter des Bundestags in der vergangenen Woche billigten, hat es in sich. Die Bundeswehr will im großen Stil Drohnen beschaffen, die andere Drohnen mithilfe eines ausgeworfenen Netzes vom Himmel holen können. Zunächst sollen knapp 70 Exemplare geordert werden, zum Stückpreis von 2,5 Millionen Euro. Doch der Rahmenvertrag mit dem Hersteller Argus Interception lässt theoretisch die Beschaffung von bis zu 450 Systemen zu. Gesamtvolumen: mehr als 1,1 Milliarden Euro.
Der Auftrag zielt vor allem darauf ab, Bundeswehrliegenschaften vor unerwünschten Drohnenüberflügen zu schützen. Aber er weckt auch Zweifel. Netzwerferdrohnen müssten dem Zielobjekt sehr nahekommen und seien vor allem für die Abwehr von Quadrocoptern geeignet, Drohnen mit vier kleinen Propellern, sagt Torben Schütz, Forschungsdirektor beim Thinktank Edina. Bei größeren und schnelleren Drohnen stießen sie dagegen schnell an ihre Grenzen.
Außerdem muss die Bundeswehr nicht nur ihre Liegenschaften gegen hybride Angriffe schützen, sondern im Ernstfall auch die Truppe im Einsatz oder kritische Infrastruktur gegen Szenarien, wie sie täglich in der Ukraine zu beobachten sind: Angriffe mit ganzen Schwärmen immer schnellerer Drohnen, die die Luftverteidigung „übersättigen“. Es ist ein technologisches Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern. Eins, was deutschen Unternehmen ein riesiges Geschäftsfeld erschlossen hat – samt erbittertem Konkurrenzkampf und höchsten Anforderungen an Innovation.
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