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Die Geschichte hinter dem Marathon: Nach 20 Jahren – wie ein Wallerfanger seinen Marathon-Albtraum besiegte

Дата публикации: 21-10-2026 04:55:00




Der erste Marathon-Versuch von Bertrand Blaise ging gründlich schief. Es vergingen mehr als 20 Jahre, bis der 47-Jährige im April in Nantes einen zweiten Anlauf startete. Wie die Wende gelang.



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Die Geschichte hinter dem Marathon Nach 20 Jahren – wie ein Wallerfanger seinen Marathon-Albtraum besiegte

Serie | Wallerfangen · Der erste Marathon-Versuch von Bertrand Blaise ging gründlich schief. Es vergingen mehr als 20 Jahre, bis der 47-Jährige im April in Nantes einen zweiten Anlauf startete. Wie die Wende gelang.

21.10.2026 , 06:55 Uhr

Bertrand Blaise beim Marathon in Nancy. Dieses Mal hat er es geschafft.

Foto: Bertrand Blaise

Es gibt Dinge, die lassen einen nicht los und es gibt Rechnungen, die müssen einfach irgendwann beglichen werden. So wie im Falle von Bertrand Blaise und dem Marathon. Im Jahr 2005 machte er einen Anlauf – aber erst über 20 Jahre später schloss er das „Projekt“ erfolgreich ab.

Die Anfänge der Geschichte reichen zurück in die Kindheit des heute 47-Jährigen, dessen Mutter aus dem Saarland und dessen Vater aus der Bretagne stammt. Er verbrachte seine Kindheit zum Teil im Saarland und zum Teil in Frankreich, um dann im Alter von acht Jahren wieder in Wallerfangen heimisch zu werden. „Als Kind habe ich wenig bis gar keinen Sport getrieben“, blickt Bertrand Blaise zurück und fügt lachend hinzu: „In der Schule hatte ich sogar mal eine Vier auf dem Zeugnis, weil ich mich aus Protest geweigert habe, mitzumachen.“

Der Ironman, der alles ins Rollen brachte

Doch dann kam es zu jenem denkwürdigen 7. Oktober 1995, als der damals 16-jährige Bertrand die Live-Übertragung des Ironman auf Hawaii im Fernsehen verfolgte. Es war eines der dramatischsten Rennen in der Geschichte des Triathlon: Nach 3,8 km Schwimmen und 180 km auf dem Rad ging der Deutsche Thomas Hellriegel mit einem Vorsprung von rund 13 Minuten auf die Laufstrecke. Doch der US-Amerikaner Mark Allen holte auf und gewann am Ende das Rennen – Hellriegel wurde Zweiter.

Bertrand Blaise bei einer seiner vielen internationalen Radtouren – hier in der Lombardei in Norditalien.

Bertrand Blaise bei einer seiner vielen internationalen Radtouren – hier in der Lombardei in Norditalien.

Foto: Bertrand Blaise

„Ich hatte vorher noch nie etwas von Triathlon gehört und plötzlich konnte ich nicht mehr aufhören zu schauen, es war so spannend“, erinnert sich Bertrand Blaise. „Ich fand das so inspirierend und habe mir an diesem Abend gesagt: Das will ich auch machen.“

Sein Onkel hatte bereits eine Affinität zum Rennradfahren und zeigte ihm den Umgang damit. „Aber das Laufen entpuppte sich als Katastrophe: Ich bin am Anfang direkt voll losgerannt und kam natürlich nicht weit. Aber mit der Zeit wurde es besser.“ Im Fernsehen sah der junge Mann zufällig ein Porträt über einen Triathlon-Verein in der Nähe und schloss sich an: „Wir hatten eine tolle Zeit, es war eine schöne Gruppe von verrückten Enthusiasten. Irgendwann hat sich tatsächlich herausgestellt, dass Laufen meine stärkste Disziplin ist, und ich habe schnell angefangen, an Volksläufen teilzunehmen, und hatte mit 17 bereits meinen ersten Triathlon absolviert.“

Erster Marathon-Versuch in Paris scheitert

Der Verein löste sich auf, Bertrand aber blieb am Ball und fing irgendwann an, den Marathon in den Blick zu nehmen. 2005 meldete er sich für Paris an: „Ich dachte mir, falls es eine einmalige Sache bleibt, dann sollte es schon ein großer Marathon sein.” Allerdings trainierte der junge Mann ohne rechten Plan – und musste dafür auf der Strecke bitter bezahlen: Ab Kilometer 32 bekam er so starke Krämpfe, dass er ins Ziel gehen musste. „Ich war so enttäuscht“, resümiert er. „Der Marathon zählte für mich nicht als abgeschlossen.“

Bertrand Blaise zufrieden nach dem endlich abgeschlossenen Marathon in Nantes.

Bertrand Blaise zufrieden nach dem endlich abgeschlossenen Marathon in Nantes.

Foto: Bertrand Blaise

Doch einen weiteren Anlauf sollte es zunächst nicht geben. Bertrand Blaise lernte seine spätere Frau kennen, sie heirateten, bekamen Zwillinge und bauten ein Haus um. „Wie sagt man so schön? Das Leben kam dazwischen. Plötzlich stand der Sport ganz hinten auf meiner Liste.“

Der Weckruf und die Rückkehr zum Sport

Doch 2021 kamen schleichend die ersten gesundheitlichen Probleme. Mehrere Bandscheibenvorfälle, Magenbeschwerden und schlechte Cholesterinwerte: „Ich habe einfach nicht auf mich geachtet. Als die Ärzte mir diverse Medikamente verschreiben wollten, war das wie eine Art Weckruf. Ich dachte mir: So wie ich jetzt lebe, ist eigentlich nicht mein wirkliches Leben. Dann habe ich alles einmal um 180 Grad gedreht.“ Bertrand Blaise kaufte sich zunächst ein E-Bike und fing an, die acht Kilometer zur Arbeit mit dem Rad zu fahren. „Auch mit dem Laufen habe ich wieder angefangen und meine Ernährung umgestellt: keine Süßgetränke, dafür mehr Obst, Gemüse und Vollkorn. Und tatsächlich: Ich habe schnell gemerkt, wie ich mich besser fühlte und wieder fitter wurde.”

Ein Traum aus der Teenager-Zeit erwachte in dem 44-Jährigen: mit dem Fahrrad quer durch Europa zu fahren. „Als ersten Schritt habe ich beim nächsten Familienurlaub in die Bretagne die 800 Kilometer dorthin mit dem Fahrrad zurückgelegt. Seitdem mache ich jedes Jahr eine größere Tour, zuletzt durch England“, erzählt Bertrand Blaise begeistert. Auf diese Weise kann man unglaublich viel sehen und ein Land in seiner Gänze in sich aufnehmen.“

Bertrand Blaise auf Radtour im englischen Nationalpark Devon.

Bertrand Blaise auf Radtour im englischen Nationalpark Devon.

Foto: Bertrand Blaise

Auch das Laufen nahm er wieder auf und steigerte sich langsam bis zum Halbmarathon. „Und ich hatte ja auch noch eine Rechnung offen. Ich wollte den Traum vom Marathon endlich abschließen und 20 Jahre später einen neuen Anlauf starten. Aber leider bekam ich 2025 keinen Startplatz mehr für Paris.“ Da Bertrand Blaise aufgrund seiner französischen Wurzeln unbedingt in Frankreich laufen wollte, meldete er sich für den Marathon in Nantes Ende April 2026 an. „Als Partnerschaft von Saarbrücken war dies eine weitere Möglichkeit, meine französisch-saarländische Identität zu feiern.“

Der zweite Anlauf in Nantes

Diesmal machte der gelernte Schreiner alles richtig: Er trainierte den ganzen Winter über, mit Intervalltraining, Bergläufen, Krafttraining und Physiotherapie. Doch als der Tag näher rückte, stieg die Aufregung. Die Achillessehne fing an zu zwicken, die Zugfahrt wurde zum Abenteuer, im Hotel bemerkte er, dass das Frühstück erst serviert würde, wenn er sich längst auf dem Weg zum Start befände. Kurzum: Bertrand Blaise bekam in der Nacht vor dem Marathon kein Auge zu. „Aber sobald ich an der Startlinie stand, fiel alle Anspannung und Nervosität ab und ich konnte mich einfach nur noch freuen und den Lauf genießen.“ Ab der Hälfte wurden die Beine schwer, ab Kilometer 30 wurde es dann richtig anstrengend. Aber der 47-Jährige dachte keine Sekunde ans Aufgeben: „Ich habe mir immer wieder gesagt: ‚Diesmal läufst du durch.‘“

Die Unterstützung seiner Familie und die tolle Stimmung an der Strecke trugen ihn über die letzten Kilometer. Er erinnert sich noch an einen besonderen Moment: „Für die Läufer wurde eine spezielle schwimmende Pontonbrücke über den Fluss errichtet, und als ich die gesehen habe, wusste ich, dass ich es fast geschafft hatte. Ein roter Teppich führte ins Ziel in der Halle und wir wurden mit einer Lasershow und Musik empfangen. Es war einfach gigantisch. Mein Zeitziel hatte ich zwar nicht ganz erreicht, aber das war mir egal. Ich hatte es geschafft, ich war durchgelaufen und ich hatte meine 20 Jahre alten Dämonen besiegt. Alle Emotionen kamen hoch, all das harte Training in Dunkelheit, Schnee und Regen hatte sich gelohnt.“

Seine Ärzte sind inzwischen mehr als zufrieden mit dem 47-Jährigen, sämtliche Werte haben sich wesentlich verbessert. „Ich habe mich damals gefühlt, als wäre ich über 50, jetzt fühle ich mich wieder wie 25. Sport und Ernährung sind die Basis für ein gesundes Leben und ich lebe jetzt endlich wieder das Leben, das zu mir passt.“

Ob er nochmal einen Marathon laufen will? „Das weiß ich jetzt noch nicht. Mir gefällt die Stimmung bei so einem Großevent und die Vorbereitung darauf macht wirklich Spaß. Aber es muss auch etwas Besonderes sein. Grundsätzlich wäre es schon ein Fernziel, irgendwann mal Paris von der Liste abhaken zu können und die Rechnung vollends zu begleichen.“

Auf Youtube berichtet Bertrand Blaise unter dem Namen „Grenzenlos Aktiv“ von seinen sportlichen Abenteuern. Insbesondere seine Radtouren begleitet er sehr aufwendig mit verschiedenen Kameras und sogar einer Drohne. „Es ist eine Art Tagebuch, und ich habe mit der Zeit gemerkt, wie viel Spaß ich am Filmemachen habe.” Und was hat es mit dem Namen auf sich? „‚Grenzenlos’ bezieht sich einerseits auf meine doppelte Nationalität und andererseits auf die inneren Grenzen. Ich möchte zeigen, dass es möglich ist, seine eigenen Grenzen zu verschieben und auszuweiten. Was mir früher utopisch erschien, ist jetzt möglich. Und ich bin der Meinung, dass fast jeder in der Lage ist, seine Träume zu verwirklichen, wenn man es nur will.” (ian/sve)

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