Eine Gentherapie soll Sehnerven reparieren. Drei Patienten vertrugen sie kurzfristig gut, bei zwei gab es Hinweise auf besseres Sehen. Hält die Wirkung an?
21.10.2026 · 05:00 Uhr
Unter dem Schlagwort „Longevity“ versuchen viele Menschen, den Alterungsprozess aufzuhalten.
Foto: Patrick Seeger/dpa/dpa-tmn/Patrick SeegerKolumne · Eine Gentherapie soll Sehnerven reparieren. Drei Patienten vertrugen sie kurzfristig gut, bei zwei gab es Hinweise auf besseres Sehen. Hält die Wirkung an?
Der Kampf gegen das Altern ist medial präsent. Unter dem Schlagwort „Longevity“ versuchen viele Menschen, den Alterungsprozess aufzuhalten und Krankheiten wie Herzinfarkt, Krebs oder Demenz vorzubeugen. Länger zu leben erscheint nur erstrebenswert, wenn wir dabei gesund bleiben. Besonders interessant ist daher ein eher unscheinbares Tier, der Nacktmull: Obwohl kaum größer als eine Maus, kann er über 30 Jahre alt werden und ist gegenüber vielen Alterserkrankungen widerstandsfähig.
Der Wunsch nach Verjüngung reicht Jahrtausende zurück. Neben wissenschaftlich unbelegten Methoden gibt es inzwischen echte Fortschritte. Forscher versuchen, Zellen in einen jüngeren Zustand zurückzuversetzen. Die Idee: Verjüngte Zellen können Schäden besser reparieren. Dieser Ansatz wird erstmals bei Menschen mit Sehnervenschäden etwa beim Glaukom untersucht.
Grundlage sind sogenannte Yamanaka-Faktoren: Diese Proteine beeinflussen, welche Gene in einer Zelle aktiv sind. Für die Entdeckung, dass sich ausgereifte Zellen reprogrammieren lassen, erhielten Shinya Yamanaka und John Gurdon 2012 den Nobelpreis. Eine vollständige Reprogrammierung kann jedoch Tumoren begünstigen, weil Zellen ihre spezialisierte Identität verlieren. Daher werden nur drei der vier Yamanaka-Faktoren eingesetzt ohne den tumorfördernden Faktor c-Myc. In Tierversuchen ließen sich damit geschädigte Nervenfasern im Auge regenerieren und Sehfunktionen verbessern.
In einer ersten klinischen Studie wurden die Gene dieser drei Faktoren in Augenzellen eingeschleust. Ihre Aktivität lässt sich durch ein Antibiotikum zeitlich steuern, um Risiken zu begrenzen. Erste Herstellerdaten von drei Patienten deuten auf eine gute kurzfristige Verträglichkeit hin; bei zwei zeigten sich Hinweise auf eine verbesserte Sehfunktion. Ob die Therapie langfristig wirkt, ist offen.
Selbst ein Erfolg am Auge wäre kein Beleg dafür, dass der Ansatz auch in anderen Organen funktioniert. Doch die Forschung kann einen neuen Weg eröffnen, altersbedingte Zellschäden zu behandeln.
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