Vor 50 Jahren lief der erste Ford Fiesta in Spanien vom Band. Nach der Krise sichert nun der chinesische Geely-Konzern die Zukunft des Werks in Almussafes bei Valencia.
Stand: 21.10.2026, 15:16 Uhr

Vor 50 Jahren lief der erste Ford Fiesta in Spanien vom Band. Nach der Krise sichert nun der chinesische Geely-Konzern die Zukunft des Werks in Almussafes bei Valencia.
Valencia – Ein gekrönter und ein ungekrönter König huldigten am 25. Oktober 1976 dem Fiesta. Spaniens König Juan Carlos I. und Henry Ford II. bewunderten den pfiffigen Ford Fiesta, der im nagelneuen Ford-Werk in Almussafes bei Valencia vom Band rollte. Fotos zeigen, wie Arbeiter Henry Ford II. wie einen Heilsbringer feierten, der sie aus den Fängen der Erdölkrise riss. 213.000 Autos liefen 1977, im ersten Produktionsjahr, vom Band.
50 Jahre später musste das Ford-Werk vor den Toren Valencias das mieseste Produktionsjahr seiner Geschichte verbuchen. Der Niedergang setzte ein, als das E-Auto an Ford vorbeifuhr und der US-Konzern Modelle am europäischen Zeitgeist vorbei baute. Nur 98.500 Ford Kugas fabrizierten 4.100 Angestellte noch. Das Werk im Osten von Spanien bangte seit 2022 um Arbeitsplätze, sah Modelle verschwinden, fürchtete, den internen Wettstreit um die Schließung gegen Saarlouis zu verlieren, ging in die Kurzarbeit, hoffte vergeblich auf ein E-Auto und sah sich ändernden Produktionsplänen ausgesetzt. Nun kann Ford dennoch optimistischer in die Zukunft blicken als die trotz der 14 Millionen gebauter Autos triste Gegenwart vermuten lässt.
China steigt bei Ford-Werk in Spanien ein - fünf Fahrzeuge ab 2027Der chinesische Konzern Geely steigt 2027 in Valencia ein, mit einem Anteil von 34 Prozent. Chinesische Konzerne schielen auf funktionierende Fabriken in Europa, um Schutzzölle mit der Fabrikation eigener Modelle in der EU zu umgehen. Spanien liegt dabei hoch im Kurs. Hinter dem Riesenkonzern Geely verbergen sich noch Marken wie Volvo, Polestar, Lynx, Lotus oder Zeekr. China übernimmt den europäischen Automarkt, nicht nur von Valencia aus.
In Spanien kooperiert Stellantis mit Leapmotor in Zaragoza und Chery staubte die alte spanische Marke Ebro im früheren Nissan-Werk in Barcelona ab. Der China-Konzern Geely investiert 221 Millionen Euro ins Ford-Werk bei Valencia, womit der Zusammenschluss der Giganten mit 650 Millionen Euro verbucht wird. Ab 2027 sollen fünf Fahrzeuge produziert werden, der Ford Kuga bleibt, der Bronco kommt, ein Crossover-Hybrid entspringt dem Zusammenschluss und der asiatische Konzern will ein Jahr später zwei E-SUV-Modelle bauen. Das Werk in Almussafes kann bis zu 500.000 Autos im Jahr fertigen, allerdings werden nicht mehr Fachkräfte als bisher die Arbeit stemmen, sondern Roboter.
Wie kam Ford überhaupt nach Spanien? Die ersten Verhandlungen reichen bis ins Franco-Regime zurück. Der US-Konzern musste den Schutzwall um die Marke Seat durchbrechen. Erst 1973 fiel die Entscheidung für Almussafes, Ford setzte auf die Nähe zum Hafen von Valencia und das Eisenwerk von Sagunto im Einzugsgebiet. Das Werk produzierte nicht nur den Ford Fiesta, auch der Escort, der Orion, der Ka und der Focus sowie größere Modelle wie Mondeo, S-Max, Galaxy und Transit Connect wurden gebaut, sogar der Mazda 2. 1990 beschäftigte Ford 11.000 Angestellte in Almussafes, produzierte 2004 beinahe 450.000 Autos, in den besten Jahren fünf Modelle. Die Bedeutung für die Industrie dürfte enorm sein, Knowhow, Fertigungsmethoden und Fachkräfte zogen nicht nur in die Zulieferungsindustrie ein, auch in die Keramik-, Chemie- oder Plastikindustrie der Region.
Geely bringt nun nicht nur frischen Wind ins kraftlose Ford-Werk bei Valencia, sondern könnte auch die Zuliefererindustrie dynamisieren, die sich angesiedelt hat. Die Chinesen sehen in Ford ihr Basis-Werk in Europa und wollen als eine der populärsten chinesischen Marken aufsteigen. Und der Zulieferer-Verband Avia vereint 120 Firmen mit 36.000 Angestellten rund um Valencia. Experten sehen Chancen, warnen aber, den gleichen Fehler nochmal zu begehen und ganz auf eine Firma zu setzen wie auf Ford.
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