Eine neu entdeckte Sicherheitslücke hat unter anderem Unis und die Landesregierung alarmiert: Sie nahmen ihre Webseiten vorübergehend offline. Später wurde das Leck geschlossen.
Wegen einer neu entdeckten, schwerwiegenden weltweiten Sicherheitslücke sind am Mittwochnachmittag zahlreiche Internetseiten und Onlinedienste vorübergehend vom Netz genommen worden. So hat die Landesregierung ihre Webseiten offline gestellt - die Homepages von Ministerien und Regierungspräsidien waren mehreren Stunden nicht mehr zugänglich, es gab Hinweise auf Wartungsarbeiten. Mittlerweile sind die Webseiten wieder online. Betroffen waren auch viele Universitäten und Unikliniken.
Sicherheitslücke in Internet-relevanter ProgrammierspracheHintergrund war eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke in der weit verbreiteten Programmiersprache PHP. Auf ihr beruht ein Großteil des gesamten Internets. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte eine entsprechende Warnung veröffentlicht. Julian Reichwald, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Mannheim, erklärte auf SWR-Anfrage, Angreifer könnten unter Umständen einen "Schadcode" in die Systeme einschleusen und sich so Zugang zu den Maschinen verschaffen. Das sei als "maximal kritisch einzustufen", so Reichwald weiter.
Am späteren Nachmittag wurde das Sicherheitsleck laut BSI mit einem Update geschlossen. Anschließend gingen erste Webseiten von Universitäten und Gemeinden wieder online, etwa der Universität Ulm und der Uni Tübingen. Andere Seiten folgen nun Schritt für Schritt.
Karlsruhe
Eine weltweite Sicherheitslücke hat auch in Baden-Württemberg für Probleme gesorgt. Der Karlsruher IT-Experte Jörn Müller-Quade ordnet den Vorfall ein. Was können Nutzer jetzt tun?
Innenministerium: Reine SicherheitsmaßnahmeLaut Mitteilung des Staatsministeriums wurden die Webseiten der Landesregierung als vorsorgliche Maßnahme offline genommen - zum Schutz der Infrastruktur, bis die Entwickler die erforderlichen Sicherheitsupdates bereitstellen können, hieß es am Nachmittag. Innenminister Manuel Hagel (CDU) sagte dem SWR am späten Nachmittag, das Land arbeite mit Hochdruck daran, die Sicherheitslücke zu schließen. Allein im vergangenen Jahr habe der volkswirtschaftliche Schaden durch Cyberangriffe in Baden-Württemberg 30 Milliarden Euro betragen. Das zeige, dass man sich gegen solche Angriffe rüsten müsse, so Hagel.
Weiter teilte das Innenministerium mit, dass die Offlinenahme keine Reaktion auf einen erfolgreichen Cyberangriff gewesen sei, sondern eine reine Sicherheitsmaßnahme. Seiten, die nicht mit der Programmiersprache PHP betrieben werden, waren nicht betroffen, beispielsweise die Webseite vom Landtag.
Unikliniken betroffen - aber nicht die PatientenversorgungWegen der Sicherheitslücke stellten zum Beispiel auch die Unikliniken Mannheim und Heidelberg, die Universitäten Mannheim, Heidelberg, Konstanz, Ulm, Tübingen und weitere Hochschulen wie die DHBW Mosbach, die Hochschule Biberach und die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Konstanz ihre Seiten vorsorglich vorübergehend offline. Der Uniklinikverbund Mannheim-Heidelberg teilte mit, es handele sich nicht um einen Cyberangriff auf die IT-Systeme der Einrichtungen, sondern um eine rein präventive Maßnahme. Die Patientenversorgung sei nicht betroffen.
Auch die Uniklinik Freiburg hat reagiert: Das Krankenhaus nahm seine Internetseite sowie die Website der Patientinnen-App "Meine Uniklinik" vorübergehend vom Netz. Die Abschaltung sei vorsorglich erfolgt, um notwendige Sicherheitsupdates durchzuführen und mögliche Risiken zu vermeiden, so die Uniklinik Freiburg in einer Mitteilung. Der reguläre Klinikbetrieb sei durch die Abschaltung nicht beeinträchtigt.

Auch das Karlsruher Institut für Technologie sperrte seine Website. "Aufgrund kritischer Sicherheitslücken stehen die Webseiten des Karlsruher Institutes für Technologie temporär nicht zur Verfügung", schreibt das KIT auf seiner Seite. Auf Nachfrage erklärte ein KIT-Pressesprecher, man habe eine kontrollierte Abschaltung vorgenommen. Universitäten und Hochschulen berichteten am Nachmittag, dass sie an der Behebung des Problems arbeiten.
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