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Kolumne „Guide de survie pour la France“: Warum es in Frankreich keinen Religionsunterricht gibt – bis auf eine Ausnahme

Дата публикации: 29-09-2026 09:00:00




Regelmäßig blicken wir auf französische Eigenheiten und sinnieren darüber, wie man in Frankreich am elegantesten überlebt. Heute: die Trennung von Kirche und Staat – und warum diese in Moselle nicht gilt.



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Kolumne „Guide de survie pour la France“ Warum es in Frankreich keinen Religionsunterricht gibt – bis auf eine Ausnahme

Kolumne | Saarbrücken/Metz · Regelmäßig blicken wir auf französische Eigenheiten und sinnieren darüber, wie man in Frankreich am elegantesten überlebt. Heute: die Trennung von Kirche und Staat – und warum diese in Moselle nicht gilt.

29.09.2026 , 11:00 Uhr

Frankreichweit löste der Papst-Besuch große Begeisterung aus.

Foto: Corinne Simon/KNA/Corinne Simon

Ausnahmestimmung in Metz beim Besuch des Papstes – und doch täuscht der Eindruck. Denn in den meisten französischen Haushalten spielt Religion kaum eine Rolle. Laut dem Statistikamt Insee bezeichnen sich 51 Prozent der Franzosen als konfessionslos. Zwar liegt der Katholizismus mit 29 Prozent an erster Stelle unter den Anhängern von Religionsgemeinschaften, doch nur acht Prozent der Katholiken sind tatsächlich regelmäßige Kirchgänger.

Nach der Konfession fragt man in Frankreich nicht

In Frankreich ist Religion in der Regel Privatsache. Ob der Bürokollege oder der Nachbar Katholik ist, wissen die wenigsten. Danach zu fragen, wird als übergriffig bewertet. Das ist ungefähr so, als würde man einen Deutschen fragen, wie viel er genau verdient. Und so kommt es nicht selten vor, dass Franzosen, die nach Deutschland ziehen und bei der Anmeldung im Bürgeramt nach ihrer Konfession gefragt werden, mit einem empörten „Das geht Sie nichts an!“ antworten. Nichts für ungut, aber die Frage ist aus französischer Sicht einfach ungewöhnlich. Dass es in Frankreich grundsätzlich keine Kirchensteuer gibt, hängt mit dem Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche aus dem Jahr 1905 zusammen.

Seitdem gilt der Laizismus. Jeder darf seine Religion frei ausüben, während der Staat gegenüber allen Konfessionen neutral sein soll. Im Alltag heißt es zum Beispiel: keine Kirchensteuer, kein Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, keine Ausbildung von Religionslehrern, keine Besoldung von Geistlichen. In ganz Frankreich? Tatsächlich nicht. Ausgerechnet die Départements an der Grenze zum Saarland bilden die Ausnahme.

Mehrheit ist für Abschaffung des Konkordats

Denn als das Trennungsgesetz 1905 beschlossen wurde, waren die heutigen Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin (Elsass) sowie Moselle kein französisches Territorium, sondern gehörten zum Deutschen Reich, wo das Konkordat der katholischen Kirche, den lutherischen und reformierten Kirchen sowie der jüdischen Gemeinde einen Sonderstatus sicherte. Diese Sonderregelung blieb bestehen, als die Gebiete wieder zu Frankreich gehörten.

Darüber, ob dieser Sonderstatus noch zeitgemäß ist, lässt sich streiten. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop sind 78 Prozent der Franzosen landesweit für die Abschaffung des Konkordats in diesen Départements – vor allem aufgrund der damit verbundenen Kosten, die von allen französischen Steuerzahlern getragen werden. Selbst in den betroffenen Gebieten im Elsass und in Moselle ist eine knappe Mehrheit dafür (52 Prozent). Ob es tatsächlich in den kommenden Jahren zur Abschaffung kommt, ist fraglich. Auf dem Schreibtisch des nächsten Staatsoberhaupts werden im kommenden Jahr weitaus dringendere Themen liegen.

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