Der Technologie- und Industriekonzern Bosch stellt sich in Deutschland neu auf. Die Mobilitätssparte, die zentralen internen Servicebereiche, die IT und der Immobilienbereich werden in eigene Tochtergesellschaften ausgegliedert.
Der Technologie- und Industriekonzern Bosch will sein Deutschlandgeschäft neu strukturieren. Insgesamt sollen rund 62.500 Beschäftigte in die neuen Tochtergesellschaften wechseln, wie das Stiftungsunternehmen am Donnerstag in Gerlingen mitteilte. Die meisten Mitarbeiter stammen aus der aktuell kriselnden Mobilitätssparte.
Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, die in Tochtergesellschaften wechseln, blieben gleich. Es ändere sich nichts an der Bezahlung. Die bisherigen Arbeitsverträge sollen auf die neuen Tochtergesellschaften übergehen.
Der neue Bosch-Chef Christian Fischer (58) sagte, die Robert Bosch GmbH werde künftig zur strategischen Dachgesellschaft. „Sie setzt die strategischen Leitplanken und kümmert sich um die langfristige Weiterentwicklung der Bosch-Gruppe. Was sie weniger tun wird: sich ins operative Geschäft einbringen.“
„Alle Einheiten bleiben integraler Bestandteil der Bosch-Gruppe“: Bosch-Chef Christian Fischer verspricht sich von der neuen Struktur eine höhere Ertragskraft
Foto: Bernd Weißbrod / dpaLaut Fischer geht es bei den Veränderungen darum, die Ertragskraft der gesamten Gruppe nachhaltig zu steigern, damit man auch künftig technologische Durchbrüche aus eigener Kraft finanzieren könne. „Klar ist: Alle Einheiten bleiben auch in ihrer neuen Rechtsform ein integraler Bestandteil der Bosch-Gruppe.“
Bereits heute bestehen in dem Stiftungskonzern für die Geschäftsfelder in den Unternehmensbereichen Industrietechnik, Konsumgüter Energie- und Gebäudetechnik eigene Tochtergesellschaften. Die Neuordnung soll bis Ende 2027 abgeschlossen werden.
Als eigenständiges Tochterunternehmen werde die Mobilitätssparte innerhalb der Bosch-Gruppe ihre Geschäfte noch stärker integrieren und bereichsübergreifend steuern, hieß es weiter. Sie bleibt weiterhin der größte Unternehmensbereich. Er trug 2025 mit 55,8 Milliarden Euro rund 60 Prozent zum Gesamtumsatz bei.
Fischer sagte, Bosch Mobility könne als eigenständige Gesellschaft künftig schneller auf Marktveränderungen reagieren und sich noch konsequenter an neuen Kundenbedürfnissen ausrichten. „Zugleich schaffen wir neue Spielräume für strategische Partnerschaften und zukünftige Wachstumsfelder.“ Bosch sei einer der wenigen Zulieferer, der in allen wesentlichen Weltregionen vorn mit dabei sei.
Der Gesamtbetriebsratschef der Mobilitätssparte, Frank Sell, sagte, dass Management verspreche sich von der Neuaufstellung mehr Tempo und Wettbewerbsfähigkeit. „Für uns ist entscheidend, dass dieser Umbau nicht zulasten der Kolleginnen und Kollegen geht. Das Unternehmen und die Beschäftigten müssen gestärkt daraus hervorgehen.“
Die Herausforderungen, die Bosch auf der ganz großen Bühne beschäftigen, sind nicht neu: Die Weltkonjunktur schwächelt, die geopolitische Lage ist nach wie vor unsicher. Auch die Konkurrenz, gerade durch chinesische Anbieter, hat sich verschärft. Und das nicht nur in der Automobilindustrie, die ohnehin weniger produziert als noch vor ein paar Jahren.
In diesem Jahr dürften die Folgen des Irankriegs das Unternehmen belasten. Bosch ist nach früheren Angaben in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig: Der Konzern kann im Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten.
Ein weiterer Personalabbau ist mit der Neuaufstellung der Konzernstruktur nach Angaben eines Sprechers nicht geplant. Bosch hatte zuletzt angekündigt, in Nürnberg die Hälfte der dortigen 1.800 Stellen abzubauen. Die Streichungen gehen über den bereits angekündigten Abbau von konzernweit rund 25.000 Stellen in Deutschland hinaus.
Der Technologiekonzern und Autozulieferer hatte im ersten Halbjahr keine großen Sprünge gemacht. In den ersten sechs Monaten 2026 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro.
Allerdings kam das Wachstum vor allem durch Zukäufe zustande. Bosch hatte im Laufe des vergangenen Jahres das Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsgeschäft von Johnson Controls US4783661071 und Hitachi übernommen. Einen Rückgang gab es bei der Profitabilität. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) – Bosch spricht von einem operativen Ebit – sank von 2,3 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro.