Die Zahl der Obdachlosen steigt, bezahlbare Wohnungen fehlen. Zwei Betroffene aus Trier und Kaiserslautern erzählen, wie sie mit Unterstützung einen Neuanfang geschafft haben.
Lebensbedrohliche Kälte. Weniger Mahlzeiten. Weniger sauberes Trinkwasser. Das bedeutet der Winter für obdachlose Menschen, Jahr für Jahr.
Kristopher Barth-Merlak hat den vergangenen Winter in einem Kälte-Iglu verbracht, auf der Wiese der Pfarrgemeinde Heiliger St. Martin in Kaiserslautern. Drei Monate lang. Dann zerstörte ein Feuer die Notunterkünfte. Davor pendelte er zwischen Krankenhaus und Straße. "Ich habe mir nur gewünscht, später wieder ein Obdach zu haben", sagt er. "Und Freunde, die zu mir stehen, mir helfen."

Einen Winter später sitzt der Schock noch tief. Doch sein Leben sieht ganz anders aus. Barth-Merlak wohnt im Caritas-Förderzentrum St. Christophorus. "Nachdem die Iglus abgebrannt sind, ist der Pfarrer mit uns hierher gefahren", erzählt er. Hier hat er ein festes Dach über dem Kopf und Menschen, mit denen er über seine Probleme sprechen kann. Das Zentrum gibt ihm eine Tagesstruktur, medizinische Versorgung und regelmäßige Mahlzeiten.
Es hilft ihm bei den Finanzen und im Kontakt mit den Ämtern. Oft kocht er mit den anderen zusammen. "Ich verstehe mich gut mit meinem Zimmerkollegen", sagt er. "Auch mit den anderen Mitbewohnern. Mittlerweile habe ich gute Freunde gefunden."

Das Förderzentrum bietet mehr als Resozialisierungshilfe. Es hat kurzfristige Schlafplätze, Aufenthaltsmöglichkeiten tagsüber und Beratungsangebote. Gerade bereitet sich das Team auf den Winter vor: Schlafsäcke, warme Kleidung, Hygieneartikel.
"Manche Menschen wollen nicht in einer Einrichtung unterkommen und bleiben über den Winter draußen", sagt Carolin Koppenhöfer. "Auch sie können wir damit versorgen." Sie sorgt dafür, dass Hilfesuchende schnell und unbürokratisch den richtigen Platz im System finden.

Außerdem hilft sie, ein "Sleep-In" einzurichten. Ab November sollen obdachlose Menschen dort nachts unterkommen können. Ohne Voranmeldung, auf Wunsch anonym. Koppenhöfer weiß aus ihrer Arbeit: Kälte ist nicht die einzige Belastung. "Es ist einfach eine schwierigere Zeit für die Menschen, gerade weil dann Weihnachten kommt. Alle sind emotionaler, sentimentaler, haben Gesprächsbedarf."
Von einem Tag auf den anderen wohnungslosWie wichtig solche Hilfsangebote sind, zeigt auch die Geschichte von Gisela Diehl aus Trier. Die heute 59-Jährige hätte nie damit gerechnet, einmal auf eine Notunterkunft angewiesen zu sein. Sie war immer berufstätig und lebte in einer langjährigen Beziehung. Doch die entwickelte sich nach ihren Worten zunehmend zu einem Albtraum. Als sie abrupt endete, stand Diehl von einem Tag auf den anderen ohne Wohnung da.

Du fängst jetzt von vorne an. Bei null!
An dem Tag, an dem sie auf der Straße landete, musste die Polizei eingreifen. Die Beamten vermittelten sie an die Notübernachtung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Trier. "Du fängst jetzt von vorne an. Bei null", erinnert sich Diehl an ihre Gedanken damals.
Die Situation war für sie besonders schwierig: Diehl war zu diesem Zeitpunkt krankgeschrieben, konnte kaum laufen und bekam nur wenig Krankengeld. Jeden Morgen um neun Uhr musste sie die Notunterkunft verlassen. Erst abends um 19 Uhr durfte sie zurück. Dazwischen suchte sie sich einen Platz zum Sitzen, etwa in einem Café oder einem Aufenthaltsraum. Im Benedikt-Labre-Haus in Trier konnte sie sich tagsüber aufwärmen und ihre Unterlagen für Krankenkasse und Rentenversicherung sortieren. "Da kam eine Existenzangst, die war massivst", erzählt sie.
Trier
Mehr und mehr Menschen benötigen Wohnungslosenhilfe. Immer mehr Frauen sind gefährdet, sagt der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Trier. Das sind die Gründe.
Mit Unterstützung zurück in die eigene WohnungDrei Monate verbrachte Diehl in der Notunterkunft, zwischenzeitlich zog sie in einen Wohncontainer auf dem Gelände. Dann wurde eine Wohnung frei. Bei der Besichtigung waren viele Interessenten, weshalb sie sich kaum Hoffnungen machte. Doch wenige Tage später bekam sie die Zusage.
Mit Unterstützung des SkF schaffte sie es, sich wieder ein eigenes Leben aufzubauen. Sie bekam Hilfe bei Arztterminen und Behördengängen und nahm psychologische Unterstützung in Anspruch. Heute hat sie wieder eine eigene Wohnung, bekommt Rente und hat sich sogar ein kleines Auto gekauft.
Mehrmals in der Woche besucht sie weiterhin das Café Haltepunkt des SkF. Dort trifft sie andere Frauen, frühstückt gemeinsam mit ihnen und nimmt an Angeboten teil. Das Café sei für sie inzwischen "so ein Stück Ersatzfamilie".

Doch nicht alle Frauen finden so schnell eine neue Wohnung wie Gisela Diehl. Beim SkF in Trier ist die Zahl der wohnungslosen Frauen, die Unterstützung suchen, in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Vor der Corona-Pandemie begleitete das Café Haltepunkt nach eigenen Angaben rund 230 Frauen, im vergangenen Jahr waren es bereits 800.
Gleichzeitig bleiben die Frauen immer länger in den Notunterkünften. Von Januar bis September 2026 verzeichnete der SkF insgesamt 1.499 Übernachtungen, im Vorjahreszeitraum waren es 1.126. Dabei nutzten in beiden Zeiträumen jeweils 43 Frauen die Unterkünfte.
Warum Frauen besonders gefährdet sindEin Hauptgrund dafür sei der angespannte Wohnungsmarkt, sagt SkF-Leiterin Regina Bergmann. Viele Frauen hätten kein eigenes Einkommen, lebten in schwierigen Beziehungen oder seien von ihren Partnern abhängig. Häufig stehe nur der Partner im Mietvertrag. Wenn die Beziehung zerbreche, hätten die Frauen kaum Möglichkeiten, schnell eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Im Café Haltepunkt bekommen wohnungslose Frauen Beratung, können duschen, ihre Wäsche waschen und frühstücken. Außerdem gibt es Notübernachtungsplätze und ein spendenfinanziertes Psychotherapie-Angebot. Das Haus Maria Goretti bietet 32 Wohnplätze für wohnungslose und psychisch erkrankte Frauen. Hinzu kommen Projekte, die bestehenden Wohnraum sichern oder Frauen den Zugang zu einer eigenen Wohnung erleichtern sollen.
Allerdings stoße der SkF angesichts der steigenden Nachfrage und immer komplexerer Probleme an seine Grenzen, sagt Bergmann. Sie fordert mehr Personal und eine engere Zusammenarbeit mit psychiatrischen Einrichtungen. Ohne die Unterstützung Ehrenamtlicher sei die Betreuung der Frauen kaum noch möglich.
Hoffnung auf einen NeuanfangGisela Diehl hat ihren Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben gefunden. Inzwischen geht sie ins Theater, besucht Konzerte und war nach langer Zeit wieder im Urlaub. Anderen Frauen, die im Café Haltepunkt Hilfe suchen, versucht sie Mut zu machen: "Du packst das auch."
Auch Kristopher Barth-Merlack in Kaiserslautern blickt wieder zuversichtlicher in die Zukunft. "Ich komme langsam wieder in Fahrt!" Als nächstes möchte der Mittdreißiger sich anstrengen und eine eigene Wohnung finden, wieder fit werden und irgendwann arbeiten gehen. Die Hilfe und Unterstützung für Obdachlose in Kaiserslautern weiß er dabei zu schätzen.
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