SPD will das Rentenniveau sichern. Bis 2040 könnte das 23 Milliarden Euro extra kosten. Sieben Reformideen zeigen mögliche Wege zur Finanzierung.
SPD-Chef Lars Klingbeil will eine „vernünftige Rente für alle Generationen“ garantieren. FOCUS online rechnet vor, was das bedeutet, was es kosten würde und wer diese Kosten tragen könnte.
Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas ist Alexander Schweitzer (SPD) als neuer Bundesarbeits- und Sozialminister vereidigt. Eines seiner ersten Mammutprojekte wird die Umsetzung der Rentenreform. Für diese gibt ihm sein Parteichef Lars Klingbeil eine klare Vorgabe. Er wolle, dass „alle Generationen eine vernünftige Rente bekommen“, sagte er unlängst im Morgenmagazin.
Der von Klingbeil verwendete Begriff ist umgangssprachlich und hat keine wissenschaftliche Definition. Für den einen könnten 1000 Euro Rente pro Monat vernünftig sein, für den anderen sind es 2000 Euro. Wir rechnen deswegen mit einer Verlängerung der Haltelinie des Rentenniveaus von 48 Prozent. Es beschreibt die Höhe einer Standardrente im Vergleich zum durchschnittlichen Arbeitslohn. Eine Standardrente ist wiederum die Rente, die Sie mit 45 Rentenpunkten erhalten. Aktuell sind das 1913,40 Euro pro Monat.
Die Deutsche Rentenversicherung rechnet für 2026 mit Einnahmen von 432,5 Milliarden Euro und Ausgaben von 443,2 Milliarden Euro. Planmäßig würde sie also ein Defizit von 10,7 Milliarden Euro einfahren. Weil die Beitragseinnahmen von 332 Milliarden Euro nicht ausreichen, zahlt der Bund aus seinem Haushalt einen Zuschuss von insgesamt 127,4 Milliarden Euro.
Die Haltelinie von 48 Prozent Rentenniveau ist derzeit bis 2031 garantiert. Schon das verursacht immer höhere Kosten. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) schätzt sie dieses Jahr auf 400 Millionen Euro. 2031 sollen es rund elf Milliarden Euro sein. Über alle Jahre von jetzt bis 2031 fallen 26,8 Milliarden Euro zusätzlich an. Diese Mehrkosten resultieren hauptsächlich daraus, dass sich das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern immer weiter verschlechtert.
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Bis 2040 wird das extremer. Kommen heute 32 Senioren auf 100 Personen im Erwerbsalter, werden es 2040 schon 45 Senioren sein. Die DRV-Schätzung aus dem Frühjahr geht deswegen davon aus, dass ohne jede Reform der Beitragssatz bis dahin von 18,6 auf 21,1 Prozent steigen müsste und das Rentenniveau trotzdem auf 46,4 Prozent sinken würde.
Im Rentenversicherungsbericht 2025 des Bundesarbeitsministeriums gibt es zudem eine Hochrechnung bis 2039. Demnach würde ohne Reform der Beitragssatz auf 21,2 Prozent steigen, das Rentenniveau auf 46,3 Prozent fallen und die gesamten Bundeszuschüsse von derzeit 127 auf 175 Milliarden Euro pro Jahr steigen.
Eine Verlängerung der Haltelinie bis 2040 würde diese Kosten erhöhen. 2032 wären es 3,4 Milliarden Euro extra. Im Jahr darauf müssten schon 7 Milliarden Euro mehr bezahlt werden, im Jahr 2040 dann sogar 23,3 Milliarden Euro. Wichtig: Diese Werte sind nicht inflationsbereinigt. 23,3 Milliarden Euro im Jahr 2040 entsprächen bei angenommenen zwei Prozent jährlicher Inflation heutigen 17,7 Milliarden Euro.
Diese Mehrkosten sind hoch, aber im Vergleich zu den gesamten Kosten gering. Der gesamte Bundeszuschuss wird 2032 nach Berechnungen der DRV bei 144 Milliarden Euro liegen. Die Haltelinie würde diese Bundesmittel um weitere 2,4 Prozent erhöhen. Die 23,3 Milliarden Euro im Jahr 2040 entsprächen aber schon 12,8 Prozent des dann ohnehin fälligen Zuschusses. Gemessen an den gesamten Rentenausgaben liegen die Mehrkosten bei 0,6 bis 3,2 Prozent.
Die Alterssicherungskommission hat im Sommer 33 Reformvorschläge vorgelegt. Einige könnten die Rentenkasse entlasten. Hinzu kommen weitere Ideen aus der Politik und eigene Modellrechnungen. Wir haben sieben Ansätze untersucht.
Wenn wir alle Maßnahmen zusammenrechnen, wäre es möglich, den Bundeszuschuss 2040 um 91 Milliarden Euro zu senken und dabei das Rentenniveau auf 48 Prozent zu halten. Abzüglich der Mehrkosten fiele der Zuschuss also noch um 68 Milliarden Euro. Alternativ könnte damit der Beitragssatz auf 18,4 Prozent gesenkt werden. Er läge dann sogar niedriger als heute. Dabei ist aber wichtig, dass viele unserer Rechnungen Modelle und Schätzungen sind. Nicht alle können genauso umgesetzt werden und wahrscheinlich auch nicht alle gemeinsam.
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