Daytrading, Swingtrading, langfristiges Investieren oder Buy-and-Hold: Welche Strategie sich für Einzelaktien eignet und warum ein Exitplan wichtig ist.
Daytrading ist stressig, Buy-and-Hold bei Einzelaktien riskant. Eine andere Strategie setzt auf langfristige Trends – und einen klaren Plan für den Ausstieg.
Stress, schlaflose Nächte vor dem Bildschirm oder pures Glück – daran denken viele Menschen, wenn sie das Stichwort „Aktienhandel“ hören. Doch dieses Bild trifft, wenn überhaupt, nur auf das sogenannte Daytrading zu. Langfristiges Investieren dagegen ist keine nervenaufreibende Übernacht-Aktion mit Glücksspiel-Charakter, was es für mich zur besten Börsen-Strategie macht.
Dr. Carmen Mayer ist Expertin für Anlagestrategien, Aktieninvestments und finanzielle Unabhängigkeit. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
An der Börse gibt es unzählige Herangehensweisen, aber zeitlich lassen sie sich in vier Grundformen einteilen:
Wer wenig Zeit mit Aktienhandel verbringen will, tendiert nun vielleicht zu Buy-and-Hold. Bei ETFs kann diese Strategie funktionieren, denn sie bestehen aus vielen Aktien verschiedener Unternehmen. Das heißt, stärkere Aktien können schwächere ausgleichen und Unternehmen, die insolvent gehen, werden automatisch aussortiert.
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Bei Einzelaktien ist das nicht der Fall, weswegen Sie als Investorin oder Investor die Aktie regelmäßig prüfen sollten. Das muss nicht täglich sein, in der Regel reicht es einmal pro Woche reinzuschauen. So sehen sie es sofort, wenn eine Aktie tief fällt, was auch bei an sich starken Einzelaktien der Fall sein, wie wir das aktuell beispielsweise bei Paypal oder Nike sehen.
Auch die Vergangenheit zeigt, wieso Sie Ihre Einzelaktien im Blick behalten müssen: Die Aktie der Deutschen Telekom stand zur Dotcom-Zeit auf ihrem Allzeithoch bei 33 Euro pro Aktie. Im Crash fiel sie um 90 Prozent und erreichte erst 25 Jahre später wieder das Alltime High. So lange zu warten ist sehr schmerzhaft und macht keine Freude. Deswegen ist es besser, nur in Aktien mit einem klaren Aufwärtstrend zu investieren und einen Exitplan zu haben – dazu kommen wir gleich noch mal.
Da Day- sowie Swingtrading zu zeitintensiv sind und Buy-and-Hold für Einzelaktien zu riskant ist, bleibt das langfristige Investieren meine Lieblingsstrategie.
Hier steckt der Großteil der Arbeit in der Auswahl. Denn bevor ich mich für eine Aktie entscheide, schaue ich mir nicht nur den Chart an, sondern bewerte das Unternehmen auch fundamental. Das heißt, ich prüfe Bilanzen, Umsätze und Gewinne und verschaffe mir ein umfassendes Bild davon, wie gesund das Unternehmen wirklich ist. Ist diese Arbeit zu Beginn gemacht, kann das Unternehmen oft monatelang gut unterwegs sein, ohne dass ich täglich in die Charts schauen muss.
Was passiert, wenn der Aufwärtstrend einer Einzelaktie endet? Hierfür brauchen Sie eine klare Exit-Strategie: Legen Sie vorab fest, wie viel Verlust Sie akzeptieren, und verkaufen Sie, sobald diese Grenze erreicht ist oder sich wichtige technische Indikatoren verändern. Wo diese Grenze liegt, müssen Sie selbst entscheiden.
Mein persönliches Limit liegt bei etwa 30 Prozent, denn eine Aktie, die 30 Prozent verloren hat, muss rund 43 Prozent zulegen, um wieder beim Einstiegspreis zu stehen. Das ist schon ein starker Anstieg. Bei 50 Prozent Verlust sind schon ganze 100 Prozent nötig und hat eine Aktie erst mal 75 Prozent verloren, braucht es 300 Prozent – eine Erholung, die kaum schaffbar ist oder Jahrzehnte dauern kann.
Einzelaktien sind sinnvoll, wenn Sie wirklich starke Unternehmen aussuchen, die viel Rendite bringen. Prüfen Sie die Aktien daher vor dem Kauf gut. Dann reicht es aus, wenn Sie regelmäßig in Ihr Depot schauen, aber nicht zu oft und nicht an Tagen, an denen negative Schlagzeilen in der Presse dominieren. Das macht uns in der Regel sehr nervös und als Investorin oder Investor könnten Sie unüberlegt verkaufen.
Bleiben Sie lieber ganz ruhig und vergessen Sie nicht den großen Vorteil von Aktien: Sie sind hochliquide und können im Gegensatz zu viele anderen Vermögensanlagen jederzeit gekauft und verkauft werden. Das nimmt den Stress aus dem Investieren, den viele fälschlicherweise mit dem Aktienhandel verbinden und steigert die Rendite.
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