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Vor Frankreichs Zinskurve sollte ganz Europa zittern

Дата публикации: 05-10-2026 11:17:00

Immer bedrohlicher wird die finanzielle Lage für Frankreich. Wie lange kann die EZB noch zuschauen?

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Immer bedrohlicher wird die finanzielle Lage für Frankreich. Wie lange kann die EZB noch zuschauen?

Man könnte meinen, es handele sich bei der Grafik um den Aktienchart eines Tech-Unternehmens, das gerade eine bahnbrechende Innovation vorgestellt hat. Steil geht es nach oben. Ist sie aber nicht.

Der steile Anstieg zeigt die Aufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen. Der sogenannte Spread beziffert die Renditedifferenz zwischen zwei Anleihen und misst damit den Risikoaufschlag, den Anleger für das Halten eines bestimmten Staatspapiers gegenüber einer als sicher geltenden Benchmark verlangen.

Spread OAT Bund

Der Renditeaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen ist stark gestiegen Teleborsa

Die Botschaft ist eindeutig: Das Misstrauen gegenüber Frankreichs Staatsfinanzen wächst. Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen liegt inzwischen bei knapp 4,9 Prozent. Das ist höher als während der Euro-Schuldenkrise. Zuletzt hatte die Rendite in der Finanzkrise ein vergleichbares Niveau.

Mehr und mehr richten sich daher die Blicke der Investoren nach Frankfurt. Wann ist ein Niveau erreicht, bei dem die EZB in den Markt eingreift? Denn klar ist: Immer höhere Zinsen verschärfen das französische Schuldenproblem. Schon jetzt beträgt die Gesamtverschuldung knapp 119 Prozent des BIP.

Auch in Spanien verschärft sich die Lage

Die Gefahr einer neuen Schuldenkrise steigt – doch dieses Mal nicht mit Griechenland im Zentrum, sondern mit einem Land, dessen Bruttoinlandsprodukt 13-mal größer ist. Wie damals gerät auch Spanien schon wieder zunehmend unter Druck. Bei den spanischen Staatsanleihen sind die Aufschläge gegenüber Bundesanleihen zuletzt fast senkrecht in die Höhe geschossen. Um fast 35 Prozent ging es in nur gut zwei Wochen nach oben. Mit knapp 65 Basispunkten ist der Spread zwar noch von früheren Höchstständen entfernt – im Frühjahr des vergangenen Jahres lag er bei über 70 Basispunkten. Aber die Angst vor Ansteckungseffekten wächst – zumal vorgezogene Neuwahlen anstehen.

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Anders als während der Schuldenkrise von 2010 ist die EZB zwar besser vorbereitet. Sie hat sich mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) die Möglichkeit geschaffen, praktisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, wenn sie Marktverwerfungen sieht. Allerdings soll es – zumindest auf dem Papier – nur greifen, wenn sich die Finanzierungsbedingungen in einem Mitgliedsland massiv verschlechtern, ohne dass dies durch länderspezifische Fundamentaldaten begründet ist.

Politischer Stillstand erschwert Reformen

In Frankreich ist das jedoch nicht der Fall. Der Renditeanstieg ist Folge des politischen Stillstands und der Unfähigkeit der Parteien, sich auf Sparmaßnahmen und/oder die Erhöhung der Einnahmen zu einigen, um das Haushaltsdefizit zu senken.

Das Problem: Seit den überraschenden Neuwahlen ist das Parlament in drei fast gleich große Lager geteilt. Schon diverse Regierungschefs aus den Reihen der Partei von Staatspräsident Emmanuel Macron sind daran gescheitert, sowohl mit dem Linksbündnis „Nouveau Front Populaire“ als auch mit den Rechtsnationalen des „Rassemblement National“ einen Haushalt zu verabschieden, der eine Wende in den Staatsfinanzen einleiten könnte. Aktuell versucht sich Sébastien Lecornu als Ministerpräsident. Sein Haushaltsentwurf für 2027 peilt ein Defizit von fünf Prozent des BIP an. Das ist viel zu hoch, um die Schuldenlast zu senken.

Französische Anleihen im Fokus

Die EZB hätte neben dem TPI noch andere Möglichkeiten. Sie könnte verbal intervenieren und ihre „Besorgnis“ über den Renditeanstieg ausdrücken. Der Markt würde das als Zeichen interpretieren, dass die EZB zum Eingreifen bereit ist.

Außerdem kann die Notenbank die Erträge aus fällig werdenden Anleihen, die sie im Rahmen des Pandemie-Anleihekaufprogramms (PEPP) erworben hatte, reinvestieren, und zwar schwerpunktmäßig in französische Staatsanleihen. Das PEPP erlaubt es der EZB, phasenweise vom Kapitalschlüssel der nationalen Zentralbanken abzuweichen.

Staatsfinanzierung durch die EZB?

Es bleibt aber das große Problem: Verweigern sich Frankreichs Politiker einem echten Sparprogramm, hat jedes Eingreifen der EZB den Beigeschmack einer Staatsfinanzierung. Überall im Euroraum würden sich die Politiker ermutigt fühlen, ihre Schuldenpolitik fortzusetzen. Die Staaten würden noch mehr Ressourcen an sich ziehen und so die Wachstumsdynamik des privaten Sektors dämpfen. Außerdem würden die langfristigen Inflationsrisiken weiter steigen.

Der Euro hat in den vergangenen vier Wochen bereits knapp 3,6 Prozent verloren und notiert nur noch um die Marke von 1,12 Dollar. Er steht damit tiefer als während der Euro-Schuldenkrise. Die Commerzbank schreibt dazu in einer Analyse:

„Dass die Gemeinschaftswährung im aktuellen Umfeld unter Druck gerät, suggeriert einerseits, dass der Markt nun eine steigende Wahrscheinlichkeit sieht, dass die EZB doch eingreifen muss, und andererseits, dass ihre eigentlich für diesen Fall vorgesehenen Instrumente nicht ausreichen, die Probleme einzudämmen. Stattdessen scheint der Markt eine zunehmende Gefahr zu sehen, dass sie zu einer dauerhaft expansiveren Geldpolitik gezwungen sein wird, um den Druck von den langfristigen Renditen zu nehmen.“

Die Eurozone nähert sich damit einer Weggabelung, die die wirtschaftliche Entwicklung für lange Zeit bestimmen könnte.

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