Seit 2021 sind die Preise um 24,6 Prozent gestiegen. So stark trifft die Inflation Singles, Paare und Familien – und so viel Gehalt brauchen Sie.
Seit Jahresbeginn 2021 stiegen die Preise in Deutschland um 24,6 Prozent. Nie seit der Wiedervereinigung stiegen die Preise in einem vergleichbaren Zeitraum so stark. Haushalte werden davon unterschiedlich getroffen.
Die vorläufige Inflationsrate liegt im September 2026 bei plus 3,3 Prozent. Damit setzt sich ein Trend fort, denn die Inflationsrate in Deutschland kletterte von Januar 2021 bis August 2026 um satte 24,6 Prozent. Bis zum vergangenen Jahr waren solche Raten innerhalb von 67 Monaten in Deutschland unbekannt.
Diese Rate ermittelt das Statistische Bundesamt mit einem statistisch zusammengestellten Warenkorb. Dabei hat es die schwere Aufgabe, diesen Korb so zu gestalten, dass er möglichst den Durchschnitt aller deutschen Haushalte abdeckt. Doch Menschen mit niedrigem Einkommen geben einen höheren Anteil ihres Einkommens etwa für Wohnen und Lebensmittel aus, dafür wenig bis gar nichts für Urlaube oder Luxusartikel. Bei Spitzenverdienern ist die Verteilung komplett anders.
So geben etwa Singles rund 43 Prozent ihrer Konsumausgaben für Wohnkosten aus. Dazu zählen Mieten, Heizung und Reparaturen. Bei kinderlosen Paaren sind es nur 36 Prozent der Ausgaben. Bei Familien sinkt der Anteil auf 35 Prozent. Dafür ist der Anteil der Lebensmittelausgaben an den Konsumausgaben bei Familien höher. Kinder wollen eben auch essen und trinken, bringen aber kein eigenes Einkommen ein.
Ähnliche Trends lassen sich auch bei anderen Warengruppen, etwa Bekleidung, Gesundheit und Verkehr erkennen. Wir haben drei Musterhaushalte verglichen:
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Zur Vereinfachung der Rechnung gehen wir davon aus, dass das verfügbare Einkommen gleichzeitig auch die Höhe der Konsumausgaben darstellt. In der Praxis wird jeder Haushalt nicht sein komplettes Einkommen ausgeben, sondern einen Teil zurücklegen oder ansparen. Das Statistische Bundesamt gliedert die Konsumausgaben in zwölf Hauptgruppen.
Zusammengerechnet hätte unser Mustersingle seit Januar 2021 eine Inflationsrate von 22,2 Prozent erlebt. Kinderlose Paare kämen auf 23,3 Prozent, Familien auf 23,5 Prozent. Auffällig ist zunächst, dass all diese Werte unter der offiziellen Inflationsrate von 24,6 Prozent liegen. Das liegt schlicht daran, dass der offizielle Index noch mehr Haushaltsformen einschließt. Dazu zählen etwa Alleinerziehende, Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhaushalte und alle Haushalte mit einem Einkommen von deutlich mehr als 5000 Euro im Monat oder deutlich weniger als 2000 Euro.
Die von uns errechneten Zahlen geben aber auch an, wie stark Ihr Einkommen gestiegen sein müsste, damit Sie sich heute noch genauso viel leisten können wie vor fünfeinhalb Jahren.
Die Rechnung zeigt: Um Ihr Budget zu halten, muss das Bruttoeinkommen ein wenig stärker steigen als die Inflationsrate. Das liegt erstens an den seit 2021 gestiegenen Sozialabgaben. Hier wiegt vor allem der Zusatzbeitrag der Krankenkassen schwer. Zweitens erreichen Sie mit höherem Bruttoeinkommen aber auch höhere Tarife in der Einkommensteuer. Von jedem zusätzlich verdienten Euro kommt netto also nur ein Teil bei Ihnen an. Dieser Effekt ist aber im Zeitraum von 2021 bis heute geringer, weil diese kalte Progression von den jeweiligen Bundesregierungen nahezu ausgeglichen wurde.
Selbst unsere drei Musterhaushalte sind nur sehr grobe Typisierungen. Die persönliche Inflationsrate kann sich noch deutlich nach anderen Merkmalen unterscheiden. Ärmere Haushalte zahlen etwa deutlich mehr ihres Einkommens für Wohnen und Lebensmittel. Wohlhabende Haushalte geben prozentual mehr für Bekleidung und Schuhe aus. Deren Inflationsrate liegt mit 7,6 Prozent deutlich unter der offiziellen Teuerung. Reiche Haushalte haben auch höhere Ausgaben für Tech-Gadgets, deren Preise weniger stark wachsen.
Auch der Wohnort spielt eine Rolle. Wer in der Großstadt wohnt, fährt tendenziell mehr mit Bus und Bahn. Deren Preise sind aber deutlich schwächer gestiegen als für Sprit. Darauf sind aber wiederum Menschen angewiesen, die auf dem Land wohnen. Wer ein Eigenheim mit Wärmepumpe hat, ist beim Heizen zudem nur von der Teuerung von Strom (17 Prozent) betroffen, aber weniger von der von Erdgas (77 Prozent) oder gar Heizöl (95 Prozent).
Wir haben für einige Musterhaushalte die eigene Inflationsrate berechnet. Grundlage dafür ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS). Für die EVS befragt das Statistische Bundesamt Zehntausende Haushalte zu ihren Einnahmen und Ausgaben. Die letzten Zahlen sind noch von 2023. Das Statistische Bundesamt erstellt daraus eine Tabelle, aus der hervorgeht, wie sich die Ausgaben in verschiedenen Haushaltskonstellationen verteilen.