Gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump verkündet Audi-Chef Gernot Döllner den Bau eines neuen Werks in Georgia. Damit leistet er Trump nicht nur Wahlkampfhilfe, sondern setzt sich auch über die Richtlinien seines eigenen Konzerns hinweg.
Gute Laune auf der Bühne: Gemeinsam verkünden US-Präsident Donald Trump und Audi-CEO Gernot Döllner eine neue milliardenschwere Audi-Fabrik in den USA
Foto:Mike Stewart / AP / dpa
Vor den Guardian Centers in Perry im US-Bundesstaat Georgia stand ein auffallend goldener Audi Q9 mit Herstellerkennzeichen. Drinnen verkündeten US-Präsident Donald Trump (70) und Audi-Chef Gernot Döllner (57) vor Tausenden Anhängern, dass der deutsche Autobauer erstmals ein Werk in den USA bauen will.
Vier Milliarden Dollar (3,6 Mrd. Euro) soll das neue Werk nahe Macon Audi kosten. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen. Die Volkswagen-Tochtergesellschaft plant die Produktion von 200.000 Sportgeländewagen (SUV) jährlich, rund 4.500 Arbeitsplätze sollen in Georgia entstehen.
„Wir planen, unsere größten und hochwertigsten SUV hier in Macon, Georgia, zu produzieren“, tönte Audi-Chef Gernot Döllner bei der Veranstaltung. Und dankte Trump noch auf der Bühne für dessen Unterstützung.
Goldene Zukunft: Audi hofft mit dem Werk Anschluss an die Konkurrenz in den USA zu finden.
Foto:Bo Erickson / REUTERS
Der gemeinsame Auftritt wirft allerdings Fragen auf. Nach dem „Booklet of Policies“ von Audi sollen in den drei letzten Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien oder Politikern stattfinden. Auch Sponsorings entsprechender Veranstaltungen sind demnach ausgeschlossen. Döllners Bühnenpräsenz bei einer Wahlkampfveranstaltung von Trump, etwas mehr als eine Woche vor der Kongresswahl, scheint mit dieser Selbstverpflichtung schwer vereinbar.
Döllner sagte zu seinem Auftritt, der Respekt vor dem Amt gebiete es, eine Einladung des US-Präsidenten anzunehmen. Es sei ein „sehr spezieller Moment“ gewesen und ein „besonderes Set-up, in dem ich mich zu bewegen hatte“, als er auf der Wahlkampfbühne zusammen mit Trump aufgetreten sei.
Teil des Trump-WahlkampfsTrump spielt die Ankündigung in die Hände. Am 3. November stehen in den USA Zwischenwahlen an, und seine Republikaner laufen Gefahr, die Mehrheit im Kongress zu verlieren. Trump will zeigen, dass seine Zollpolitik der US-Wirtschaft hilft. Kritiker führen dagegen an, dass die von der Trump-Regierung auferlegten Zölle Autos verteuert und Investitionen verzögert haben. Ein eigenes US-Werk steht seit mehr als einem Jahrzehnt auf der Wunschliste der Ingolstädter. Konkret werde seit drei Jahren verhandelt, sagte Döllner.
Die Vereinbarung zum Bau des Werks sei am Samstag unterzeichnet worden. Wie viel Geld und welche anderen Zusagen Audi im Gegenzug für die Investition bekommt, ließ Döllner offen. „Wir haben eine verlässliche Grundlage für diese Entscheidung, die auf Jahrzehnte angelegt ist.“ Es handle sich um ein für die Größenordnung der Investition übliches Paket. Allerdings stehe die Genehmigung der Konzern-Gremien, insbesondere des Volkswagen-Aufsichtsrats noch aus.
Harsche KritikVW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo (51) kritisierte den Auftritt von Audi-Chef Döllner scharf. „Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe“, sagte Cavallo in einem internen Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Wer die Rede von Trump gehört habe und habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor „Scham im Boden versinken“.
Sieht Audis Leitlinien verletzt: VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo kritisiert den Auftritt scharf
Foto: Julian Stratenschulte / dpaCavallo sparte auch nicht mit Kritik am gesamten VW-Konzernvorstand um Chef Oliver Blume (58). Dieser habe sich „von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt, zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen“, sagte sie. Dass umgehend erste Vergleiche zur VW-Geschichte gezogen würden, spreche für sich. Es sei ein Spiel mit dem Feuer. Volkswagen ist in der Nazi-Zeit gegründet worden und diente dem Regime von Adolf Hitler als Vorzeigeunternehmen.
Der Auftritt steht Cavallo zufolge im Gegensatz zu Audis internen Leitlinien. Hier liege „sicherlich ein klarer Verstoß“ vor.
Auch aus der SPD kommt derweil empörte Kritik am Auftritt des Audi-Vorstandschefs im Wahlkampf von Trump. Die SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori (38) sprach von Wahlkampfhilfe für einen Autokraten. „Das ist eine Schande, insbesondere in Anbetracht der Geschichte des VW-Konzerns“, teilte sie am Sonntag in Berlin mit.
„Damit geben Audi und der VW-Konzern Trumps Strategie recht, mit einem Handelskrieg Arbeitsplätze auf Kosten Europas in die USA zu holen, und helfen direkt dabei, dass Demokratieabbau, Gewalt gegen Minderheiten und Korruption unter diesem Präsidenten unkontrolliert weitergehen können“, sagte Cademartori, die Bundestagsabgeordnete und Co-Vorsitzende der SPD Baden-Württemberg ist. „Offensiv Wahlkampf für einen Autokraten zu betreiben, der einen Handelskrieg gegen Deutschland führt, ist ein neuer Tiefpunkt für den VW-Konzern“, führte die Sozialdemokratin aus.
Ihr Parteifreund Olaf Lies (59) äußerte sich als Niedersachsens Ministerpräsident und Vertreter des Landes im VW-Aufsichtsrat ein wenig diplomatischer. Die USA seien ein wichtiger Markt für Volkswagen, und es sei strategisch richtig, ihn noch besser zu erschließen. „Mehr Produktion dort ist dann eine Chance, wenn auch die Werke und die Beschäftigten in Deutschland davon profitieren. Wachstum in Amerika muss Arbeit und Wertschöpfung hier sichern und darf sie nicht verdrängen“, machte der SPD-Politiker deutlich.
Arbeitnehmer mit offenen FragenIG-Metall-Chefin Christiane Benner (58), die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei Volkswagen ist, forderte verbindliche Perspektiven für die Beschäftigten an allen, gerade den hiesigen Standorten. Ein Sprecher der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat erklärte, bislang habe der Aufsichtsrat noch kein grünes Licht für das Werk gegeben. Intern gebe es noch etliche offene Fragen.
Ein Sprecher der IG Metall sagte, es sei mehr als befremdlich, wenn sich ein deutscher Autoboss zum Wahlkampfhelfer eines US-Präsidenten mache, der aus deutschen Autobauern amerikanische machen wolle. „Trump hat nie verhehlt, worum es ihm geht: Er will unsere heimische Wirtschaft schwächen, allen voran die Automobilbranche“, sagte er. „Dass Gernot Döllner ausgerechnet in dieser Lage Trump die Hand reicht, ist schwer zu begreifen. Zumal sein eigenes Unternehmen hierzulande Werke und ganze Regionen infrage stellt.“
Nachholbedarf in den USAAudi hofft, mit dem US-Werk Anschluss an die Konkurrenz in den USA zu finden. Bislang produzieren die Ingolstädter ihre Fahrzeuge für den US-Markt in Europa und in Mexiko, dabei werden hohe Zölle fällig. Die von Trump eingeführten Zölle hatten den Autobauer im vergangenen Jahr mit 1,2 Milliarden Euro belastet. Das sei ein struktureller Nachteil im Wettbewerb mit BMW und Mercedes-Benz, die jeweils über eigene Werke in den USA verfügten, sagte Döllner.
Volkswagen-Chef Oliver Blume (58) sagte, Nordamerika sei ein fester Bestandteil des Zukunftsplans. Die Region sei ein wichtiger Markt, um profitabel zu wachsen. Derzeit spielt Audi auf dem US-Markt kaum eine Rolle, der Absatz war dort in diesem Jahr um 16 Prozent zurückgegangen.
spa/Reuters
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