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Raumfahrt in Europa: Historischer Start – Deutsche Rakete „Spectrum“ erreicht Erdorbit

Дата публикации: 06-09-2026 09:53:00




Am Samstag, 5. September, hat das deutsche Start-up Isar Aerospace mit seiner Rakete „Spectrum“ vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen erstmals den Erdorbit erreicht – die erste privat entwickelte Rakete, die das von europäischem Boden aus geschafft hat.



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Raumfahrt in Europa Historischer Start – Deutsche Rakete „Spectrum“ erreicht Erdorbit

06.09.2026 · 11:53 Uhr

Der erfolgreiche Start der Spectrum-Rakete.

Der erfolgreiche Start der Spectrum-Rakete.

Foto: -/Isar Aerospace/dpa/-

Update | Andøya · Am Samstag, 5. September, hat das deutsche Start-up Isar Aerospace mit seiner Rakete „Spectrum“ vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen erstmals den Erdorbit erreicht – die erste privat entwickelte Rakete, die das von europäischem Boden aus geschafft hat.

Es ist ein Datum, das in die Geschichte eingehen wird. Europa ist vom europäischen Kontinent ins All gestartet. Mit einem privaten Unternehmen: In der norwegischen Nacht am Weltraumbahnhof Andøya ist am Samstag, 5. September, um 22.12 Uhr die 28 Meter hohe deutsche Rakete „Spectrum“ erfolgreich gestartet. Um 22.21 Uhr meldete das Start-up aus Bayern: „Wir sind im Orbit! Und wir haben europäische Geschichte geschrieben: Es ist das erste Mal, dass eine privat entwickelte Rakete von Europa aus den Orbit erreicht hat.“ Tatsächlich ist es ein großer Schritt in die europäische Souveränität im Weltraum, dem schon bald weitere folgen können. Schließlich wollen noch mehr Start-ups wie Rocket Factory aus Augsburg vom schottischen Weltraumbahnhof SaxoVord ebenfalls abheben.

Am Sonntagvormittag sagte Isar-Aerospace Mitbegründer Daniel Metzler in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz voller Stolz, dass es der Beginn einer neuen Ära sei. „Es gibt nun einen neuen Spieler am Tisch“. Die Rakete für den nächsten Start sei bereits in Vorbereitung. Das werde dann ein kommerzieller Flug werden. Für die darauffolgenden Missionen sei man bereits in der Produktion. Die Starts werden auch 2027 in Norwegen erfolgen. Aber das Unternehmen möchte vermutlich ab 2028 zusätzlich von Nova Scotia an der kanadischen Ostküste starten.

Dem Erfolg ist eine lange Wartezeit vorausgegangen. Ursprünglich sollte die Spectrum bereits am 21. Januar abheben. Doch einige Stunden vor dem Versuch kam damals die Meldung des Unternehmens „Isar Aerospace“, dass der Start verschoben werden musste. Es gab Probleme mit einem Druckventil. Doch die konnten behoben werden. Das neue Startfenster öffnete sich am Donnerstag, 19. März. Aufgrund des Wetters wurde der Termin dann auf den 25. März gelegt. Das musste erneut verschoben werden. Es sollte am Donnerstag, 9. April, um 22 Uhr so weit sein. Doch um 20.51 Uhr kam die Meldung von Isar Aerospace, dass der Start erneut verschoben werden muss. Der Grund war ein Leck in einem Druckbehälter, das entdeckt wurde. Daniel Metzler, Chef und Mitbegründer von Isar Aerospace, sagte damals dazu: „Es steht außer Frage, dass wir den Orbit erreichen werden. Abbrüche gehören zur Branche; jedes erfolgreiche Raketenunternehmen hat das schon erlebt. Jeder Versuch liefert uns wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse auf unserem Weg in den Orbit. Wir werden bald wieder startbereit auf dem Startplatz stehen." Allerdings musste dann auch ein Versuch am 15. Juni abgesagt werden. Nun aber war es ein Erfolg.

Die Mission der Spectrum trägt den Namen „Onward and Upward“ (Vorwärts und aufwärts). Es ist der zweite Versuch für das Start-up, nachdem der erste Testflug im März 2025 nach knapp 30 Sekunden beendet war. Die Rakete stürzte kontrolliert ins Meer. Da seien drei Probleme zusammengekommen, erklärte Isar-Aerospace-Mitbegründer Daniel Metzler in einem Hintergrundgespräch. Ein Fehler bei einem Ventil war auf einen Elektronik-Defekt in einem Triebwerk gestoßen, das ausgefallen sei. Dazu sei dann noch ein Fehler im Kontroll-System gekommen.

Isar Aerospace hat aus den unzähligen Daten Rückschlüsse gezogen und das Design der Rakete verbessert. Schließlich besteht die Rakete aus mehr als 100.000 Bauteilen. Beispielsweise wurde die Zahl unterschiedlicher Ventil-Typen massiv reduziert. „Wir haben durch den einen Start mehr gelernt als durch zwei Jahre aufwendiger Simulationen“, sagt Metzler. Innerhalb von nur zehn Monaten steht Isar Aerospace nun wieder auf dem Startplatz. Das US-Unternehmen SpaceX von Elon Musk hatte 2007 fast genau ein Jahr für einen zweiten Start benötigt.

Dieses Mal werden auch gleich sechs Nutzlasten mit der Spectrum fliegen. Zumeist handelt es sich aber um Mini-Satelliten, unter anderem von Universitäten wie der TU Berlin oder TU Wien. Aber auch ein Experiment zu Solarzellen für Satelliten ist an Bord. Sie alle sollen von der zwei Meter durchmessenden zweistufigen Spectrum ins All gebracht werden. Es ist noch kein kommerzieller Flug.

Weitere Starts geplant

„Wir wollen so weit wie möglich kommen“, sagte Metzler im Januar. Am Ende sei es erst der zweite Versuch. Und egal, wie er ausgeht: Noch in diesem Jahr sollen zwei, vielleicht sogar drei weitere Starts folgen. Das scheint angesichts der Verzögerung nicht mehr möglich. „Die Frage ist nicht mehr, ob wir erfolgreich in den Orbit kommen werden, sondern wann genau“, sagt Metzler aber damals selbstbewusst. Und er hat recht behalten.

Zumal der volle Erfolg einiges verändern wird. Nicht nur für Isar Aerospace, sondern auch für Deutschland und Europa. „Es geht um Souveränität“, sagt Metzler mit Blick auf die neue geopolitische Lage und das zunehmend schwierige Verhältnis mit den USA. Mit einem Erfolg wäre es das erste Mal, dass eine private europäische Rakete von einem europäischen Startplatz ins All kommt.

Alleine 2025 habe es weltweit 330 Starts gegeben. Davon seien 198 US-amerikanisch gewesen, 124 wurden vom Rest der Welt, hauptsächlich China und Russland, durchgeführt. Und Europa? Der „alte Kontinent“ kann nur acht verbuchen. „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, betont der Isar-Aerospace-Mitbegründer. Zumal der Weltraum an immer größerer Bedeutung gewonnen hat. Von Wettervorhersagen über Kommunikation und Banktransaktionen bis hin zur Organisation von Lieferketten – und Kostenpflichtiger Inhalt vor allem zur Verteidigung. Das schlägt sich auch in den Anfragen bei Isar Aerospace nieder. Bis vor Kurzem waren das zu mehr als 80 Prozent kommerzielle Flüge, aber innerhalb der vergangenen zwölf Monate sei der Anteil von potenziellen Regierungsaufträgen und solchen mit Verteidigungsinteressen deutlich gestiegen. Zudem hatte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius im vergangenen September angekündigt, 35 Milliarden Euro bis 2030 in Weltraumprojekte zu investieren.

Bis Ende 2028 ausgebucht

Tatsächlich ist Isar Aerospace bereits bis Ende 2028 ausgebucht. Ein ungenannter Kunde hat sogar einen Start für die späten 2030er reserviert. Und „wir könnten 20-mal mehr Aufträge annehmen. Wir suchen uns die bereits aus.“ Darum will man die Produktionskapazitäten ausbauen und mittelfristig 40 Raketen im Jahr bauen.

Und dennoch fürchtet man nicht die Konkurrenz in Europa. Obwohl beispielsweise aus Deutschland mit Rocket Factory und HyImpulse zwei weitere Start-ups bald starten wollen. Der Markt sei groß genug. Insbesondere für kleinere, flexiblere Startsysteme, bei denen Kunden ihre gewünschten Orbits ansteuern können – statt als Beifahrer von großen Missionen keinen Einfluss mehr zu haben.

Auch die Mini-Satelliten an Bord haben spezifische Wünsche. Das schränkt das Startfenster ein. Gründe für Verschiebungen müssen jedoch nicht immer technisch sein. Eventuell machen zu starke Winde einen Start unmöglich. Dafür hat man beim „Andøya Spaceport“ auf einer Insel im Nordwesten Norwegens kein Problem mit Blitzen, und auch der Flugverkehr ist dort relativ dünn.

Metzler hält nach dem Erfolg nun erst recht an dem Ziel fest, 40 Starts im Jahr durchzuführen. Das werde aber noch einige Zeit dauern, gibt er zu. Einen Börsengang wie es jüngst SpaceX getan hat, schließt er derzeit aus. Man führe ein Unternehmen anders, wenn man langfristige Ziele im Blick habe und nicht nur Quartalsergebnisse.

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