Mehr Ängste, mehr Verhaltensprobleme, mehr komplexe Fälle: Aalens Schulen stehen vor wachsenden Herausforderungen. Warum die Unterstützungssysteme immer stärker gefordert sind.
Stand: 23.09.2026, 05:00 Uhr

Mehr Ängste, mehr Verhaltensprobleme, mehr komplexe Fälle: Aalens Schulen stehen vor wachsenden Herausforderungen. Warum die Unterstützungssysteme immer stärker gefordert sind.
Aalen. Die Schulkindbetreuung ist längst mehr als Hausaufgabenhilfe und verlässliche Betreuung nach dem Unterricht. Wie groß der Bedarf inzwischen ist, zeigt der Bericht der Aalener Stadtverwaltung, den die CDU-Fraktion im Rahmen der Haushaltsberatungen eingefordert hatte. Die Einschätzung der städtischen Fachkräfte ist deutlich: Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen hat demnach spürbar zugenommen. Und: Schule ist längst nicht mehr nur Lernort. Sie ist auch ein Ort, an dem soziale und psychische Probleme sichtbar werden. Schulkindbetreuung, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte und Schulpsychologie müssen immer häufiger zusammenspielen.
Das Hilfenetz gerät unter Druck"Ohne gezielte Investitionen in Prävention, Personal und niederschwellige Hilfen droht eine weitere Verschärfung der Situation", macht die Aalener Stadtverwaltung deutlich. Wie groß der Bedarf an psychologischer Unterstützung für Schulkinder ist, beschäftigt am Mittwoch, 23. September, den Ausschuss für Kultur, Bildung und Finanzen (KBFA).
Die ersten Warnsignale erkennenWie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, beobachten die Fachkräfte schon im Grundschulalter häufiger auffälliges Verhalten, Regelverstöße und soziale Schwierigkeiten. Viele Kinder benötigten frühzeitig Unterstützung, heißt es. Gleichzeitig fühlten sich auch Eltern zunehmend überfordert. Die Aufgabe der Schulkindbetreuung ist also längst nicht mehr nur auf die Betreuung vor oder nach dem Unterricht beschränkt. Die Fachkräfte begleiten Kinder im Schulalltag, beobachten ihre Entwicklung und bekommen häufig früh mit, wenn sich Schwierigkeiten anbahnen. Gemeinsam mit der Schulsozialarbeit bildet die Schulkindbetreuung ein wichtiges Netz direkt vor Ort.
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Schulpsychologie stark gefordertDie Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 383 Ratsuchende hat die Schulpsychologische Beratungsstelle Aalen im Schuljahr 2024/25 beraten. 226 kamen zu persönlichen Gesprächen, 157 nutzten die Telefonsprechstunde. Allein die persönlichen Beratungen summierten sich auf 923 Einzeltermine. Im Schnitt hatte jede Familie 4,1 Kontakte.
Wenn die Seele zum Problem wirdWas auffällt: Die Probleme, mit denen sich Kinder und Eltern an die Beratungsstelle wenden, haben sich verändert. Erstmals stehen Auffälligkeiten im emotionalen Bereich an erster Stelle. Ängste, Verhaltensprobleme und Schwierigkeiten im sozialen Miteinander rücken stärker in den Mittelpunkt. Die Fälle werden zugleich komplexer. Häufig müssen mehrere Beteiligte und Hilfesysteme zusammenarbeiten. Währenddessen verlieren klassische Themen wie Leistungsschwierigkeiten oder Schullaufbahnberatung an Bedeutung.
Therapieplätze fehlenDer Bericht zeigt damit auch, wie stark das Unterstützungssystem an den Aalener Schulen inzwischen gefordert ist. Denn bereits im Grundschulalter werden häufiger problematisches Verhalten, Regelverstöße und soziale Auffälligkeiten beobachtet. Eine Entspannung nach den Corona-Jahren sehen die städtischen Fachkräfte nicht. Manche Entwicklungen hätten sich vielmehr verfestigt oder verschärft. Gleichzeitig wachse der Druck auf die Beratungsangebote. "Therapieplätze fehlen, Wartezeiten sind lang", heißt es.
Lücken im HilfenetzDoch der Bericht offenbart auch: Dieses Netz hat Lücken. Denn das größte Problem bleibt der Zugang zu weiterführender Hilfe. Psychologische Beratungsstellen, Therapeuten und andere Angebote sind stark ausgelastet. Die Wartezeiten sind lang. Hier endet der Einfluss der Stadt. Denn die Schulkindbetreuung könne therapeutische Angebote nicht ersetzen. Sie könne aber auffangen, begleiten und frühzeitig auf Probleme aufmerksam machen. Die Betreuungskräfte seien häufig die Ersten, die bemerken, wenn ein Kind sich zurückzieht, immer wieder in Konflikte gerät oder sich sein Verhalten deutlich verändert.
Wenn Lehrer selbst Hilfe brauchenAber die Schulpsychologische Beratungsstelle unterstützt nicht nur Kinder und Eltern. Auch Lehrkräfte und Schulleitungen können sich beraten lassen. Im Schuljahr 2024/25 waren es 19 Lehrkräfte und 17 Schulleitungen, die in insgesamt 78 Kontakten Unterstützung erhielten. Hinzu kamen 39 Beratungen an Schulen, etwa im Rahmen sogenannter Runder Tische. Dort sitzen je nach Fall Eltern, Lehrkräfte, Schulleitung, Schulsozialarbeit und weitere Fachkräfte zusammen. Bei Krisen wurden zwölf Schulen begleitet.
20 neue Beratungslehrkräfte ausgebildetAuch die Ausbildung von Beratungslehrkräften gehört zum Aufgabenfeld der Schulpsychologischen Beratungsstelle. Im Schuljahr 2024/25 wurden gemeinsam mit den Beratungsstellen Göppingen und Backnang 20 Beratungslehrkräfte ausgebildet. Sie sollen künftig zusätzliche Unterstützung direkt an den Schulen ermöglichen.
Wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, versucht die Beratungsstelle, ihre Angebote an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Die Wartezeit auf ein Erstgespräch lag im Jahresdurchschnitt bei 32,5 Tagen. "Das war zwar weniger als in den Vorjahren. Der hohe Beratungsbedarf bleibt jedoch bestehen", heißt es in der Bilanz.
Hilfe und BeratungDie Schulpsychologische Beratungsstelle Aalen, Galgenbergstraße 8, unterstützt Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen bei schulbezogenen Problemen. Eine erste Kontaktaufnahme erfolgt meist telefonisch über Tel. (07361) 526560, E-Mail: poststelle.spbs-aa@zsl-rs-gd.kv.bwl.de. Das Sekretariat ist montags von 13 bis 15.30 Uhr, dienstags bis donnerstags von 8 bis 15.30 Uhr und freitags von 8 bis 12.30 Uhr erreichbar.
Telefonische Kurzberatung der Schulpsychologischen Beratungsstelle unter Tel. (07361) 5265614. Die Telefonsprechstunde richtet sich an alle am Schulleben Beteiligten. Die Zeiten: dienstags von 14 bis 16 Uhr und mittwochs von 9 bis 11 Uhr.
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