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Das grüne Herz der Welt: Costa Rica, Wunderland der Natur

Дата публикации: 27-09-2026 22:13:00

Tropische Regenwälder, exotische Tiere, pure Lebensfreude – Costa Rica ist ein Touristenmagnet. Schon in sechs Tagen gewinnt man unvergessliche Eindrücke.

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Tropische Regenwälder, exotische Tiere, pure Lebensfreude – Costa Rica ist eines der beliebtesten Reiseziele. Eigentlich braucht man sechs Wochen, um das Land zu entdecken. Doch auch in sechs Tagen gewinnt man unvergessliche Eindrücke.

Lautlos gleitet unser Boot durch den tropischen Regenwald. Gekonnt umschifft der Fahrer mächtige Äste und Palmwedel, die im warmen, von Sedimenten braun gefärbten Wasser treiben.

Gelbe Vögel begleiten uns, himmelblaue Schmetterlinge und tanzende Libellen. Auf einem Baumstumpf sonnen sich Schildkröten. Vögel mit langen Schnäbeln und stelzigen Beinen warten auf vorbeiziehende Fische. Über uns hangeln sich Affen durch das Grün. 

Nationalpark Tortuguero: Beispielhaft für Costa Ricas Schönheit

Anderthalb Stunden fahren wir durch die Kanäle des Nationalparks Tortuguero. Das 1975 eröffnete Reservat an der nördlichen Karibikküste ist eines der wichtigsten Naturschutzgebiete Costa Ricas. Mehr als 440 Vogelarten sind hier heimisch, außerdem mehr als 300 Arten von Süßwasser- und Meeresfischen, Amphibien und Reptilien. Bekannt ist die abgelegene Region, die nur per Boot oder Kleinflugzeug erreichbar ist, für ihre Meeresschildkröten, die an den Stränden ihre Eier ablegen. 

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Auf dem Weg nach Tortuguero gleitet unser Boot durch den tropischen Regenwald. Red

Der Tortuguero-Park steht beispielhaft für die einzigartige Naturschönheit Costa Ricas. Für eine nahezu unberührte Wildnis, in der stark gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tiere leben, für eine unglaubliche Artenvielfalt, für spektakuläre Landschaften.

Imposante Dschungel, rund 200 Vulkane, von denen einige noch aktiv sind, Wasserfälle, Berge, wilde Flüsse, einsame Strände – wer das „grüne Herz“ der Welt sucht, es schlägt in Costa Rica.

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Gelegen zwischen Nicaragua im Norden und Panama im Süden, umspült vom Pazifischen Ozean im Westen und dem Karibischen Meer an der Ostküste, zieht das zentralamerikanische Land jedes Jahr rund 2,7 Millionen Touristen an, darunter mehr als 70.000 Deutsche. Allein von Januar bis August 2026 nahmen 52.000 Urlauber aus Deutschland den langen Weg nach Costa Rica auf sich, fast neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 

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In Costa Rica gibt es rund 200 Vulkane, von denen einige noch aktiv sind. ICT

Im Durchschnitt, so ergab eine Untersuchung des Costa Rica Tourism Board, verbringen deutsche Urlauber 19 Nächte in dem Öko-Paradies, das etwa so groß ist wie Niedersachsen. Wir selbst haben leider nur sechs Tage Zeit. Viel zu wenig, um Land, Leute und Kultur kennenzulernen. Und doch steht am Ende unserer Reise das Fazit: Ein unvergessliches Abenteuer.

Wir starten in Frankfurt am Main. Gegen 14.30 Uhr, nach knapp 12-stündigem Flug, Landung in Costa Rica. Leicht bewölkt, angenehme 26 Grad, dichter Nachmittagsverkehr. Die Taxifahrt ins historische Zentrum der Hauptstadt San José dauert etwa 40 Minuten. 

San José: Wenn die Nacht anbricht, funkelt die Hauptstadt

Ein später Rundgang durch das quirlige Viertel rund um Goldmuseum, Zentralmarkt und Nationaltheater. Freitagabend scheint die halbe Stadt auf den Beinen. Überall Musik, Gedränge und der Geruch von gegrilltem Fleisch. Auf der Dachterrasse des Hotels „Presidente“ stärken wir uns mit Seebarsch-Ceviche für umgerechnet 12 Euro und einem frisch gezapften einheimischen „Imperial“-Bier. Als die Dunkelheit einbricht, beginnt die Stadt zu funkeln.

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Die Dachterrasse des Hotels „Presidente“ im Herzen der Hauptstadt San José. Red

Am nächsten Tag, noch bevor die Sonne den schwarzgrauen Himmel löchert, starten wir eine mehrstündige Busfahrt Richtung Karibikküste, gemeinsam mit neun weiteren Touristen aus Kanada, den USA, England und Österreich. Unser Tourguide ist Freddy. Der 44-Jährige, azurblaues T-Shirt, Baseballkappe, trockener Humor, wird uns in den nächsten drei Tagen nicht nur durch seine wunderschöne Heimat führen, sondern auch erzählen, was man über Costa Rica wissen sollte.

Route 32: Wunderschöne Landschaften, gefährliches Pflaster

Etwa, dass es seit 1949 in dem demokratischen Land keine Armee mehr gibt. Statt in die Streitkräfte, fließt das Steuergeld hauptsächlich in Bildung, Gesundheit und Umweltschutz. Costa Rica, das 1821 zusammen mit anderen Staaten die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Spanien erklärte, gilt als eines der fortschrittlichsten Länder in Lateinamerika. Gleichwohl fehlt es an einer – bis 1991 vorhandenen – durchgehenden Eisenbahnverbindung zwischen Ost- und Westküste.

Die Auswirkungen bekommen wir auf der Fahrt über die Route 32 zu spüren. Sie gilt als wichtigster Transportweg des Landes, aber auch als eine der gefährlichsten Straßen. Besonders tückisch ist der Abschnitt durch das Bergland des Braulio-Carrillo-Nationalparks.

So beeindruckend die Landschaft mit ihren steilen Hängen, tiefen Tälern und prasselnden Wasserfällen auch ist – von einer entspannten Fahrt auf der meist einspurigen Strecke kann kaum die Rede sein.

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Wasserfälle, Berge, wilde Flüsse, einsame Strände – wer das „grüne Herz“ der Welt sucht, es schlägt in Costa Rica. ICT

Container-Trucks, Bananenlaster, Holztransporter, Betonmisch-Lkw und Tieflader mit aufgesetzten Baggern quälen sich die serpentinenartige Bergstraße hinauf. Zusammen mit Bussen, Geländewagen, normalen Pkw und Motorrädern bilden sie eine kilometerlange Schlange.

Je höher es geht, desto nasser und trüber wird es. Nicht selten kommt der Verkehr für Stunden zum Stehen, weil ein kaputter Lastzug die Fahrbahn blockiert. Auch Erdmassen und Steine, die nach Regengüssen auf die Straße schießen, oder verlorene Ladungen machen ein Weiterfahren oft unmöglich.

Irgendwann lichtet sich der Nebel. Wir erreichen flaches Land. Nach einem kurzen Zwischenstopp mit Frühstück in Guápiles fahren wir weiter in nordwestliche Richtung.

Aus dem Fenster unseres Busses sehen wir riesige Kaffee- und Bananenplantagen und kleine Dörfer, in denen sich bungalowartige Häuser mit kupfergrünen Dächern aneinanderreihen. Viele Fassaden sind in Pastelltönen gestrichen, andere in kräftigem Türkis, Orange, Lila. Bauern bestellen ihre Felder oder treiben Kühe.

„Willkommen im Paradies“, sagt unser Reiseführer Freddy

Plötzlich endet die bis dahin gut asphaltierte Straße und geht in eine Schlamm-Geröll-Piste über. Wir schaukeln durch tiefe Kuhlen und über schmale Brücken. Die Böden sind vom Dauerregen der letzten Wochen aufgeweicht und gleichen einer Sumpflandschaft.

Schließlich geht es nicht mehr weiter. Wir stoppen an einem Wasserlauf im Wald, laden unser Gepäck auf ein bereitstehendes Boot und legen ab. „Willkommen im Paradies“, sagt Reiseführer Freddy. 

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Blick auf die wunderschönen Kanäle im Dschungel des Tortuguero-Nationalparks. ICT

Tatsächlich fühlt sich die Fahrt durch den Regenwald wie der Beginn einer paradiesischen Reise an. Erst gemächlich durch flache Kanäle und Lagunen, später rasant über breite Flussarme, die dem Gebiet den Beinamen „Amazonas von Costa Rica“ eingebracht haben.

Nach gut anderthalb Stunden erreichen wir das Dorf Tortuguero im gleichnamigen Nationalpark. Ein paar Hundert Meter weiter, am Ufer des Tortuguero River, verlassen wir das Boot und checken in der „Mawamba Lodge“ ein.

Das familiengeführte Hotel steht auf einem dicht bewaldeten, etwa 200 Meter breiten Landstreifen zwischen der wilden Karibik und dem breiten Urwaldfluss.

Trotz seiner isolierten Lage bietet es den Gästen viele Annehmlichkeiten. Dazu gehören freistehende, 30 Quadratmeter große Luxus-Bungalows, ein Pool, ein sehr gutes Restaurant und schwimmende Plattformen auf dem Fluss. Von dort aus kann man, mit einem kühlen Drink in der Hand, den Sonnenuntergang genießen oder Wasservögel und vorbeirauschende Boote beobachten. 

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Auf den Wiesen der „Mawamba Lodge“ tummeln sich viele Leguane. Red

Auf den Wiesen der Anlage fühlen sich Leguane wohl, die mal grün schimmern, mal bräunlich-gräulich, mal in leuchtendem Orange. Nachts sehen wir kleine Rotaugenlaubfrösche, die am Teichrand auf Blättern herumklettern. Die faszinierenden Tiere sind das inoffizielle „Nationalmaskottchen“ und ein Symbol für die Naturvielfalt in Costa Rica.

Um diese zu erhalten, verzichtet das Hotel komplett auf Verpackungen, Besteck und Trinkgefäße aus Plastik. Stattdessen gibt es Bambusstrohhalme und auffüllbare „Rainforest-Wasser“-Flaschen.

Die „Mawamba Lodge“ ist das einzige Resort mit einem Fußweg in das Dorf Tortuguero, in dem etwa 700 Menschen wohnen. Sie leben vom Tourismus, betreiben Cafés, Restaurants und Ausflugsagenturen, bieten Übernachtungen an, verkaufen Obst und Souvenirs, vermieten Gummistiefel für Wanderungen durch den Dschungel („Boots for rent“). Es gibt eine Schule, eine kleine Polizeistation und einen Taxistand, allerdings nicht für Autos, sondern für Boote. 

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Bunte Schilder mit der Aufschrift „Pura Vida“ zeugen von der Lebenslust und -freude der Menschen in Costa Rica. Red

Bei einem Spaziergang fallen uns bunte Schilder mit der Aufschrift „Pura Vida“ auf. Der Ausdruck, der streng übersetzt „pures Leben“ lautet, wird uns auf der Reise durch Costa Rica immer wieder begegnen – als Willkommens- oder Abschiedsgruß. „Pura Vida“ steht für die Freude an den einfachen Dingen des Lebens, für Optimismus und Gelassenheit, aber auch für die enge Verbindung zur Natur.

Eines der schönsten Naturerlebnisse in Tortuguero erwartet uns bei einer Schildkrötenwanderung. Die Tour startet 22 Uhr. Wir müssen dunkle Kleidung tragen und dürfen keine Lichtquellen wie Mobiltelefone oder Smartwatches mitnehmen. Ein Fährtenleser führt uns an einen geschützten Strandabschnitt. Wir sind angehalten, absolut leise und geduldig zu sein.

Schließlich richtet der Ranger seine Lampe, aus der schwaches rotes Licht strahlt, auf eine Grüne Meeresschildkröte. Sie ist an Land gekommen und gräbt mit ihren Flossen eine Mulde in den Sand, um darin Eier abzulegen. 

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Eine junge Grüne Meeresschildkröte am Strand von Tortuguero. ICT

Zwar können wir nicht den gesamten Prozess bis zur Rückkehr des Weibchens in den Ozean beobachten. Doch schon die wenigen Minuten in der Nähe eines „Dinosauriers der Meere“ – die ersten Exemplare der Grünen Meeresschildkröte gab es wohl bereits vor 50 Millionen Jahren – beeindrucken uns sehr. 

In Tortuguero ist Schutz der Meeresschildkröten zentrale Aufgabe

Nicht zu begreifen, dass Menschen die Tiere, die lange Zeit vom Aussterben bedroht waren, bis heute jagen, um Fleisch und Eier zu essen beziehungsweise als Delikatesse oder Mittel zur sexuellen Stimulanz zu verkaufen.

Wir sind froh, dass es in Tortuguero Organisationen wie die in den USA gegründete „Sea Turtle Conservancy“ gibt, die gleich neben unserer Lodge einen Stützpunkt hat. Forscher und Freiwillige setzen sich hier für den Schutz der Meeresschildkröten ein.

Der nächste Morgen. Kurz vor sechs treffen wir uns mit einem einheimischen Führer zur Kajaktour. Die ganze Nacht über hat es geregnet und auch jetzt gießt es in Strömen. Doch das ist uns egal.

In wasserdichten Jacken paddeln wir am Rand des Dschungels entlang. Die Kronen der Bäume sind noch in Nebel gehüllt. Behutsam bahnen wir uns den Weg durch die Urwald-Kanäle, als es plötzlich aufhört zu schütten und der Himmel aufreißt.

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Bei Kajaktouren durch Kanäle und Lagunen sind Touristen der Natur ganz nahe. Red

Unser Guide kennt die Gegend bestens. Er weiß, welche Tiere sich um diese Zeit im Busch zeigen.

Rotköpfige Truthahngeier trocknen ihr bräunlich-schwarzes Gefieder. Papageien fliegen schreiend durch die Wildnis. Ein Krokodil schiebt seinen massigen Körper durch das Schilf. Auf einer Sandbank döst ein Kaiman. Prächtige Schmetterlinge und exotische Vögel kreuzen unseren Weg. In den Wipfeln des Regenwaldes streiten Brüllaffen lautstark um ihr Revier.

In freier Wildbahn lebenden Tieren so nahe zu kommen, ist eine unglaubliche Erfahrung. Es sind Momente des Glücks. Doch die Verbundenheit mit der Natur kann noch enger, noch intensiver sein. Das erleben wir einen Tag später auf der „Selva Bananito Lodge“ in der Provinz Limón. 

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Herzliche Mitarbeiterinnen eines kleinen Cafés im Dorf Tortuguero. Red

Die Öko-Anlage liegt mitten im schwer zugänglichen Talamanca-Gebirge am karibischen Hang Costa Ricas und ist von der Zivilisation gänzlich abgeschnitten. Erreichbar nur über unbefestigte, holprige Dschungelpisten, die mitunter vom Regen seifig und verschlammt sind oder ganz wegbrechen. Ohne Allradantrieb ist man hier verloren. Zumal man an zwei Stellen einen Fluss queren muss.

Glücklicherweise holt uns Lodge-Chef Jürgen Stein ab. Der 61-jährige Deutsch-Kolumbianer, kräftige Statur, hochgekrempelte Ärmel, Schlüsselbund am Gürtel, wartet in seinem Pick-up am Straßenrand. Die Koffer auf die Ladefläche gewuchtet, und ab geht die wilde Fahrt durch die Pampa. Nach rund 50 Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen, sind wir am Ziel. 

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Auf der Fahrt zur „Selva Bananito Lodge“ in der Provinz Limón muss man an zwei Stellen einen Fluss queren. Red

Die „Selva Bananito Lodge“ gilt als eine der schönsten Öko-Lodges der Welt. Das Abendessen wird bei Kerzenlicht serviert, in den Zimmern stehen mit frischem Quellwasser gefüllte Kanister. Steckdosen und Klimaanlagen gibt es ebenso wenig wie Fernseher oder Radios. Aus den Duschen strömt sonnengewärmtes Wasser, die Seife ist biologisch abbaubar. Internet? Nur in der Lobby.

Wir beziehen einen der 19 rustikalen Holzbungalows, die auf Pfählen im Urwald stehen. Der Blick von der überdachten Veranda des 48 Quadratmeter großen Hauses ist atemberaubend: Vor uns vibriert eine lebende grüne Wand aus surfbrettgroßen Blättern, Riesenfarnen und gigantischen Bäumen. Dahinter erhebt sich ein Waldberg, auf dem eine weiße Wolkendecke ruht.

Es gurrt, fiept, zischt, pfeift, rasselt, klappert, hechelt...

Das Haus ist ein offenes Wohn- und Schlafzimmer mitten im Regenwald. Es gibt keine Glasscheiben oder herkömmlichen Türen. Einzig ein paar Holzlamellen und ein Moskitonetz trennen uns von der Außenwelt.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird es laut. Es gurrt, fiept, zischt, pfeift, rasselt, klappert, hechelt, gluckst, surrt, krächzt, gurgelt. Unser Schlafplatz ist umlagert von Fröschen, Vögeln, Insekten, Affen. Manche Tiere scheinen direkt unter dem Bett zu sitzen. 

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Blick aus einem der 19 rustikalen Holzbungalows der „Selva Bananito Lodge“, die auf Pfählen im Urwald stehen. Red

Nach einer kurzen Nacht ziehen wir los, um Vögel zu beobachten. Manche sind nur mit dem Fernglas zu erkennen, andere lassen sich gut aus der Nähe betrachten. 

Mit Fischertukanen sehen wir die wohl bekanntesten Vögel Costa Ricas. Ihr Markenzeichen sind die farbenprächtigen Schnäbel – eine Mischung aus Erbsengrün, blassem Blau, Orange und Violettbraun. Über einem Bach sitzen zwei Kahnschnabelreiher auf einem Ast. Bewegungslos lauern sie auf Fische und kleine Krebse, um sie mit ihren breiten, schaufelartigen Schnäbeln blitzschnell aus dem Wasser zu schöpfen. Metallisch grün glänzende Kolibris schwirren um weinrote Blüten.

Später wandern wir tief in den Dschungel, wobei wir die ersten Kilometer zu Pferd zurücklegen. Der Ritt über morastige Wiesen und durch Stromschnellen ist ein Abenteuer für sich. Es folgt ein mehrstündiger Marsch durch Primärwälder, die sich über Jahrhunderte ohne menschliche Einflüsse entwickelt haben. 

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Ein Fischertukan, der wohl bekannteste Vogel Costa Ricas, mit seinem farbenprächtigen Schnabel. ICT

In Gummistiefeln waten wir durch Bäche und Modder, übersteigen umgestürzte Bäume und nehmen Trampelpfade, die unser Führer Yerry zuvor mit der Machete freigesäbelt hat. Er gehört zum indigenen Volk der Bribri. Die Naturmenschen leben bis heute unter einfachsten Bedingungen im Urwald, in Hütten ohne Strom, ohne Autos.

Ganz in der Nähe kam Christoph Kolumbus 1502 hier an

Wir gehen vorbei an verschlungenen Lianen, smaragdgrünen Palmwedeln, mächtigen Wurzelstöcken und Feigenbäumen, die in den Himmel ragen. Einige der Riesen standen vermutlich bereits, als Christoph Kolumbus 1502 hier ankam, nahe dem nur wenige Kilometer entfernten Puerto Limón. Weil er in dem Land große Schätze vermutete, nannte er es Costa Rica, auf Deutsch „reiche Küste“.

Wer Glück hat oder Pech, je nachdem, wie die Begegnung ausgeht, trifft bei solchen Wanderungen auf eine Bushmaster, eine hochgiftige Schlange, die sich gern im Unterholz des feuchtwarmen Dschungels aufhält. Auch Jaguare, Pumas und Ozelots streifen hier herum.

Wir selbst sehen heute handtellergroße Schildkröten, schwarz-grüne und rote Frösche, Schmetterlinge, Krabben, Streifenbasilisken, Tausendfüßer, Vogelspinnen, Affen und jede Menge Vögel. 

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Führer Yerry vom indigenen Volk der Bribri bereitet die Pferde für einen Ritt durch den Dschungel vor. Red

An wenigen Orten der Erde dürfte es so viele Tier- und Pflanzenarten wie hier geben. Dieses einzigartige Ökosystem zu schützen, hat sich Jürgen Stein, der Betreiber der „Selva Bananito Lodge“, zur Lebensaufgabe gemacht. 

Der aus einer deutschen Auswanderer-Familie stammende Stein wurde in Kolumbien geboren und zog 1974 im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern nach Costa Rica. Dort kaufte sein Vater 1400 Hektar Regenwald am Oberlauf des Bananito (Kleiner Bananenfluss), etwa die Hälfte davon durfte er bewirtschaften. Er tat das auf eine rücksichtslose, ausbeuterische Weise. Der Vater fällte Hunderte Bäume und verkaufte sie als Baumaterial, Edelhölzer exportierte er. 

Öko-Lodge tief im Dschungel hat bewegende Vorgeschichte

Die lukrativen Geschäfte brachten der Familie zwar Wohlstand. Doch die Methoden des Gelderwerbs ließen den jungen Jürgen Stein, der zwischenzeitlich Theaterwissenschaften und Tourismusmanagement studiert hatte, verzweifeln.

Er bat seinen Vater inständig, die kostbare Natur nicht weiter zu zerstören – „aus Respekt für die nächsten Generationen“. Der Vater gab daraufhin seinen Raubbau an der Umwelt auf.

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Bei einer Urwaldwanderung entdeckt man faszinierende Pflanzen und Tiere wie diesen grün-schwarzen Pfeilgiftfrosch. Red

Auf dem verschonten Fleckchen Erde errichtete Jürgen Stein ab 1994 seine Regenwald-Ranch. Für die Hütten verwendete er Holz, das Baumfäller zwar geschlagen, aber nicht verwendet hatten.

Die ersten Mahagoni- und Zedernstämme zog Stein mit Wasserbüffeln aus einem kilometerweit entfernten Abholzungsgebiet. Er zersägte sie zu Balken und Brettern, aus denen später die Bungalows entstanden. Ende 1995 empfingen Jürgen Stein und seine Schwester Sofia in ihrer Öko-Lodge die ersten Gäste. 

„Dieser Wald gehört jedem, der uns besucht“, sagt Jürgen Stein

Heute hüten die Geschwister ihr Eigentum – nach einem Landzukauf gehören ihnen jetzt 1700 Hektar Regenwald, eine Fläche von rund 2400 Fußballfeldern – wie einen Schatz. Wobei das Wort Eigentum nur im juristischen Sinn Geltung hat.

„Dieser Wald gehört jedem, der uns besucht“, sagt Jürgen Stein. Zu den Gästen zählen Öko- und Abenteuertouristen aus aller Welt, vorwiegend jedoch aus dem deutschsprachigen Raum. Sie suchen Entschleunigung, digitale Enthaltsamkeit, Nähe zur Natur und Outdoor-Erlebnisse abseits des Massentourismus.

„Unser Lebensstandard ist vielleicht nicht so hoch“, sagt Öko-Unternehmer Jürgen Stein, „dafür aber die Lebensqualität“.

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Blick aus dem Tragschrauber auf den tropischen Regenwald. Red

Gäste der „Selva Bananito Lodge“ können den ganzen Tag in der Hängematte baumeln und Bücher lesen – oder sich in wilde Abenteuer stürzen. Angeboten werden unter anderem Ausflüge zu Wasserfällen, Klettertouren auf Bäume und Übernachtungen im Dschungel.

Ebenfalls möglich und absolut zu empfehlen: ein Flug im Gyrokopter, auch Tragschrauber genannt. Ich selbst versuche es und vertraue dabei voll auf die Flugkünste von Jürgen Stein, der ein erfahrener Pilot ist. Er sitzt vorne, ich dahinter. Kopfhörer auf, kurzer Funkkontakt, Start.

Flug im Tragschrauber über den tropischen Regenwald

Eine halbe Stunde schweben wir hoch über dem tropischen Regenwald, der von oben aussieht wie ein sattgrünes Brokkoli-Feld mit winzigen Pfützen, die in Wahrheit Seen und Wasserfälle sind.

Auf den ersten Blick scheint alles intakt, alles gesund. Doch ab und zu zeigt Jürgen Stein mit dem ausgestreckten Arm auf kahle Stellen, an denen jemand illegal Bäume gefällt hat. Solche Beobachtungen gibt er regelmäßig den Umweltbehörden weiter, damit sie gegen die „Holzmafia“ vorgehen. Später wird er mir sagen, dass er bei der Holzlobby „nicht sehr beliebt“ ist.

Das Fotografieren in dem offenen Tragschrauber ist schwierig. Die starke Luftströmung droht mir, das Smartphone aus der Hand zu reißen. Mit der anderen muss ich mich festhalten, besonders dann, wenn wir steile Kurven fliegen oder eine Nebenwand durchbrechen.

Der Himmelsritt mag nichts für schwache Nerven sein. Ein unvergessliches Erlebnis ist er allemal. Die Flugkosten von 175 US-Dollar sind gut investiertes Geld – sowohl für Touristen als auch für Jürgen Stein.

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Der 61-jährige Deutsch-Kolumbianer Jürgen Stein, Betreiber der „Selva Bananito Lodge“, mit seiner Hündin Nina. Red

Denn ein Großteil der Einnahmen kommt letztlich einem höheren Ziel zugute: dem Schutz des Regenwalds. Dazu gehört nicht nur die nachhaltige Bewirtschaftung der Lodge, sondern auch die Zusammenarbeit mit lokalen Urwaldwächtern. Sie durchstreifen das Bioreservat, um Wilderer, Holzfäller und illegale Landbesetzer zu stoppen, pflegen Wanderwege und stellen Wildtierkameras auf. Die Wiederaufforstung mit einheimischen Bäumen gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Auch Gäste dürfen mit anpacken und bekommen dafür Preisnachlässe bei Ausflugsbuchungen.

„Unsere Wälder sind eine Lebensgarantie“

„Der Tourismus, den wir hier betreiben, hat in den letzten 30 Jahren viel Regenwald gerettet und das wichtigste direkte Wasserquellgebiet für 100.000 Menschen in der Region Limón geschützt“, ist Jürgen Stein überzeugt.

Während er im überdachten Restaurant der Lodge sitzt und seine Hündin Nina streichelt, fügt der leidenschaftliche Naturbewahrer hinzu: „Unsere Wälder sind eine Lebensgarantie.“ Der Vater von zwei kleinen Söhnen weiß, was er nachkommenden Generationen schuldet. „Wir sind hier im Paradies. Und wir wollen, dass es erhalten bleibt.“

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Kleine Rotaugenlaubfrösche am Teichrand. Red

Das würde wohl jeder Costa-Rica-Besucher unterschreiben. Aber nicht jeder mag in einer Dschungel-Finca wohnen, abgeschnitten vom Rest der Welt.

Viele zieht es in belebte, touristisch geprägte Orte direkt an der Küste. Puerto Viejo ist so ein Ort. Ein altes Fischerdorf nahe der Grenze zu Panama. Manche nennen es das „karibische Herz“ von Costa Rica. Hier findet man viele Restaurants, Bars, Shops, Boutiquen und Hotels aller Preisklassen.

Wir entscheiden uns für die „Namuwoki Lodge“ etwas außerhalb des Zentrums. Eine ruhige, sehr gepflegte Anlage abseits der Hauptstraße. Wenn möglich, sollte man eine der Villen am Rand des Resorts mieten. Auf zwei Etagen bieten sie viel Platz und einen traumhaften Blick ins Grüne. Selbst bei hartnäckigem Regen sitzt man gerne auf der Terrasse. Klimaanlage, Kühlschrank, Schreibtisch, zwei Bäder, zwei Schlafzimmer, ein Extraraum fürs Gepäck – gerade für Familien ideal.

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Traumhafte Strände und spektakuläre Küstenlandschaften findet man in Costa Rica viele. ICT

In der Gegend rund um Puerto Viejo gilt natürlich, vielleicht noch ein bisschen mehr als anderswo, das Motto „Pura Vida“. Alles entspannt. Alles locker. Bloß kein Stress. Man fährt gemütlich Fahrrad, hört Reggae-Musik und stört sich nicht daran, wenn jemand einen Joint raucht. 

Playa Cocles: Ein magischer Strand in Puerto Viejo

Die guten Vibes spürt man besonders an der Playa Cocles, ein magischer Strand etwa zwei Kilometer südlich des Ortskerns.

Junge Backpacker chillen hier neben gut gealterten Hippies, einheimische Familien neben Weltenbummlern. Manche spielen Volleyball, andere balancieren auf der Slackline oder trainieren ihre Muskeln. In einer Baumkrone macht es sich ein Faultier bequem und gibt damit die Devise des Tages vor: einfach abhängen.

Wir lassen uns an einer Beach-Bar nieder und beobachten Surfer auf der Jagd nach der höchsten Welle. Trotz des ungezähmten Ozeans, der sich stellenweise meterhoch auftürmt, weht am Strand ein seichter Wind. Neben uns sorgt ein DJ für coole Sounds. Die Füße im Sand, mit einem tadellosen Mojito in der Hand, schauen wir der Sonne beim Untergehen zu. Der Himmel nimmt die Farbe eines lodernden Feuers an.

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An der Playa Cocles nahe dem Küstenort Puerto Viejo tummeln sich Surfer, Backpacker, Einheimische und Touristen zum Chillen. Red

Andere Buchten in der Nähe sind weniger bevölkert, dafür wildromantisch und für Wanderungen gut geeignet. Unter Palmen, die sich schräg über das Wasser neigen, liegen Treibholz und Kokosnüsse. Baumstämme werden vom Salzwasser umspült. Angeschwemmtes Seegras hängt in den Ästen.

Ein besonderes Erlebnis ist die Playa Negra mit ihrem pechschwarzen Vulkansand. Auch wenn man zuckerweiße Strände bevorzugt, dieses Naturschauspiel sollte sich keiner entgehen lassen.

Küche mit kreolischen und karibischen Einflüssen

Das gilt auch für die Küche der Region, in der kreolische und karibische Einflüsse verschmelzen. Wir probieren mehrere Restaurants entlang der Küstenstraße aus, etwa das „Coral Reef“ und das „La Nena“, und werden nie enttäuscht. 

Ob Jumbo-Shrimps in scharfer Kokosmilch-Sauce für 29 Euro oder gegrillter Red Snapper mit Reis, Bohnen, Salat und frittierten Kochbananen (28 Euro) – alles ausgezeichnet. Im „Nanku“ serviert man uns ein fabelhaftes 300-Gramm-Rindersteak, das langsam über Holzkohle gegrillt wurde, dazu argentinisches Chimichurri und Pommes. Preis: 17,50 Euro, inklusive Blick aufs Meer. Auch die Vorspeisen, von handgemachten Empanadas bis hin zu würziger Guacamole, sind hervorragend.

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Wegen der hohen und zum Teil gefährlichen Wellen ist die Playa Cocles ein Paradies für Surfer aus aller Welt. Red

Nach einem Halbtagesausflug in den Cahuita Nationalpark, wo ein kilometerlanger Holzsteg durch einen versumpften Dschungel führt, in dem sich Nasenbären, Lanzenottern und Pfeilgiftfrösche tummeln, verlassen wir Puerto Viejo. Unser stets aufmerksamer und faktensicherer Reiseführer Mayer (der Vater gab ihm den Vornamen aus Begeisterung über den deutschen Fußballtorwart Sepp Maier) bringt uns im Kleinbus sicher in die Hauptstadt San José. 

Typisch für Costa Rica, aber teuer: Kaffee und Schokolade

Hier verbringen wir den letzten Tag unserer aufregenden Reise. Zusätzlich zu den kleinen Souvenirs, die wir unterwegs erstanden haben, wollen wir noch ein paar Sachen kaufen, die typisch für Costa Rica sind. Kaffee etwa und Schokolade, die in dem Land hergestellt werden.

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In einer Baumkrone macht es sich ein Faultier bequem und gibt damit die Devise des Tages vor: einfach abhängen. Red

Wir nehmen an, dass die Preise in einem normalen Markt günstiger sind als in Touristenläden an der Karibikküste. Doch in einer „Megasuper“-Filiale werden wir eines Besseren belehrt. 300 Gramm gemahlener Arabica-Kaffee in Premiumqualität kosten hier 16 Euro. Für eine 85-Gramm-Tafel dunkle Schokolade mit einem Kakaoanteil von 85 Prozent müssen wir 8,50 Euro hinlegen. 

Obwohl die Preise im Vergleich zu Deutschland hoch sind, nehmen wir gern ein paar Packungen mit. Es heißt, sowohl Kaffee als auch Schokolade aus Costa Rica seien weltweit einzigartig. 

Sechs Tage reichen nicht: Wir kommen wieder

Damit stehen die beiden Produkte in gewisser Weise für das ganze Land. Mit seinen wunderschönen Naturreservaten – über ein Viertel der Landesfläche steht unter Schutz – und der unglaublichen Biodiversität ist der zentralamerikanische Staat eine Art „grünes Herz“. Das Land zu besuchen, lohnt sich. Allerdings sollte man sich mehr Zeit nehmen als sechs Tage. 

Für uns bedeutet das: Wir kommen wieder.

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Eine Verkäuferin auf einer Hauptstraße in Costa Ricas Hauptstadt San José. Red

Transparenzhinweis: Die Teilnahme an der Reise wurde durch den Veranstalter und die Tourismusbehörde unterstützt, was jedoch keinerlei Einfluss auf die freie redaktionelle Berichterstattung hatte.

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