In Braunwald endet der klassische Skibetrieb. Unzuverlässige Schneemengen und finanzielle Schwierigkeiten führten zu der Entscheidung.
In Braunwald endet der klassische Skibetrieb. Unzuverlässige Schneemengen und finanzielle Schwierigkeiten führten zu der Entscheidung.
Im autofreien Bergdorf Braunwald im Schweizer Kanton Glarus stehen ab dem kommenden Winter alle vier Skilifte still. Auch die Pisten werden nicht mehr präpariert, wie das SRF berichtet. Der reguläre Skibetrieb ist damit Geschichte. Nach einer vierstündigen Generalversammlung setzte sich der Verwaltungsrat der Sportbahnen Braunwald AG (SBAG) mit 52 Prozent der Aktienstimmen durch. Viele Kleinaktionäre stellten sich gegen den Kurs. Doch auch der Antrag auf eine Sonderuntersuchung fand keine Mehrheit.
Der Verwaltungsrat nennt zwei Hauptgründe für den Schritt: fehlende Wirtschaftlichkeit und immer unsicherere Schneeverhältnisse. Zu wenig Schnee schreckt nach Darstellung der SBAG Gäste ab und verschärft die finanziellen Probleme. Das Defizit lag zuletzt ohnehin bei 1,6 Millionen Franken, also rund 1,7 Millionen Euro, wie der Schweizer Rundfunk berichtet. Nur ein zusätzlicher Kredit von vier Millionen Franken (rund 4,26 Millionen Euro) bewahrte die Sportbahnen vor dem Konkurs, und auch in früheren Jahren schrieb das Unternehmen hohe Verluste.
Die Entscheidung stützt sich zudem auf Daten der Schweizer Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), schreibt das SRF. Die Fachleute erwarten langfristig geringere Schneemengen sowie weniger Tage mit geschlossener Schneedecke, was den klassischen Skitourismus an tieferen Gebirgslagen erschwert.
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Rund 6000 Unterzeichner forderten in einem offenen Brief, Gewerbetreiber, Bewohner, Ferienhausbesitzer und Gäste stärker einzubeziehen. Sie warnen vor existenzbedrohenden Folgen für die lokalen Betriebe. Die Unterzeichner stellten den Schneemangel als Hauptursache infrage und sehen vor allem steigende Personal- und Betriebskosten als Problem. Sie fürchten, dass die Aufgabe der Skipisten die Attraktivität Braunwalds als Wintersport-Dorf deutlich schwächen könnte.
Ganz ohne Wintersport-Optionen bleibt Braunwald jedoch nicht: Die Gondelbahn bleibt in Betrieb, und der Fokus soll künftig stärker auf Angeboten wie dem Schlittenfahren liegen. Auch wird nach Angaben des SRF diskutiert, ob zumindest ein Lift übernommen werden könnte. Eine Kleinaktionärin äußerte gegenüber SRF ihre Enttäuschung: „Ich bin desillusioniert und wütend, dass der Verwaltungsrat dermaßen klar über unsere Ansprüche und Wünsche hinweggegangen ist.“ Der Verwaltungsrat betonte, die Entscheidung sei nicht leichtfertig getroffen worden.
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Das Aus der Skilifte muss für Braunwald nicht das Ende des Wintertourismus bedeuten: Laut der SLF-Studie schätzten Gäste schon 2007 vor allem die Autofreiheit, die Landschaft und die gute Erreichbarkeit. Im Winter spielten zudem Familienfreundlichkeit und vorhandene Unterkünfte eine wichtige Rolle. Rund 44 Prozent der Gäste reisten mit dem Zug an.
Das legt nahe, Braunwald stärker als ruhiges Familien- und Naturziel zu verstehen. Der SLF-Studie zufolge reisten nur 1,6 Prozent der Wintergäste hauptsächlich wegen des Skigebiets an. In der Hauptsaison nannten allerdings immerhin acht Prozent das Skifahren als wichtigsten und elf Prozent als zweitwichtigsten Anreisegrund. 80 Prozent der befragten Gäste waren auch im Sommer schon dort.