Gladbach steckt tief in der Krise. Doch der Absturz hat mehr Gründe als den entlassenen Trainer Eugen Polanski: Kader, Führung und Identität geben Anlass zur Sorge.
Gladbach steckt tief in der Krise. Doch der Absturz hat mehr Gründe als den entlassenen Trainer Eugen Polanski: Kader, Führung und Identität geben Anlass zur Sorge.
Was Max Eberl von den neuesten Fohlen-Kapriolen hält, ist nicht überliefert. Es tut ehrlich gesagt auch nichts zur Sache. Und doch dürfte es den Sportvorstand des FC Bayern mit glorreicher Gladbacher Vergangenheit schmerzen, was bei seinem früheren Herzensklub so vor sich geht, seit er nicht mehr am Ruder ist.
Die Lage ist ernst am Niederrhein, Sorgen sind angebracht. Dies aber allein auf die Personalie des Trainers Eugen Polanski, der am Sonntag zwar früh in der Saison, aber aus leistungssportlicher Sicht viel zu spät entlassen wurde, herunterzubrechen, ist dabei zu kurz gedacht. Die Probleme sitzen weitaus tiefer.
Im Grunde ist die aktuelle Momentaufnahme nur eine logische Konsequenz einer Abwärtsspirale, die praktisch mit Eberls Abgang Anfang 2022 einsetzte. Mit Daniel Farke, Gerardo Seoane oder nun Polanski wurden Trainer installiert, die allesamt sicherlich mit Bedacht gewählt wurden - aber unterm Strich nicht zündeten.
Noch verheerender ist der Blick auf den aktuellen Kader, der mit seinen zehn Neuzugängen (von denen keiner bislang eine tragende Rolle spielt) nicht austariert und nur bedingt bundesligatauglich wirkt.
Spieler wie die Klub-Ikonen Marco Reus, Granit Xhaka oder Christoph Kramer, wie Lars Stindl, Matthias Ginter oder Marc-André ter Stegen - Profis, die den Verein mit ihrer Qualität, ihrer Aura und ihrem Charisma jahrelang prägten - sucht man im aktuellen Gebilde vergeblich.
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Noch vor sechs Jahren spielte die Borussia in der Champions League, die Gladbacher Realität anno 2026 ist trist und grau.
Kapitän Tim Kleindienst, der für die Rolle des Anführers der neuen Mannschaft eigentlich vorgesehen war, trat seit seiner Rückkehr vor allem mit zwei Dingen in Erscheinung: einer harschen Kollegen-Schelte und einem Platzverweis.
Und so rückt in der aktuellen Gemengelage fast zwangsläufig Sportvorstand Rouven Schröder in den Fokus. Seine Aufgabe ist es, einen Trainer mit Qualität zu finden. Einen mit Aura und Charisma, der die Gladbacher aus ihrer aktuellen Krise holt und ihnen mittelfristig wieder zu einer Identität verhilft.
Liegt Schröder, der für die aktuelle Personalpolitik verantwortlich ist und Polanskis Vertrag ohne Not vorzeitig bis 2028 verlängerte, mit seiner Wahl daneben, dürfte es auch für ihn ungemütlich werden.
Von Pit Gottschalk
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