Angst vor Gesprächen, Telefonaten oder öffentlichen Auftritten: Eine soziale Phobie kann viele Formen annehmen. Farryn Stock erzählt, wie sie ihren Alltag zurückgewonnen hat.
Angst vor Gesprächen, Telefonaten oder öffentlichen Auftritten: Eine soziale Phobie kann viele Formen annehmen. Farryn Stock erzählt, wie sie ihren Alltag zurückgewonnen hat.
Wer kennt sie nicht, die klassischen Vorstellungsrunden? Einen persönlichen oder möglichst spannenden Fakt über sich zu erzählen – und das vor einer Gruppe fremder Menschen. Für viele ist das unangenehm. Für Farryn Stock, die lange Zeit mit einer sozialen Angststörung lebte, ein Albtraum. Dennoch hat sie die Vorstellungsrunde an ihrem ersten Tag an der Universität gemeistert. Geholfen haben ihr dabei unter anderem einfache Fragen.
„Mich zu fragen: ,Und dann?‘ ließ mich erkennen, dass ich, selbst wenn dies der peinlichste Tag meines Lebens wäre, einfach am Ende nach Hause gehen und nie wieder zurückkehren könnte. Lustigerweise war es nicht der peinlichste Tag meines Lebens.“
Im britischen Nachrichtenportal „The Guardian“ schreibt Farryn über ihr Leben mit einer sozialen Angststörung und wie eine Therapie ihr geholfen hat.
Schon während ihrer Schulzeit raubte ihr der Gedanke an den ersten Schultag nach den Sommerferien wochenlang den Schlaf. In ihrer Freundesgruppe hielt sie sich oft im Hintergrund und suchte den Schutz ihrer selbstbewussteren Zwillingsschwester.
„Die Angst, mich in Gesellschaft zu blamieren, wurde immer stärker. Sie überschattete meinen Wunsch, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Deshalb zog ich mich oft zurück.“
Irgendwann konnte es so nicht weitergehen. Ihre Mutter suchte deshalb eine Therapeutin, mit der Farryn über ihre Ängste sprechen konnte. Nach der Therapie stand sie vor der Herausforderung, das Gelernte im Alltag anzuwenden.
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Als sie sich wieder einmal in ihren Gedanken verstrickte und ihre Bedenken äußerte, fragte die Therapeutin:
Zwei Fragen, die fortan das Leben von Farryn verändern sollten. Sie halfen ihr, angstauslösende Situationen Schritt für Schritt zu bewältigen. So schaffte sie ihren ersten Tag an der Universität, das erste Date mit ihrem heutigen Freund und einen Umzug ans andere Ende der Welt nach Australien.
Andreas Ströhle ist leitender Oberarzt an der Berliner Charité und Spezialambulanz für Angsterkrankungen. Im Interview mit der AOK erklärt er, wie sich eine soziale Phobie äußern kann:
„Menschen mit einer sozialen Phobie haben in sozialen Situationen oder in Leistungssituationen ausgeprägte Ängste. Diese können von körperlichen oder psychischen Symptomen begleitet werden, etwa von beschleunigtem Puls, Atemnot und Schwitzen.“
Die Erkrankung kann den Alltag erheblich einschränken. Ströhle zufolge sei dabei nicht nur die Angst selbst problematisch:
„Häufig ist neben der Symptomatik der Angsterkrankung die Vermeidung der angstauslösenden Situationen das eigentliche Problem. Dieses Vermeidungsverhalten kann die Betroffenen beeinträchtigen.“
Der Verein Deutsche Angst-Hilfe weist darauf hin, dass soziale Phobien sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Nicht jede betroffene Person fürchte sich vor denselben Situationen. Manche empfänden es vor allem als belastend, beobachtet zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen. Für andere seien direkte Kontaktsituationen besonders angstauslösend.
Zu typischen Situationen, die bei Betroffenen Ängste auslösen können, gehören unter anderem:
Für Angsterkrankungen sind Psychotherapie und/oder medikamentöse Behandlung die am besten untersuchten und auch die wirksamsten Therapieverfahren. In der Praxis können beide Therapieformen kombiniert werden.
Die Kognitive Verhaltenstherapie ist als Psychotherapieverfahren die erste Wahl bei Angsterkrankungen. Durch sie lernen die Patienten und Patientinnen, besser mit ihrer Angst umzugehen. Das verbessert in vielen Fällen dauerhaft die Symptome.
Die Pharmakotherapie, vor allem die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva, wirkt schneller als die Psychotherapie und ist manchmal aufgrund der ausgelasteten psychotherapeutischen Versorgungsstruktur die einzig schnell verfügbare Therapie. Beruhigungsmittel sollten hingegen vermieden werden, da diese ein hohes Abhängigkeitspotential aufweisen können.
Speziell für die Behandlung der Generalisierten Angststörung hat sich die Metakognitive Therapie als sehr wirksam erwiesen. Betroffene lernen hierbei, darüber nachzudenken, wie sie über ihre Gedanken nachdenken – und Methoden, wie sie aus einer Grübel-Spirale herauskommen.
Körperliche Aktivitäten und Sport helfen, Angsterkrankungen vorzubeugen und zu behandeln. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass schon einzelne sportliche Trainingseinheiten angstlösend wirken und Angstanfälle abschwächen – auch bei Patienten und Patientinnen mit einer Panikstörung.