Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Laut der Psychologie ist die seltenste mentale Stärke die Fähigkeit, Unsicherheit zu akzeptieren

Дата публикации: 17-09-2026 17:50:00

Die seltenste Form mentaler Stärke ist das Aushalten von Unsicherheit. Doch kaum jemand kann das. Wie wir lernen, innerlich stabil zu bleiben.


Основное содержимое страницы с новостью.

Die seltenste Form mentaler Stärke ist das Aushalten von Unsicherheit. Doch kaum jemand besitzt diese psychologische Superkraft. Wie wir lernen, innerlich stabil zu bleiben.

Es gibt eine Szene, die sich jeden Tag millionenfach abspielt: Ein Mensch sitzt allein am Küchentisch, vor sich eine Entscheidung – vielleicht klein, vielleicht lebensverändernd. Noch bevor der Gedanke ganz zu Ende gedacht ist, wandert die Hand wie von selbst zum Smartphone. Eine Nachricht wird geschrieben, eine Suchanfrage formuliert, ein Feed geöffnet. Das Unbehagen wird übertönt, bevor es überhaupt eine Stimme bekommt.

Was hier verloren geht, ist nicht nur ein Moment der Stille. Es ist eine Fähigkeit – eine, die einst selbstverständlich war und heute fast exotisch wirkt: die Fähigkeit, mit Unsicherheit zu leben.

Stefan Woinoff ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in München. Er begleitet Menschen in Einzel-, Paar- und Gruppentherapien. 

Die Intoleranz gegen Unsicherheit wächst

Die These klingt zunächst zugespitzt: Ist es wirklich so ungewöhnlich geworden, Unsicherheit auszuhalten? Schließlich waren Menschen schon immer mit Ungewissheit konfrontiert – mit Krankheit, Tod, politischen Umbrüchen, persönlichen Krisen.

Und doch hat sich etwas verschoben.

Frühere Generationen lebten objektiv mit mehr Unsicherheit, aber subjektiv mit weniger Kontroll-Illusion. Heute hingegen leben wir in einer Welt, die permanent suggeriert: "Für alles gibt es eine Antwort. Und zwar sofort." Diese Verfügbarkeit erzeugt einen paradoxen Effekt: Nicht die Unsicherheit selbst ist gewachsen – sondern unsere Intoleranz gegenüber ihr.

Die Fähigkeit, mit Unsicherheit zu leben, umfasst dabei mehrere Ebenen:

ANZEIGE

ANZEIGE

  1. Emotional: das Aushalten von Unruhe, Angst, Spannung
  2. Kognitiv: das Akzeptieren von Mehrdeutigkeit, offenen Fragen
  3. Handlungsbezogen: Entscheidungen treffen, obwohl nicht alle Informationen vorliegen
  4. Existenziell: das Anerkennen, dass Leben grundsätzlich unvorhersehbar ist

Es geht also nicht um passives Erdulden, sondern um eine aktive Form innerer Stabilität: "Ich weiß nicht – und ich kann trotzdem bei mir bleiben".

Den Umgang mit Unsicherheit wieder lernen

Die gute Nachricht: Die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, ist nicht verloren. Sie ist nur ungeübt.

Und wie jeder Muskel lässt sie sich trainieren.

1. Die 60-Sekunden-Regel

Bleiben Sie bewusst eine Minute bei einem unangenehmen Gedanken – ohne Ablenkung. Das klingt trivial, ist aber für viele bereits eine Herausforderung.

2. Verzögerung statt Vermeidung

Wenn der Impuls kommt, sofort zu googeln oder jemanden zu fragen: Sarten Sie. Zwei Minuten. Fünf Minuten. Einen Tag.

Sie trainieren damit Ihre Frustrationstoleranz.

3. Körperliche Verankerung

Unsicherheit ist nicht nur ein Gedanke, sondern ein Körperzustand.

Fragen Sie sich: Wo spüre ich das? Brust? Bauch? Kehle?

Atmen Sie dorthin. Das reduziert die Reaktivität.

4. Entscheidungsfasten

Treffen Sie kleine Entscheidungen bewusst ohne externe Hilfe: Was esse ich? Was ziehe ich an? Welchen Weg nehme ich?

Das stärkt die Selbstwirksamkeit.

5. Digitale Inseln schaffen

Regelmäßige Zeiten ohne Smartphone sind kein Luxus, sondern mentales Training.

Ohne Ablenkung taucht Unsicherheit auf – und genau das ist die Übung.

6. Ungewissheit reframen

Verändern Sie die Weise, wie Sie Unsicherheit wahrnehmen. Framen Sie "Ich weiß nicht, was ich tun soll" hin zu "Ich bin in einem offenen Prozess."

Das verändert die emotionale Qualität sofort.

Digitale Technologien sind dabei nicht "schuld", aber sie verstärken eine Tendenz: die sofortige Regulation von Unbehagen. Jede Unsicherheit kann binnen Sekunden beantwortet, überlagert oder betäubt werden.

Drei Mechanismen sind besonders wirksam:

  1. Permanente Verfügbarkeit von Antworten: Früher bedeutete eine Frage oft: warten, nachdenken, aushalten. Heute bedeutet sie: googeln. Dadurch verkümmert die Fähigkeit, im Nichtwissen zu verweilen.
  2. Soziale Rückversicherung in Echtzeit: Was denke ich? Was fühle ich? Was soll ich tun? Diese Fragen werden zunehmend externalisiert. Statt innerer Klärung tritt kollektive Resonanz: "Was sagen die anderen?"
  3. Mikro-Ablenkung als Standardreaktion: Jeder kleine Anflug von Unruhe wird sofort reguliert: durch Scrollen, Klicken, Konsumieren. Das Gehirn lernt: Unbehagen ist ein Zustand, den man sofort beenden muss.

So entsteht eine Art psychischer Reflex: Unsicherheit führt zu Ablenkung.

Und wie bei jedem Reflex gilt: Was nicht geübt wird, verkümmert.

Unsicherheit nicht mehr auszuhalten, hat Folgen

Die Konsequenzen sind subtil, aber tiefgreifend.

1. Verlust von Selbstvertrauen

Wer ständig externe Orientierung sucht, verliert den Zugang zur eigenen inneren Stimme. Entscheidungen fühlen sich dann nicht mehr wie Ausdruck der eigenen Person an, sondern wie das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses.

2. Zunahme von Angst und Grübeln

Ironischerweise führt die Vermeidung von Unsicherheit zu mehr Unsicherheit. Studien zeigen, dass eine geringe Intoleranz gegenüber Unsicherheit mit erhöhten Angstwerten, Grübelneigung und sogar depressiven Symptomen korreliert.

  • Eine Untersuchung im "Journal of Behavioral Medicine" fand beispielsweise, dass Menschen mit niedriger Unsicherheitstoleranz stärker zu verzerrten Risikoeinschätzungen neigen.
  • Auch Forschung aus dem "Journal of Business Research" weist darauf hin, dass Unsicherheitsintoleranz zu defensiveren und schlechteren Entscheidungen führt.

3. Entscheidungsunfähigkeit

Wer die "perfekte" Entscheidung sucht, trifft oft gar keine mehr. Oder nur unter massivem inneren Druck.

4. Abhängigkeit von äußeren Systemen

Algorithmen, Bewertungen, Trends – sie übernehmen zunehmend die Rolle innerer Orientierung. Was als Komfort beginnt, endet als Entmündigung.

Alte Weisheit: Sokrates und "Panta rei"

Dabei ist die Einsicht in die Unverfügbarkeit des Lebens alles andere als neu. Sokrates formulierte einen der radikalsten Sätze der Philosophiegeschichte:

Ich weiß, dass ich nicht weiß.

Dieser Satz ist keine Kapitulation, sondern eine Haltung. Er bedeutet: Ich erkenne die Grenzen meines Wissens an – und genau darin liegt meine Freiheit.

Ähnlich drückt es das altgriechische "Panta rei" aus – "alles fließt". Nichts bleibt, nichts ist endgültig fixierbar. Der Versuch, absolute Sicherheit zu gewinnen, ist daher nicht nur vergeblich, sondern ein Kampf gegen die Natur der Wirklichkeit selbst.

Diese Perspektive entlastet: Unsicherheit ist kein Fehler im System. Sie ist das System.

Stefan Woinoff

Stefan Woinoff ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in München. Stefan Woinoff

Stefan Woinoff ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Beziehungsexperte von www.50plus-Treff.de. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle. 

Mein therapeutisches Bild dazu

In meiner therapeutischen Arbeit zeigt sich Unsicherheit oft in zugespitzter Form. Patientinnen und Patienten beschreiben ein Gefühl von Kontrollverlust, von innerem Strudeln, von drohendem Untergehen.

Dann versuche ich, meinen Patientinnen und Patienten mit einem Bild weiterzuhelfen, das mehr sagt als jede Theorie:

Es wirkt, als ob Sie in einen Fluss gefallen sind und jetzt verzweifelt nach einem Ast oder einem Holzstück suchen, um sich festzuhalten, um nicht unterzugehen.

Aber Sie haben vergessen, dass Sie schwimmen können.

Fangen Sie einfach mit ruhigen Schwimmbewegungen an. Das wird Ihnen Sicherheit geben.

Dieses Bild verschiebt den Fokus fundamental. Nicht das Festhalten rettet – sondern die eigene Bewegung im Ungewissen.

Eine leise Kompetenz in einer lauten Welt

Die Fähigkeit, mit Unsicherheit zu leben, ist vielleicht nicht völlig verschwunden – aber sie ist fragil geworden. Eine leise, selten genutzte Kompetenz in einer lauten, sofort reagierenden Welt.

Sie zurückzugewinnen bedeutet nicht, auf Antworten zu verzichten. Sondern die Fähigkeit zu entwickeln, auch ohne sie nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Oder, um es in der Tradition von Sokrates zu sagen:

Nicht das Wissen macht uns frei – sondern die Gelassenheit, nicht alles wissen zu müssen.

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1Psychologie des Staunens: Wieso es Stress reduziert und soziale Verbundenheit stärkt08.6702-09-2026
2Selbstbewusst entscheiden bedeutet nicht, hundertprozentig sicher zu sein, sondern trotz einer gewissen Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.08.2630-09-2026
3Farryn litt an sozialer Phobie: „Mein Weg aus der Angst begann mit 2 Fragen“010.9305-10-2026
4Frage mit Gegenfrage beantworten: Die Psychologie dahinter05.107-10-2026
5Как сохранить внутреннюю силу08.5913-03-2026
6Could floating in a tank help wash away anxiety — without any drugs?01030-09-2026
7Angst vs. Kreativität - "Ich hatte wahnsinnige Angst, auf die Bühne zu gehen"08.9219-04-2026
8Fliegen ohne Furcht: So kann man Flugangst überwinden012.4119-08-2026
9Être audacieux active une région très spécifique de notre cerveau06.2921-09-2026
10Психологическая броня: как оставаться стрессоустойчивым, если сроки горят08.7102-10-2026

Классификация: . Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 5.95. Источник: rss.focus.de.