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„Du hast den fucking Krebs überlebt. Mach was aus deinem Leben”, sagte sich John (26) und radelte 8000 Kilometer von Berlin bis nach Indien.

Дата публикации: 24-08-2026 09:02:00

Eine Zerrung? Vielleicht eine Prellung, dachte John W. Müller. Es war Krebs. Es folgten zehn Monate Krankenhaus, 14 Chemotherapien. „Es war die Hölle“, erinnert sich der 26-Jährige, der nun 8000 Kilometer von Berlin zum Taj Mahal radelte und unterwegs junge Krebspatienten besuchte.

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Eine Zerrung? Vielleicht eine Prellung, dachte John W. Müller. Es war Krebs. Es folgten zehn Monate Krankenhaus, 14 Chemotherapien. „Es war die Hölle“, erinnert sich der 26-Jährige, der nun 8000 Kilometer von Berlin zum Taj Mahal radelte und unterwegs junge Krebspatienten besuchte.

Nachdem zwei seiner Mitpatienten verstorben waren, hatte er sich zuvor etwas geschworen: „John, Du hast diesen fucking Krebs überlebt. Mach was aus deinem Leben!“ Er zog also trotzdem durch, weil er für viele Menschen ein Vorbild ist. An eine Situation erinnert sich der neue Ultra-Biker besonders. Eine Mutter eines verstorbenen Kindes sagte zu ihm: „John. Ich sehe mein Kind in dir! Bitte mache immer weiter.“ Und das macht er. John macht immer weiter, weil Krebs nicht das Ende sein muss, sagt er in diesem berührenden und bewegenden Gespräch.

FOCUS online: Herr Müller, Ihr Opa war Alkoholiker, ebenso der Papa. Wie kam es dazu, dass Sie nie einen Tropfen Alkohol angerührt haben, sondern immer nur Sport machten?

John W. Müller: Ich muss vielleicht dazu sagen, dass meine Mama aus der Ukraine kommt und sie kein Wort Deutsch konnte, als sie hierher kam. Im Allgäu hatte sie meinen Vater kennengelernt – und sich bald wieder von ihm getrennt. Meine Mama war daher, seit ich denken kann, immer schon eine große Kämpferin, ich ein kleiner Kämpfer. Als ich zehn Jahre alt war, starb mein Papa. Ich habe also zehn Jahre mit ansehen müssen, wie ich nicht werden wollte.

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Wie kann man als Vater aber seinen Sohn allein lassen?

Müller: Mein Vater war ein herzensguter Mensch. An ihm konnte man jedoch genau sehen, was Alkohol mit einem Menschen macht. Alkohol – und auch alle anderen Drogen – machen Menschen kaputt. In den Jahren, als er noch gelebt hat, hatte ich immer das Gefühl, dass ich meine Mama und mich vor Drogen schützen muss. Mein Papa war trotzdem ein Guter.

Wie kam es aber zum Sport?

Müller: Ich suche seit jeher die Abenteuer auf dieser Welt. Mit 15 habe ich mein Rad genommen und bin von hier, also von Kempten aus, einmal um den Bodensee gefahren. Ganz ohne Plan. Und auch ganz ohne Kondition (lacht). 400 Kilometer waren es. Ich habe aber gesehen, dass es geht, wenn man es nur will. Und ich wollte es. Ein Jahr später hat meine Mama das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling gelesen. Stundenlang hat sie mir danach erzählt, wie großartig der Jakobsweg doch sei. Okay, dachte ich. Dann mache ich das auch! Meine Mutti war dagegen. Ich hätte kein Geld und keine Ahnung, sagte sie.

Und?

Müller: Natürlich lief ich einmal quer durch Spanien (lacht). Zusammen mit meinem besten Freund, dem Sven, bin ich 700 Kilometer durch die Sonne gelatscht. Mir hat das alles so gefallen. In den Jahren danach habe ich, weil ich mit 18 nach Ecuador zog, erst den Cotopaxi bestiegen. Das ist mit 5897 Meter einer der höchsten aktiven Vulkane auf diesem Planeten. Anschließend bin ich auf den Mont Blanc gekraxelt, den höchsten Berg der Alpen. Mein Leben war perfekt. Dann bekam ich noch eine Zusage für ein Praktikum im Büro des Vorstandsvorsitzenden von Mercedes-Benz. Wie großartig! Vorher bin ich noch in den Wanderurlaub nach Schweden geflogen. Ich fühlte mich wie in einem Traum…

…der zum Albtraum wurde.

Müller: Es war der letzte Abend vor dem Abflug zurück nach Deutschland. Ich lag im Schlafsack, hatte plötzlich an meiner linken Seite unfassbare Schmerzen. Wie kann das sein? Ich hatte keinen Sturz, keinen Unfall, nichts. Wahrscheinlich eine Zerrung, dachte ich mir. Es wurde in der Nacht nicht besser, weswegen ich mich noch vor dem Abflug ins Krankenhaus aufmachte. Es war die Hölle. Draußen schneite es wie verrückt, ich hatte unfassbare Schmerzen, kroch auf allen Vieren zum Eingang. Und weil ich diesen in meiner Verzweiflung nicht fand, heulte ich wie ein kleines Kind. Im Spital untersuchten sie mich, fanden aber nichts. Sie stopften mich deshalb mit Schmerzmitteln voll, setzten mich dann in den Flieger. Im Nachhinein hatte ich durch die Brutalo-Schmerzen großes Glück.

Das verstehe ich nicht.

Müller: Der Tumor war binnen kürzester Zeit so stark gewachsen, dass er wie verrückt auf die Nerven meiner Rippen drückte, so höllische Schmerzen verursachte. Das fand der Oberarzt des Klinikums in Stuttgart heraus. Warum es mein Glück war? Wäre er klamm und heimlich gewachsen, hätte ich es möglicherweise gar nicht bemerkt, wäre tot umgefallen. Nach dem Untersuchungs-Marathon stand jedoch schnell fest, dass ich an einer sehr seltenen Krebsart erkrankt bin, dem Ewing-Sarkom. Eine Welt brach zusammen. Denn: Ich ernährte mich wie immer gesund, machte viel Sport. Und jetzt Krebs? Ich? Nur ein Prozent aller Krebsarten, so erklärten mir die Ärzte, sind Sarkome. Und von diesen bekommen 25 Menschen im Jahr in Deutschland die Diagnose Ewing-Sarkom. Ich war am Ende.

John W. Müller.

John W. Müller und sein kleiner Bruder. John W. Müller

Gab es keine positiven Nachrichten der behandelnden Ärzte?

Müller: Mein Zimmernachbar, der Mehmet, hatte Hodenkrebs. Ich lernte ihn kennen, da hatte er gerade drei Chemotherapien hinter sich und war am Boden zerstört. Zu mir sagten sie, dass ich mindestens 14 Chemotherapien brauchen würde, es würde doch ziemlich hart werden. Also fror ich erst meine Spermien ein, ging dann am nächsten Tag ins Spital. Es wurde alles schlimmer. Gleich nach der ersten Infusion war meine ganze Vene schwarz.

Warum wurden Sie nicht gleich operiert?

Müller: Weil sonst der Tumor explodiert wäre und er sich in meinem ganzen Körper verteilt hätte. Die Ärzte wollten ihn kontinuierlich vernichten. Als sie mir dann später zwei Rippen und den Tumor entfernten, war er immer zu 42 Prozent lebendig. Vielleicht zur Erklärung: Bei einer Chemotherapie werden unfassbar starke Medikamente gegen den Krebs verwendet. Diese Wirkstoffe greifen sowohl den Stoffwechsel als auch das Erbgut von Zellen an, um so die unkontrollierte Zellteilung von Krebszellen zu stoppen und die Zellen abzutöten. Das war bei mir anscheinend immer noch zu wenig.

Wie meinen Sie das?

Müller: Ich wurde auch noch jeden Tag bestrahlt. In der Zeit konnte ich nichts essen. Ich war es gewohnt, dass ich bei meinen langen Sporteinheiten Zucker zu mir nahm. In der Zeit konnte ich weder mein geliebtes Schokomüsli essen noch einen leckeren Milchkaffee trinken. Zucker war während der Chemotherapiezyklen für mich im Mund wie die schärfste Peperoni auf dieser Welt. Alles hat gebrannt wie Feuer.

Hört sich schrecklich an.

Müller: Das klingt jetzt ein wenig eklig, war halt so. Ich konnte – wie die meisten Krebspatienten – auch nicht richtig auf die Toilette gehen. Und wenn, dann war das mit höllischen Schmerzen verbunden. Heute ist hingegen ein Toilettengang mit dem Telefon in der Hand oder einer Zeitung ein wahrer Genuss! Sie können sich das nicht vorstellen. Ich war einmal nur normal pinkeln. Diese fünf Meter vom Bett aus haben mich so an meine Grenzen gebracht, dass ich auf dem Rückweg ohnmächtig wurde. Ein Jahr zuvor bin ich noch auf dem Mont Blanc marschiert. So schnell geht's.

Wie geht es Ihnen heute?

Müller: Heute bin ich frei von Krebszellen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass, wenn er wieder zurückkommen sollte, ich es wahrscheinlich nicht überleben werde. Mein Körper musste schon so viel mitmachen, ein zweites Mal würde er es nicht schaffen. Das Schöne aber ist, dass meine Geschmacksnerven zurück sind, weil ich nicht immer von der Chemo so einen Metallgeschmack im Mund habe. Und dass meine Haare zurück sind. Ich schaue in den Spiegel und erkenne mich wieder. Einerseits. Andererseits ist die Sache auch traurig.

Wie meinen Sie das?

Müller: Ich habe eine supernette Ärztin in Stuttgart ein paar Monate später besucht und wollte von ihr wissen, wie es meinen Mitpatienten Tobias und Lukas geht. „Das weißt du nicht?“, fragte sie zurück. Nein, entgegnete ich ihr. „Beide leben nicht mehr“, sagte sie. Ich fragte mich: „Warum bin ich aber noch am Leben, die beiden aber nicht?“. In diesem Moment war mir klar: „John, du hast diesen fucking Krebs überlebt. Mache was aus deinem Leben!“. Also habe ich einfach meinen Traum gelebt. Und nicht wie andere – und das soll bitte nicht als Kritik verstanden werden – den anderen erklärt, was sie irgendwann mal machen wollen. Konjunktive sind nicht das Leben! Denn: Dieses irgendwann tritt bei den meisten nicht ein. Deswegen kann ich jeden nur ermutigen, seine Träume zu leben. Und zwar heute! Nicht irgendwann!

Sie fuhren nun 100 Tage mit dem Rad von der Bundeshauptstadt Berlin ins indische Taj Mahal. 8000 Kilometer am Stück. Warum mit dem Fahrrad?

Müller: Weil man mit dem Fahrrad von der Welt viel mehr und viel schneller sehen kann. Und: Ich weiß ja auch nicht, wie viel Zeit mir hier auf diesem Planeten noch bleibt.

Sind Sie als Kind schon Rad gefahren?

Müller: Wie jedes andere Kind, nur noch nie ein einziges Mal 100 Kilometer am Stück. Das Einzige, was ich wusste, war, dass ich, der kleine Allgäuer, mal ins große Indien fahren möchte. Punkt eins. Punkt zwei: Ich wollte es den anderen beweisen.

Schauen Sie, hier steht es (John zieht eine Karte hervor): Ich bin zu 100 Prozent schwerbehindert. Auch im Spital wollten sie mir die ganze Zeit erklären und beibringen, dass ich nun ein Pflegefall bin. Darüber hinaus habe ich doch auch etliche Krebspatienten kennengelernt, die die Krankheit zwar überstanden, es aber nicht mehr ins Leben zurückgeschafft haben. Sie haben Depressionen, sind stationär untergebracht.

Wir haben nun einen Video-Call vom Taj Mahal via München. Wie geht es Ihnen?

Müller: Psychisch bin ich wieder voll auf Höhe. Dieses Abenteuer auf zwei Rädern war für mich das Schönste, was ich jemals gemacht habe. Unter dem Strich bin ich durch 15 Länder gefahren. Von Deutschland aus nach Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Türkei, Georgien, Slowakei, Griechenland, dann weiter nach Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan, Pakistan nach Indien. In all den Ländern habe ich es immer versucht, in den Sonnenuntergang zu fahren.

So wie Lucky Luke? Am Ende jedes Abenteuers reitet der Cowboy auf seinem Pferd Jolly Jumper in den Sonnenuntergang, singt dabei „I'm a poor lonesome cowboy“.

Müller: Genauso! (lacht). Das war jeden Abend unglaublich schön. Noch schöner war allerdings, dass ich auf der Strecke zwischendrin Krebspatienten in Budapest, Sofia und Belgrad besuchte. Immer, wenn ich mich mit ihnen unterhalten habe, hatte ich das Gefühl, dass ich auf einer Mission bin. Gebetsmühlenartig wollte und will ich den Menschen zeigen, dass eine Krebserkrankung nicht das Ende bedeuten muss.

Sondern?

Müller: Mit meiner Radtour möchte ich meine Geschichte in die Welt tragen, um vielen Krebspatienten Hoffnung zu geben. „Schaut her!“, will ich rufen. Vor ein paar Monaten wäre ich im Krankenhaus in Stuttgart fast an einem Tumor gestorben, an dieser elendigen Chemotherapie fast verreckt. Und heute? Heute habe ich verschwitzte und verdreckte Radklamotten an, pedaliere von einem Land ins nächste. Vor allem: Ich lebe – und wie!

Was haben Sie zu den Krebspatienten gesagt?

Müller: „Ich fahre jeden verdammten Kilometer für dich! Also, gib bloß nicht auf!“ Natürlich bin ich auch an meine Grenzen gestoßen, schließlich ist es leider in vielen Ländern so, dass sie die jungen Patienten sofort operieren. Das hat zur Folge, wie ich es schon sagte, dass der Tumor explosionsartig streut, sie nicht überleben werden. In meinem Fall ist es so, dass die Menschen, die am Ewing-Sarkom leiden, im Schnitt 15 Jahre jung sind. Ich bin also in den Krankenhäusern von Zimmer zu Zimmer gegangen und ahnte, dass hier kein einziger überleben wird. Das macht mich heute noch traurig. Deswegen habe ich die Tour geplant.

John W. Müller

Auf seiner Reise besuchte Müller krebskranke Kinder und Jugendliche. John W. Müller
Über das Ewing-Sarkom

Ewing-Sarkome sind bösartige Tumoren, die in den meisten Fällen vom Knochen ausgehen. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 5000 Sarkome festgestellt, davon 100 bis 120 Ewing-Sarkome. Diese Krebsart ist also eher selten. Zum Vergleich: Allein bei Darmkrebs sind es rund 60.000 Neudiagnosen jährlich.

Laut der Universitätsmedizin Essen (dort wird das internationale Ewing-Register mit Daten von mehr als 3000 Patienten koordiniert), kann ein Ewing-Sarkom an vielen Stellen im Körper entstehen. Oft seien es:

  • Becken
  • Ober- und Unterschenkel
  • Rippen
  • Schulterblatt
  • Wirbelsäule

Weil die Beschwerden unspezifisch sind, wird der Krebs oft erst spät entdeckt – sechs Monate bis zur Diagnose sind keine Seltenheit. Fatal, denn die Krebszellen wachsen rasant und bilden schnell Metastasen. Bei rund 20 Prozent der Patienten werden bei der Diagnose welche gefunden, berichtet die Universitätsmedizin. Oft sind davon die Lunge, weitere Knochen oder auch das Knochenmark betroffen. Betroffene haben außerdem sogenannte Mikrometastasen, also winzig kleine Tumorzellen, die sich über das Blut im Körper ausbreiten. Deshalb ist eine zeitige Diagnose wichtig: Wird der Tumor gefunden, bevor er metastasiert, können die meisten Patienten geheilt werden. Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, sinkt die Heilungschance deutlich.

Wo haben Sie eigentlich während der Tour de Hoffnung geschlafen?

Müller: Völlig unterschiedlich. Mal habe ich bei Krebspatienten in deren Gartenhäuschen geschlafen, mal in einem Mönchskloster, mal bei Ordensschwestern. Und wenn ich mal nichts hatte, habe ich einfach mein Zelt aufgestellt, in diesem geschlafen. Das war doch alles sehr anstrengend, vor allem auch deswegen, weil ich nach Kasachstan einfach immer weniger zu essen bekommen habe. Es gab dort einfach nichts. Die Nährstoffe, die ich bei 40 Grad im Schatten den ganzen Tag auf dem Bike gebraucht hätte, bekam ich nicht. Es gab Tage, da saß ich den ganzen Tag auf dem Rad, ohne auch nur irgendetwas zu essen. Abends mal eine Scheibe Brot und Wasser, das war es. Natürlich war das nicht perfekt. Es ging nur nicht anders. Mein ganzer Körper schreit noch heute, also Tage nach der Tour, laut nach Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Proteinen.

Wie waren Sie Gepäck-mäßig unterwegs?

Müller: Eine Tasche hatte ich unter dem Sattel, die ja nur „Arschrakete“ genannt wird (grinst). Dann vorne noch eine im Rahmen mit dem Zelt. Klamotten hatte ich nur eine Rennradhose, zwei Trikots, eine lange Hose sowie ein langes T-Shirt und eine Unterhose dabei.

Nur eine?

Müller: Eine Unterhose musste reichen (grinst).

War es auch mal gefährlich?

Müller: Von dem Verkehr war es gar nicht mal so schlimm wie hier in Deutschland (lacht). Im Ernst: Einmal bin ich in einen dunklen Tunnel gestürzt und konnte mich gerade noch auf den Streifen vor einem heranfahrenden Auto retten. Albträume habe ich jedoch von einer anderen Situation. Eines Tages, ich lag in Afghanistan gerade am Abend in einem Tee-Zelt, klopft es wie verrückt an der Tür. Ich machte ganz entspannt auf, plötzlich stürmten fünf Taliban mit Maschinengewehren im Anschlag herein. Sie checkten meine Taschen, untersuchten mein Handy, fragten mich, was ich denn hier so mache. In meinem ganzen Leben hatte ich vor anderen Menschen noch nie solche Angst.

John W. Müller auf dem Weg nach Indien.

Auf dem Weg nach Indien zeltete Müller mit seinem Fahrrad. John W. Müller

Zusammen mit seinen Partnern hat John W. Müller mehr als 50.000 Euro an Spenden gesammelt. Es sollen noch mehr werden – deswegen schreibt er jetzt ein Buch. „Meine gesamten Einnahmen werden an meinen Notfallfonds für junge Krebspatienten gespendet“, sagt er im Interview. Vorbestellen lässt sich das Buch über https://8000km.live.

Und dann?

Müller: Am nächsten Abend passierte mir das Gleiche. Wieder kam ein halbes Dutzend Taliban-Kämpfer hereinmarschiert. Das hatte zur Folge, dass ich bei der Bruthitze mit langen Klamotten geschlafen habe, weil man in dem Land ja nicht leicht bekleidet sein darf. Bei den ganzen Durchsuchungen war ich vor lauter Angst immer wie gelähmt. Mir ist es aber auch noch wichtig zu sagen, dass die Menschen auch superfreundlich sind. Bezahlen durfte ich nie etwas, sie haben mir das ganze Essen und Trinken geschenkt.

Was bleibt von der Reise?

Müller: Der eine Tag in Sofia, als ich mit ein paar Müttern von jungen Krebspatienten, die alle verstorben sind, gesprochen habe. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Wir haben uns zusammen unterhalten, zusammen geweint. Dann hat mich eine Mutter freundlich am Ärmel gepackt und zu mir gesagt: „John. Ich sehe mein Kind in dir! Bitte mache weiter. Bitte mach einfach so immer weiter.“ Das hat mir gezeigt: Mut kennt nun wirklich keine Grenzen! Und deswegen mache ich immer weiter. Für sie. Für ihr Kind. Für uns alle. Und wissen Sie, was ich in meiner Phase, als es mir echt beschissen ging, vermisst habe?

Sagen Sie es mir bitte.

Müller: Im Krankenhaus habe ich mir zehn Monate lang nichts Sehnlicheres als ein Vorbild gewünscht. Einen Menschen, an dem ich mich hochziehen kann, der eben mal nicht an Krebs verstorben ist, sondern sich zurück ins Leben gekämpft hat. Ich hatte niemanden. Deshalb möchte ich das für junge Krebspatienten sein. Vielleicht kann ich am Ende für sie ein Vorbild sein.

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