Feuerwehrmann Patrik ist unheilbar an Speiseröhrenkrebs erkrankt. Der Tumor hat bereits in Leber und nahe der Aorta gestreut. Alles hatte mit Schluckbeschwerden und Gewichtsverlust begonnen.
Feuerwehrmann Patrik ist unheilbar an Speiseröhrenkrebs erkrankt. Der Tumor hat bereits in Leber und nahe der Aorta gestreut. Alles hatte mit Schluckbeschwerden und Gewichtsverlust begonnen.
Patrik Oberleuck hat Hunger. Vor ihm steht ein Glas Wasser. Der 43-Jährige hebt es vorsichtig an die Lippen. Ein kleiner Schluck. Mehr geht kaum. Nach seinen Angaben erschwert ihm der Tumor in der Speiseröhre das Schlucken. Dabei riecht es ringsherum nach Essen.
„Müssen wir das Interview unbedingt an einem Ort machen, wo es so sehr nach Essen riecht?“, fragt Oberleuck. Er sei an Speiseröhrenkrebs erkrankt, die Erkrankung weit fortgeschritten, habe in die Leber gestreut. Weitere Untersuchungen hätten einen Befall im Bereich der Aorta und des Herzens gezeigt. Eine Heilung sei nach Auskunft seiner Ärzte nicht mehr möglich. Er werde palliativ behandelt.
Seit 27 Jahren engagiert sich Oberleuck bei der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken Sankt Johann. Bei Bränden und Unglücken war er oft zur Stelle, jahrelang kümmerte er sich zusätzlich um den Feuerwehrnachwuchs. Doch seit dem 13. Juli 2026 haben sich die Rollen vertauscht.
Monatelang hatte Oberleuck nach eigenen Angaben Schluckbeschwerden. Feste Nahrung habe er irgendwann nur noch mit viel Wasser runterbekommen. Gleichzeitig verlor er rund 25 Kilogramm innerhalb weniger Monate. Zunächst habe er den Gewichtsverlust sogar positiv gesehen. Bei zuvor mehr als 100 Kilogramm Körpergewicht seien einige Kilos weniger willkommen gewesen. Doch das Gewicht sank weiter. Am 13. Juli geht er zu seiner Hausärztin. Als er ihr von dem massiven Gewichtsverlust erzählt, schickt sie ihn ins Krankenhaus.
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Eine Magenspiegelung bringt die Diagnose. Ein Arzt habe ihm gesagt: „Ich habe sehr schlechte Neuigkeiten für Sie.“ Bei der Untersuchung wurde ein großer Tumor in seiner Speiseröhre entdeckt.
Weitere Untersuchungen zeigten dann ihm zufolge Metastasen in der Leber und später den Befall im Bereich der Aorta und des Herzens. Innerhalb weniger Tage geht es für ihn nicht mehr um die Frage, wann er wieder arbeiten kann. Sondern darum, wie viel Zeit ihm bleibt.
Bei Oberleuck beginnt nach der Diagnose die Chemotherapie, die Folgen spürt er deutlich. „Dinge, die im Alltag vorher selbstverständlich waren, sind für mich heute fast unlösbar.“ Duschen, rasieren, ein bisschen Haushalt erschöpften ihn teilweise so sehr, dass er sich anschließend hinlegen müsse, erzählt er.
Eine Bekannte helfe ihm inzwischen zu Hause. „Ich fühle mich durch die Chemo extrem schwach gerade.“ Auch Essen und Trinken würden zunehmend schwieriger. Sollte er nicht mehr ausreichend Nahrung und Flüssigkeit aufnehmen können, könnte eine erneute Aufnahme ins Krankenhaus notwendig werden. Auch eine künstliche Ernährung sei mit seinen Ärzten als Möglichkeit besprochen worden.
Für Oberleuck ist es ungewohnt, auf Hilfe angewiesen zu sein. Über Jahrzehnte war er einer von denen, die kamen, wenn Menschen Hilfe brauchten. Nun kommen andere für ihn. „Die Solidarität vom Freundes- und Feuerwehrkreis ist unbeschreiblich“, sagt er.
Auch finanzielle Sorgen begleiten die Erkrankung. Oberleuck war nach eigenen Angaben noch in der Probezeit bei einem neuen Arbeitgeber. Er rechnet mit Einkommenseinbußen und will sein finanziertes Auto verkaufen, um laufende Kosten zu reduzieren. Mit Unterstützung von Freunden hat er deshalb eine Spendenaktion eingerichtet. Seit dem 13. Juli ist ihm, wie er sagt, bewusst: „Es könnte sein, dass du in absehbarer Zeit stirbst.“
Im Falle des Speiseröhrenkrebs verengt der Tumor die Speiseröhre zunehmend. Zunächst fällt das Schlucken fester Nahrung schwer, später bereiten auch weiche Speisen und Flüssigkeiten Probleme.
Daneben können folgende Symptome auftreten:
Oberleucks Geschichte bekommt in diesen Tagen eine besondere Aktualität, als dass noch bis zum Sonntag, dem 27. September 2026, die nationale Krebspräventionswoche stattfindet. Unter dem Motto „Lass mal checken“ rücken Deutsche Krebshilfe, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Deutsche Krebsgesellschaft in diesem Jahr die Krebsfrüherkennung in den Mittelpunkt.
„Früherkennung ist entscheidend für die Chance auf Heilung“, sagt der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS), Markus Hecht. Der stellvertretende Sprecher des Universitätsmedizinischen Zentrums für Tumorerkrankungen des Saarlandes (UTS) verweist auf große Unterschiede zwischen frühen und fortgeschrittenen Erkrankungsstadien.
Oberleucks Geschichte zeigt zugleich Grenzen der Früherkennung: Für Speiseröhrenkrebs gibt es in Deutschland kein allgemeines Früherkennungsprogramm. Umso wichtiger kann es sein, länger anhaltende Veränderungen des eigenen Körpers ernst zu nehmen.
Wie unterschiedlich die Möglichkeiten zur Früherkennung sind, zeigt der Blick auf andere Krebsarten. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nach Angaben von Professor Hecht Früherkennungsuntersuchungen unter anderem bei Brust-, Haut-, Darm- und Prostatakrebs sowie bei gynäkologischen Tumoren. Für bestimmte Risikogruppen komme inzwischen auch eine CT-Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs infrage.
Doch nicht jedes Angebot werde gleichermaßen genutzt. „Die Akzeptanz verschiedener Früherkennungsmaßnahmen ist unterschiedlich“, sagt Hecht. Gerade Menschen mit starken Risikofaktoren wie Rauchen oder hohem Alkoholkonsum nähmen Angebote häufig nicht wahr.
Auch beim Lebensstil sieht der Mediziner Möglichkeiten zur Prävention. Rauchen erhöhe unter anderem das Risiko für Lungen-, Kopf-Hals- und Blasentumore, Alkohol unter anderem für Tumore im Kopf-Hals-Bereich sowie an Speiseröhre, Magen und Leber. Auch Sonnenschutz spiele bei der Vorbeugung von Hauttumoren eine wichtige Rolle.
dpa