Bluthochdruck gilt als „stiller Killer“. Aber ist 120/80 mmHg der ideale Wert? Wie verändert dieser sich je nach Alter? FOCUS online klärt auf.
Bluthochdruck gilt als „stiller Killer“, welcher Schlaganfälle und Herzinfarkte verursachen kann. Doch was ist der ideale Wert? Und wie verändert dieser sich je nach Alter? FOCUS online klärt die wichtigsten Fakten.
Zu hoher Blutdruck betrifft in Deutschland rund 20 bis 30 Millionen Menschen. Jeder fünfte weiß allerdings nichts von der Erkrankung, erklärt die Hochdruckliga. Was erschreckend klingt, ist erst einmal nicht ungewöhnlich: Denn Bluthochdruck (Hypertonie in der Fachsprache) verursacht kaum Symptome, insbesondere am Anfang. Daher kommt auch die Bezeichnung „stiller Killer“.
„Man kann sich trotzdem gut fühlen und im Alltag mithalten”, warnt Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, anlässlich des Welthypertonietags am 17. Mai.
„Wenn sich Beschwerden wie Schwindel, Ohrensausen oder Kopfschmerzen bemerkbar machen, ist es leider meistens zu spät, weil Gefäße und Organe schon geschädigt sind“, sagt der Kardiologe.
Woran also kann jemand frühzeitig erkennen, ob er an Bluthochdruck leidet? Ganz einfach: regelmäßig den Blutdruck messen – und in der Arztpraxis messen lassen.
Wichtig dabei: Gehen Sie vorher zur Toilette. Denn eine gefüllte Harnblase könne den Blutdruck vorübergehend um 10 bis 30 mmHg erhöhen. Darauf weist Herzspezialist Lucas Lauder vom Universitätsspital Basel hin.
Wo liegt der Grenzwert? „Die nationalen und internationalen Fachgesellschaften definieren eine arterielle Hypertonie als Blutdruckwerte von mehr als 140/90 mmHg“, erklärt Peter Radke, Chefarzt Innere Medizin und Kardiologie der Schön Klinik Neustadt und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung auf Nachfrage von FOCUS online.
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Die Maßeinheit mmHg ist die Abkürzung für Millimeter auf der Quecksilbersäule. Denn bevor es digitale Geräte zur Blutdruckkontrolle gab, wurde der Blutdruck mit einer Oberarmmanschette plus Quecksilbersäule mechanisch gemessen.
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Beim systolischen Wert, der ersten Zahl, handelt es sich um den Druck, der in den Gefäßen herrscht, wenn der Herzmuskel sich maximal anspannt und das Blut in den Körper pumpt (Systole). Der diastolische Wert, die zweite Zahl, gibt den niedrigsten Druck unmittelbar vor der nächsten Herzkontraktion in den Gefäßen an, also wenn der Herzmuskel entspannt ist und das Organ sich wieder mit Blut gefüllt hat (Diastole).
Wer nach idealen Blutdruckwerten im Netz sucht, bekommt unterschiedliche Zahlen ausgespuckt. Die geringfügigen Unterschiede gibt es in der Fachwelt bezüglich, welche Werte ideal sind, also welche Zielwerte Mediziner für die Menschen anpeilen:
Generell spricht sich Herzexperte Radke dafür aus, die Werte nicht ganz streng auszulegen: „Abweichungen vom idealen Blutdruck nach oben und unten sind innerhalb gewisser Grenzen, Abweichungen von 10 mmHg weitgehend unproblematisch.“
Die ESH hält an der bisherigen Einteilung (optimal, normal, hoch-normal, Hypertonie Grad 1–3, isoliert systolisch/diastolisch) fest.
Die ESC-Leitlinien hingegen verwenden eine neue, vereinfachte, aber strengere Kategorisierung (jeweils bezogen auf standardisierte Praxis-Blutdruckmessungen):
„Hypertonie bleibt Hypertonie“, stellte Lucas Lauder vom Universitätsspital Basel auf der Jahrestagung der Kardiologen klar. Das Ziel der neuen Einteilung sei es, das Bewusstsein zu verbessern und die Prävention bei Hypertonie zu fördern. „Diese Werte mögen sehr streng und schwer erreichbar wirken“, erklärt Thomas Voigtländer, Kardiologe der Deutschen Herzstiftung dazu. Sie hätten sich jedoch in Studien als die für die Gefäßgesundheit erstrebenswerten Werte herausgestellt. Zudem lassen sie sich durch veränderten Lebensstil reduzieren.
Mit den Lebensjahren veränderten sich die Idealwerte. Ältere Menschen haben häufig einen höheren systolischen Blutdruck, weil die Gefäße dann nicht mehr so elastisch sind.
Radke erläutert dazu: „Eine blutdrucksenkende Medikation kann auch über das 85. Lebensjahr hinaus durchaus fortgesetzt werden, weil das Blutdruck-bedingte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen entlang einer kontinuierlichen Skala steigt.“ Gleichzeitig gilt es zu berücksichtigen, dass die Behandlung nicht zu Nebenwirkungen wie Schwindel oder Unwohlsein führt.
Wer zu Hause seinen Blutdruck misst und bei hohen Werten zwischen 130 und 150 systolisch unsicher ist, sollte überprüfen, ob weitere Risikofaktoren vorliegen.
Für korrekte Werte ist die Position des Arms, an dem Sie messen, wichtig. Das betont der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Voigtländer in einem Erklärvideo auf deren Seite: „Den Arm muss man so auflegen, dass der Oberarm plus minus auf Herzniveau liegt – also nicht nach oben oder unten strecken“.
Laut Herzstiftung könne es zu Abweichungen und Fehlern beim Blutdruckmessen kommen, wenn die Manschette nicht auf Herzhöhe liege. Liegt sie tiefer, liegt der gemessene Wert zu hoch. Liegt sie höher, sei der Wert zu niedrig. Außerdem führe ein Überkreuzen der Beine etwa zu einem höheren Messwert, da dadurch die Muskulatur angespannt wird.
Laut aktueller Richtlinie der American Heart Association sind daher folgende Punkte für eine genaue Messung wichtig:
Wichtig ist für die Werte des Blutdrucks zu berücksichtigen, wo er gemessen wurde – zu Hause oder in der Praxis. Denn dort lässt oft der sogenannte Weißkitteleffekt (Aufregung beim Arzt) die Werte höher ausfallen.
Daher gibt es in der ESH-Leitlinie praktische Empfehlungen hierfür:
Bei der Erstvorstellung an beiden Armen messen und nachfolgend Arm mit höherem Blutdruck verwenden
Der Vergleich beider Arme lohne sich, erläuterte Kardiologe Lauder. Der Unterschied betrage im Mittel 7 mmHg und liege bei fast 30 Prozent der Personen sogar bei mehr als 10 mmHg: „Das ist schon relevant.“ Ebenso wie der Toilettengang: Wie erwähnt, kann eine gefüllte Harnblase den Blutdruck kurzfristig um 10 bis 30 mmHg erhöhen.
Wer über mehrere Tage hinweg einen erhöhten Blutdruck feststellt, sollte gemeinsam mit einem Facharzt klären, welche Therapie am besten geeignet ist. Falls es eine medikamentöse Behandlung braucht, stehen in der Regel Blutdrucksenker, ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten auf dem Rezept.
Oft lässt sich jedoch schon durch einen veränderten Lebensstil viel erreichen. Dazu gehören Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht, Stressabbau, ausreichend Schlaf und eine herzgesunde Ernährung. Das bedeutet: Vollkornprodukte, reichlich Gemüse, wenig Fleisch, dafür Fisch, hochwertige Pflanzenöle und Nüsse.
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