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Ex-Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt: „Warum sollte ich aufhören?“

Дата публикации: 10-10-2026 04:00:00

Ex-Bayern-„Doc“ Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt im Exklusiv-Interview über das Heilen als Sucht, seine Hall of Fame und bettelnde Patienten.

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Ex-Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt: „Warum sollte ich aufhören?“

Stand: 10.10.2026, 06:00 Uhr

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Ex-Bayern-„Doc“ Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt im Exklusiv-Interview über das Heilen als Sucht, seine Hall of Fame und bettelnde Patienten.

München – Sein Behandlungszimmer gleicht einer „Hall of Fame“, seine Lebensgeschichte ist einmalig: Für die am 23. Oktober erscheinende Dokumentation „Der Arzt der Champions“ gab es mehr als genug Stoff. Absolut-Bayern-Reporterin Hanna Raif traf Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (84) vorab in seiner Münchner Praxis. Ein Gespräch über sein Wirken, seine Mission – und eine Begegnung mit Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi.

Herr Müller-Wohlfahrt, einige Bücher haben Sie schon geschrieben – ist eine Doku etwas anderes?

Ja. Das Projekt ist auf Initiative eines langjährigen, vertrauenswürdigen Patienten entstanden, eines angesehenen Produzenten. Er saß mir gegenüber und sagte: „So, und jetzt sind Sie dran!“ Ich hatte ein Filmprojekt schon dreimal bei anderen Angeboten abgelehnt – aber mit ihm hat es sich richtig angefühlt.

Fühlen Sie sich gut porträtiert – als „Arzt der Champions“?

Es wird meine Geschichte erzählt, das ist sehr stimmig. Ich behandle ja nicht nur Stars, aber wenn ich aktuell schaue, wer hier so ein und ausgeht, ist der Titel passend. Erst in den letzten Wochen habe ich von Armand Duplantis und Dennis Schröder ein Trikot bekommen, mit netten Danksagungen und netten Worten. Dazu waren fünf der aktuell zehn besten Eishockeyspieler der Welt bei mir. Basketball, Football – ich bekomme jede Woche Einladungen in die USA, um die ganz großen Namen zu behandeln. Ohne arrogant klingen zu wollen: Mehr geht nicht!

Ihre „Wall of Fame“ im Regal ist reich bestückt.

Und wissen Sie was: Da steht nur Gold! Das sind nur Weltmeister oder Olympiasieger! Neulich hat mir ein 400-Meter-Hürdenläufer gesagt: „Ich will auch da rein.“ Ich habe gesagt: „Da musst Du eine Goldmedaille holen!“

Müller-Wohlfahrt Praxis Wall of fame

Müller-Wohlfahrt Praxis Wall of fame © Hanna Raif

Man hat den Eindruck, Ihre Arbeit wird immer internationaler.

Das stimmt. Mein Sohn ist fachlich auf Augenhöhe und übernimmt mehr und mehr Sportler. Er macht das supergut! Und auch die anderen Kollegen hier im Haus folgen mir. Endlich! Sie lernen, lernen und lernen. Das Team hier ist das Beste, das ich je hatte. Viele Kollegen, die hier in der Praxis gelernt haben, haben meine strengen Grundsätze aufgegeben. Aber ich bleibe bei meiner Medizin! Ich bin eisern konsequent. Deshalb kommen auch so viele Sportler zu mir – und vertrauen auch meinem Team.

Wer fasziniert Sie am meisten?

Basketballer, Eishockeyspieler, Leichtathleten und die Footballer. So wie die trainieren, da würden unsere Fußballer nicht mithalten können. Leon Draisaitl ist auch so ein kerniger Typ. Das sind Kerle! Ich hatte erst kürzlich ein interessantes Gespräch mit Paul Breitner, der sagte: „Gute Fußballer sind Künstler – denen würde mehr Athletik schaden.“ Ich sehe das anders. Ich mag, wenn jemand nicht gleich beim ersten Rempler umfällt. Unsere Fußballer liegen zu oft und zu lang am Boden und lamentieren.

Planen Sie für die Olympischen Spiele in LA?

Ich wurde schon gefragt, ob ich das US-Olympiateam behandeln könnte. Da sagen natürlich die Deutschen: „Das geht doch gar nicht.“ Ich verspreche: Ich werde für alle da sein. Wie in Paris wird die gesamte Praxis mitkommen. Mann, war das schön! Auch wenn ich außer dem 100-Meter-Finale mit fünf meiner Patienten nichts gesehen habe…

Wie viele Patienten sehen Sie pro Tag?

Wenige.

Wenige?

Meine Praxis-Mitarbeiterinnen bremsen mich, habe ich das Gefühl. Vielleicht zehn bis 15. Aber ich sage immer: „Ich will mehr! Es könnte etwas mehr sein!“ Das ist wie beim Metzger (lacht).

Bei wie vielen behandelten Muskelverletzungen stehen Sie inzwischen?

Es waren mal 40.000. Da sind bestimmt viele dazu gekommen. Es gibt jeden Tag Muskelverletzungen zu beurteilen. Deshalb muss ich auch unbedingt die KI-Studie im Klinikum Rechts der Isar fertigstellen. Wenn ich das nicht schaffe – das Wissen meiner Hände greifbar zu machen –, geht meine Medizin irgendwann verloren. Meine Gegner sind all die, die aufgrund der Kernspin-Diagnose ihre Klassifikation machen. Die stimmt hinten und vorne nicht! Und das macht mich immer wütender! Es werden in der Bundesliga viel zu viele Fehldiagnosen gestellt. Sie glauben nicht, was ich alles erlebt habe.

Reden Sie über den FC Bayern?

Ich nenne bewusst keine Namen und keine Vereine. Es betrifft die ganze Bundesliga. Ich wundere mich nur, dass die Manager nicht eingreifen.

Uli Hoeneß kommt in der Doku zu Wort.

Er war der Idealfall eines Managers, es war eine wunderbare Zusammenarbeit. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe das Kapitel FC Bayern aber abgeschlossen. Und wie Sie selbst festgestellt haben: Meine Welt ist internationaler geworden. Das ging schlagartig, als ich bei Bayern aufgehört habe. Kobe Bryant war der Erste – danach nahm es richtig Fahrt auf. Sie stürmen geradezu nach München! Wenn das NFL-Spiel in München stattfindet, herrscht hier Hochbetrieb. Ich bekomme so viel Anerkennung wie noch nie.

Was sagen die Patienten zu Ihnen?

Danke, dass du die Spieler des FC Bayern so lange betreut hast. Danke für deine Linientreue. Danke, dass du allen gezeigt hast, wo es langgeht. Danke, dass du dir von Pep Guardiola nichts hast gefallen lassen. Während ich bei Bayern war, habe ich so etwas viel seltener gehört.

Ihr Vater wollte, dass Sie Pastor werden. Was würde er heute sagen, wenn er mit Ihnen diese Doku sehen könnte?

Ich glaube nicht, dass er etwas auszusetzen hätte.

Das ist die Müller-Wohlfahrt-Methode

Seinen persönlichen Ritterschlag erlebte Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit 83 Jahren. Auf dem Präsidentenempfang des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) wurde der Sportmediziner 2025 für sein Lebenswerk ausgezeichnet – und somit auch für seine eigene Medizin. Sie lebt von zwei Komponenten: seinem ausgeprägten, über sechs Jahrzehnte entwickelten Tastsinn, mit dem er tief in die betroffenen Muskeln hineinspürt. Und seiner Spritzen-Therapie, die auf eine spezielle Wirkstoff-Mischung setzt. Sein Motto: Kein Kortison, dafür das bei Muskelverletzungen bewährte Rezept um das Kälberblutpräparat Actovegin. Müller-Wohlfahrt stellte sich Doping-Anschuldigungen jahrelang vehement entgegen. Inzwischen geben ihm Studien (unter anderem an der LMU) Recht – und die Kollegen, die ihn zu Anfangszeiten sogar ausbuhten, würdigen seine Arbeit.

Würde ihr Vater nicht sagen: „Irgendwann ist Schluss“?

Es ist so eine segensreiche Tätigkeit, die ich ausübe. Die Menschen bitten und betteln, dass ich nicht aufhöre. Ein zweites Zentrum für konservative Sportorthopädie wie unseres gibt es meines Wissens weltweit nicht. Das kann ich doch nicht aufgeben.

Macht der Beruf süchtig?

Wenn es eine Sucht ist, dann im positiven Sinne – zum Wohle der Patienten.

Uli Hoeneß (li.), Paul Breitner (Mitte) und Mannschaftsarzt Dr. Hans Wilhelm Müller Wohlfahrt (alle Bayern) genießen einen kleinen Imbiss auf dem Flughafen Fußball 1. BL Herren Saison 1980 1981, FC Bayern München, Gruppe Aufnahmedatum geschätzt Mönchengladbach

Bis heute gute Gesprächspartner: Müller-Wohlfahrt (r.) in der Saison 1980/81 mit Uli Hoeneß und Paul Breitner. Beide kommen in der Doku zu Wort. © imago sportfotodienst

Merken Sie Ihr Alter nach wie vor nicht?

Ewig habe ich es gar nicht gespürt. Ich trainiere gegen Alterserscheinungen an. Aber ich merke, dass meine Kraft nachlassen würde, wenn ich nicht dagegenhalte, nicht trainieren würde. Die hole ich mir nach wie vor im Englischen Garten zurück. Ich liebe es dort zu trainieren! Für mich an Wochenenden die größte Arena der Welt!

Manager Uli Hoeneß (re.) und Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (beide Bayern) sitzen versteinert auf der Bank Fußball EC 1 Herren Champions League 2003 2004, Achtelfinale, FC Bayern München Gruppe München Enttäuschung,

imago0001061368 Manager Uli Hoeneß (re.) und Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (beide Bayern) sitzen versteinert auf der Bank Fußball EC 1 Herren Champions League 2003 2004, Achtelfinale, FC Bayern München Gruppe München Enttäuschung, © imago

Ihre Karriere ist voller kurioser Momente. Gibt es einen, der heraussticht?

Eine Geschichte habe ich eigentlich noch nie erzählt.

Na dann: Bitte!

Ich wurde einst angerufen aus Libyen. Muammar al-Gaddafi konnte sich nicht bewegen, der Rücken! Ich habe das sofort abgesagt. Aber die haben nicht lockergelassen. Also habe ich mich bei regierenden Politikern in Bayern und Berlin erkundigt, wie ich mich verhalten soll. Einstimmig haben sie gesagt: „Machen Sie das! Sie helfen uns!“ Es stand eine Afrika-Konferenz an, man war bemüht, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Libyen zu verstärken. Also gut, ich habe es gemacht.

In Libyen?

Ich bin in die Südsahara geflogen, bin mit dem Militärfahrzeug zu Gaddafis Sommerhaus gefahren worden, Maschinengewehre überall. In einem Klinikbus sollte ich ihn behandeln. Gaddafi wurde im Trainingsanzug und Schlappen von zwei Männern in den Bus getragen, ich habe ihn kaum erkannt. Ich habe ihn untersucht, er hat sich danach sogar mit meiner Spritzenbehandlung behandeln lassen – und ich merkte: gut getroffen. Also sagte ich: „Bitte stehen Sie mal vorsichtig auf!“ Er stand auf, ging die Treppe vom Bus herunter – und weg zu seinem Haus. Alleine. Ohne Schmerzen. Auf Nimmerwiedersehen!

Dr Hans Wilhelm Müller Wohlfahrt DFB Mannschaftsarzt Antritt rennen laufen joggen sprinten sp

Guter Athlet, noch besserer Arzt: Müller-Wohlfahrt - hier als DFB-Teamarzt - war bekannt für seinen Sprint aufs Feld. Mit Reporterin Hanna Raif sprach er jedoch nicht nur über alte Zeiten - sondern auch über seine Zukunft. © imago sportfotodienst

Ohne Gruß, ohne Dank?

Darum musste ich bitten. Ich hatte natürlich einen ziemlichen Aufwand zu betreiben, dazu der Flug. Es hat über ein Jahr gedauert, bis die Kosten erstattet wurden.

Apropos Praxis: Sie verlängern den Mietvertrag meist für zehn Jahre. Wie lange läuft er noch?

Er läuft noch fünf Jahre – mit Option auf weitere fünf (schmunzelt). Man weiß ja nicht, was morgen ist. Ich fühle mich super und bedanke mich jeden Tag dafür. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, nichts zu tun. Ich habe so viel Energie, so viel Knowhow – und ich lerne jeden Tag hinzu. Warum sollte ich aufhören?!

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