Fast drei Jahrzehnte lang war Wolfgang Hofer Bürgermeister von Essingen. Was ihn an die Gemeinde bindet, worauf er zurückblickt und warum nun auch das Akkordeon wieder wichtiger wird.
Stand: 17.09.2026, 13:00 Uhr

Fast drei Jahrzehnte lang war Wolfgang Hofer Bürgermeister von Essingen. Was ihn an die Gemeinde bindet, worauf er zurückblickt und warum nun auch das Akkordeon wieder wichtiger wird.
Essingen. Auch an Sonntagen war Wolfgang Hofer ab und an im Rathaus anzutreffen. Dann allerdings mit Hausschuhen und in legerer Kleidung. „Da konnte ich wenigstens mal in Ruhe arbeiten“, sagt der Noch-Bürgermeister und muss selbst ein wenig schmunzeln.
Die kleine Anekdote sagt einiges über Hofer und sein Verhältnis zu seinem Amt aus. Seit 29 Jahren steht er an der Spitze der Gemeinde Essingen. Bürgermeister zu sein, war und ist für ihn nicht einfach nur ein Job. Es war eine Aufgabe, die er über die Jahre mit Leidenschaft ausgeübt hat. „Ich liebe und lebe diesen Beruf“, sagt Hofer selbst.
Der Rathaus-Chef hört früher aufNun aber zieht der 63-Jährige selbst einen Schlussstrich. Am Mittwochabend (16.09.) hat Hofer öffentlich bekannt gegeben, dass er sein Amt im Juni 2027 vorzeitig abgeben wird. Zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. Denn eigentlich würde seine vierte Amtszeit erst 2029 enden – so lange könnte er weitermachen. Er will es aber nicht. Nicht, weil ihm die Arbeit keinen Spaß mehr macht. Sondern weil er den Zeitpunkt für richtig erachtet.
„Ich will nicht mit dem Rollator hier rausgeschoben werden“, sagt der Rathaus-Chef im Gespräch mit dieser Redaktion. Ein typischer Hofer-Satz: direkt, trocken und mit einem Schuss Humor.
Mehr Zeit für Familie und AkkordeonFast die Hälfte seines Lebens hat Wolfgang Hofer als Bürgermeister in Essingen verbracht. Gemeinsam mit seiner Frau Ulrike und seinen fünf Kindern. Mit 34 Jahren kam er mit seiner Familie auf die Ostalb. Kurz zuvor hatten die Essinger den damaligen Leiter des Bau- und Ordnungsamt in Bad Boll zum neuen Bürgermeister gewählt. Die Hofers ließen sich nieder. Bauten ein Haus. Und wurden in der Gemeinde am Remsurprung heimisch.
Essingen zu verlassen, kommt für Wolfgang Hofer daher nicht infrage. „Wir werden Essingen die Treue halten“, sagt er. Auch wollen er und seine Frau sich weiterhin in verschiedenen Vereinen engagieren.
Ansonsten möchte es Hofer nach dem Ausscheiden aus dem Amt „etwas ruhiger angehen lassen“. Mehr Zeit für seine Frau, seine Kinder und Enkelkinder haben. Und vielleicht endlich Dinge erledigen, die während der vergangenen 29 Jahre immer wieder warten mussten. Haus und Garten zum Beispiel. „Da ist in den letzten Jahren viel liegen geblieben“, sagt Hofer. Auch sein Akkordeon sei „mittlerweile schon ziemlich verstaubt“. Nach dem Abschied aus dem Rathaus soll es wieder öfter zum Einsatz kommen.
Was Hofer in Essingen bewegt hatWenn Hofer auf seine 29 Jahre als Bürgermeister zurückblickt, fällt sein Fazit positiv aus. Vieles sei in dieser Zeit auf den Weg gebracht und umgesetzt worden. Ein Projekt liegt ihm besonders am Herzen: die Parkschule. Die Hauptschule stand einst vor dem Aus. Heute ist die Gemeinschaftsschule gut aufgestellt – auch wenn es derzeit Verzögerungen beim Ausbau der Schule gibt. Außerdem verweist er unter anderem auf die sanierten und neu gebauten Sportanlagen, die Remstal-Gartenschau 2019, den Schlosspark und die Schlossscheune und das Seniorenzentrum. Auch der vierspurige Ausbau der B29 sei „ein Schwerpunkt“ seiner Amtszeit gewesen.
In den vergangenen Monaten ist allerdings ein anderes Projekt immer stärker in den Mittelpunkt gerückt: das geplante Zentralklinikum. Den Spatenstich für die Erschließung des Klinikgeländes wird Hofer voraussichtlich nicht mehr als Bürgermeister erleben. Auch beim eigentlichen Baubeginn 2028 wird er nicht mehr im Rathaus sitzen. Als Kreisrat will er das Projekt dennoch weiter begleiten. Dieses Mandat werde er behalten, sagt Hofer.
Hofer – mittendrin im Essinger LebenDoch Hofer spricht nicht nur über Gebäude, Straßen und andere Projekte. Wenn er auf seine Zeit als Bürgermeister zurückblickt, geht es auch um die Menschen. Er kennt viele Essinger persönlich, viele davon beim Namen. Bei Festen und Veranstaltungen war und ist er regelmäßig dabei. Auch zu den Vereinen hat er einen engen Draht.
„Das Gesellige wird in Essingen großgeschrieben“, sagt Hofer. Das Vereinsleben sei „sehr lebendig“, der Zusammenhalt groß. Und auch nach seinem Abschied aus dem Rathaus im Juni 2027 will er weiter Teil dieses Miteinanders bleiben.
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