Seit Monaten warten die Lauterburger vergeblich auf Neuigkeiten zum Glasfaserausbau. Nun könnte wieder Bewegung in die Sache kommen. Was die Gemeinde Essingen und das Landratsamt dazu sagen.
Stand: 02.10.2026, 10:00 Uhr

Seit Monaten warten die Lauterburger vergeblich auf Neuigkeiten zum Glasfaserausbau. Nun könnte wieder Bewegung in die Sache kommen. Was die Gemeinde Essingen und das Landratsamt dazu sagen.
Essingen-Lauterburg. Kein Internet, kein Telefonempfang, kein Notruf: Für die Bewohner von Lauterburg war im Frühjahr 2022 plötzlich nichts mehr möglich. Von einem Tag auf den anderen waren zahlreiche Telefon- und Internetanschlüsse im Essinger Teilort abgeschaltet. Was wäre gewesen, hätte in dieser Zeit jemand einen Notarzt gebraucht oder wäre Zeuge eines Einbruchs geworden? Diese Frage stellt sich Schwäbische-Post-Leser Herbert Bäurle bis heute – und sie steht am Anfang einer Geschichte, die auch mehr als vier Jahre später noch nicht zu Ende ist.
Damals schoben sich die Betreiberfirma sdt.net AG mit Sitz in Aalen und die Gemeinde Essingen gegenseitig die Schuld zu. Nach Wochen sicherte die Netcom BW, eine Tochtergesellschaft der EnBW, den Lauterburgern die Wiederversorgung zu – und den Breitbandausbau. Viele Bewohner schlossen daraufhin Verträge ab, auch die Gemeinde sagte den Ausbau im Rahmen des Förderprogramms „Graue Flecken“ zu. Leerrohre wurden verlegt, Glasfaserkabel in die Häuser gezogen, Ende vergangenen Jahres folgten Messungen beim Endverbraucher. Die Hoffnung für Bäurle und viele andere Lauterburger: Es tut sich endlich etwas.
Noch in diesem Jahr wieder am Netz?Dann der nächste Rückschlag: Wie diese Redaktion bereits berichtete, legte die std.net AG, die mittlerweile im Kieler Unternehmen TNG-Stadtnetz aufgegangen ist, bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die Vergabe des Glasfaserausbaus in mehreren Ostalbkreis-Gemeinden ein. Und weil die Kommission über längere Zeit nicht formell darüber entschied, reichte TNG 2025 zusätzlich Klage beim Europäischen Gerichtshof ein. Der Ausbau und die Inbetriebnahme des Breitbands wurden daraufhin in den betroffenen Kommunen gestoppt. Seitdem herrscht in Lauterburg im wahrsten Sinne des Wortes „absolute Funkstille“, moniert Herbert Bäurle.
Auf Nachfrage teilt Essingens Bürgermeister Wolfgang Hofer mit: „Es herrscht gerade etwas Verwirrung.“ Unklar sei zunächst gewesen, ob wegen der Klage neu ausgeschrieben werden müsse. Mittlerweile sei diesbezüglich einiges geklärt, aber eben noch nicht alles. Der im Juli 2027 aus dem Amt scheidende Rathaus-Chef hofft daher, dass die Inbetriebnahme im Oktober wieder Fahrt aufnimmt. „Wir hoffen, dass bis Ende des Jahres alles fertig ist“, so Hofer weiter. Auch die Gemeinde ärgere sich über die Verzögerung, ihr seien wegen der Klage aber – wie vielen anderen Kommunen auch – „derzeit die Hände gebunden“. Daher findet Hofer auch deutliche Worte in Richtung der TNG Stadtnetz: „Es ist ein Unding, wenn man auf dem Rücken der Bürger und der Kommunen Rechthaberei ausspielt und zu zerstören versucht, was jahrelang aufgebaut wurde.“
Breitbandausbau bleibt GeduldsprobeWie das Landratsamt Ostalbkreis auf Nachfrage mitteilt, sind in Lauterburg mittlerweile die Tiefbau- und Montagearbeiten der beauftragten Firma abgeschlossen. Es fehle jedoch noch die vollständige Dokumentation des errichteten Netzes durch das zuständige Planungsbüro. Erst wenn diese geprüfte Dokumentation über die Gemeinde an die Breitband Ostalb KAöR weitergereicht wurde, folge eine vertiefte Prüfung. „Nach erfolgreicher Prüfung und auch nach erfolgreicher Abnahme aller Bauleistungen vor Ort erfolgt die Freigabe gegenüber dem Fördermittelgeber“, heißt es. Erst danach kann der Netzbetreiber die aktive Technik einbauen. Einen konkreten Zeitpunkt für die Inbetriebnahme könne man daher aktuell nicht nennen.
Ein Trost bleibt den Lauterburgern immerhin: Sie sind mit ihrem Problem nicht allein. Der Bearbeitungsstand unterscheide sich von Kommune zu Kommune im Ostalbkreis erheblich, so das Landratsamt – der Breitbandausbau bleibt vielerorts also eine Geduldsprobe.
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