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Essingens Weg zur Klimaneutralität könnte bis zu 640 Millionen Euro kosten

Дата публикации: 07-10-2026 12:00:00

Essingen will bis 2040 klimaneutral werden. Ein neuer Masterplan zeigt, was dafür nötig ist – und welche finanziellen Herausforderungen auf die Gemeinde zukommen.

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Stand: 07.10.2026, 16:03 Uhr

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Auf dem Weg zur Klimaneutralität müssten auch die Bürger ihre Fahrzeuge auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Dafür brauche es allerdings auch eine entsprechende Ladeinfrastruktur. (Symbolbild)

Auf dem Weg zur Klimaneutralität müssten auch die Bürger ihre Fahrzeuge auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Dafür brauche es allerdings auch eine entsprechende Ladeinfrastruktur. (Symbolbild) © dpa

Essingen will bis 2040 klimaneutral werden. Ein neuer Masterplan zeigt, was dafür nötig ist – und welche finanziellen Herausforderungen auf die Gemeinde zukommen.

Essingen. Die Energiewende könnte Essingen in den kommenden Jahren geschätzte 640 Millionen Euro kosten. „Das ist eine gigantische Summe“, sagte ein überraschter Bürgermeister Wolfgang Hofer in der jüngsten Gemeinderatssitzung (01.10.). Auch im Gremium sorgte die Zahl zunächst für erstaunte Gesichter. Doch Jannik Kett von der N!Kom, die für Essingen einen Masterplan zur „Klimaneutralität“ ausgearbeitet hat, ordnete die Summe ein und beruhigte die Gemüter – zumindest ein bisschen: Die 640 Millionen Euro umfassen nicht nur Ausgaben der Gemeinde, sondern auch Investitionen von Bürgern sowie von Industrie und Gewerbe. „Das muss man richtig einordnen“, sagte Kett. Zudem seien rund 75 Prozent davon sogenannte „Sowieso-Kosten“ – Ausgaben also, die in den kommenden Jahren ohnehin anfallen würden. Lediglich rund ein Viertel der Summe müsse tatsächlich zusätzlich investiert werden. Das sind allerdings immer noch rund 160 Millionen Euro.

Hintergrund: Die Gemeinden in Baden-Württemberg sollen nach den gesetzlichen Vorgaben von Bund und Land bis ins Jahr 2040 klimaneutral werden. Das heißt, dass zu diesem Zeitpunkt keine Treibhausgasemissionen mehr freigesetzt werden sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Gemeinde Essingen bereits eine Kommunale Wärmeplanung erstellen lassen. In diesem Rahmen wurden detaillierte Daten zu Energieverbräuchen, Heizsystemen und Gebäudestrukturen im Gemeindegebiet erfasst und daraus Handlungsmaßnahmen abgeleitet. Um allerdings die Klimaneutralität erreichen zu können, so Kett, reiche das nicht aus. Es müssten auch die Stromerzeugung und der Verkehr betrachtet werden. 

Wie viel Energie brauchen die Essinger?

Für die Erstellung des Masterplans hat die N!Kom daher seit Anfang des Jahres eine Bestandsanalyse des Energieverbrauchs in den verschiedenen Bereichen durchgeführt – als Grundlage für die Berechnung dienten Zahlen aus 2024. Das Ergebnis: Der gesamte Energiebedarf in Essingen liegt derzeit bei rund 164 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr, während jährlich etwa 33.332 Tonnen Treibhausgasemissionen entstehen.

Die Gemeinde Essingen setzt bereits auf erneuerbare Energien: In der Ortsmitte gibt es ein Nahwärmenetz, zudem wurden mehrere öffentliche Gebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. (Archivbild)

Die Gemeinde Essingen setzt bereits auf erneuerbare Energien: In der Ortsmitte gibt es ein Nahwärmenetz, zudem wurden mehrere öffentliche Gebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. (Archivbild) © Jan Sigel

Um die Klimaneutralität zu erreichen, hat die N!Kom nun zwei Transformationsszenarien entwickelt. Das erste setzt auf die konsequente Elektrifizierung möglichst vieler Bereiche – insbesondere durch Wärmepumpen und Elektromobilität. Der zweite Weg sieht einen stärkeren Einsatz erneuerbarer gasförmiger Energieträger wie Wasserstoff vor. 

Welche Investitionen sind notwendig?

Um die Klimaneutralität in Essingen zu erreichen, ist nach Ansicht der N!Kom ein deutlicher Ausbau der Stromerzeugung notwendig, da der Strombedarf künftig deutlich steigen werde, erklärte Kett. Auch die Wärmeerzeugung müsse ausgebaut und zugleich auf klimafreundlichere Technologien umgestellt werden. Zudem müssten rund 6300 Fahrzeuge auf emissionsfreie Antriebe umgestellt werden. Dafür sei eine entsprechende Ladeinfrastruktur notwendig. Darüber hinaus müssten mindestens 220 Gebäude an Wärmenetze angeschlossen, das Stromnetz insgesamt ertüchtigt und gegebenenfalls ein Wasserstoffnetz für die Industrie ausgebaut werden.

Für die Gemeinde hat die N!Kom daraus eine Umsetzungsstrategie entwickelt. An erster Stelle stehe dabei, den Energieverbrauch zu senken. Ein wichtiger Ansatz sei etwa die energetische Sanierung kommunaler Gebäude. Gleichzeitig müssten neue lokale Energiequellen erschlossen werden – beispielsweise durch Photovoltaikanlagen, Windkraft und den Ausbau von Wärmenetzen. Die erzeugte Energie müsse anschließend möglichst effizient und optimal genutzt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Bürgerschaft. Sie müsse auf dem Weg zur Klimaneutralität mitgenommen und umfassend informiert werden, erklärte Kett. Dafür seien entsprechende Anreize und Unterstützungsangebote notwendig, damit auch private Haushalte ihren Beitrag zur Energiewende leisten können. Welche der vorgeschlagenen Maßnahmen letztlich umgesetzt werden, steht allerdings noch nicht fest. Bislang handelt es sich nur um Empfehlungen der N!Kom.

Klar sei allerdings, so Bürgermeister Wolfgang Hofer, „dass wir uns umstellen müssen“. Die Themen Energiewende und Klimaneutralität „werden auf uns zukommen – und nichts tun bringt uns auch nicht weiter“. Gleichzeitig müsse die Gemeinde aber besonnen planen, „damit wir uns finanziell nicht übernehmen“. Denn der Weg zur Klimaneutralität wird für Essingen nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch eine erhebliche finanzielle Herausforderung.

Energiewende – was bedeutet das für die GEO?

Die Energiewende könnte auch Folgen für die Gesellschaft für Energieversorgung Ostalb mbH (GEO) haben. Der regional tätige Energieversorger ist zu 100 Prozent kommunal getragen und versorgt unter anderem die Gemeinden Essingen, Oberkochen und Heubach. Vor diesem Hintergrund richtete sich der Blick im Gemeinderat auch auf das Gasnetz, das in Essingen bislang eine wichtige Rolle spielt: „Setzen wir weiter aufs Gasnetz oder auf Strom?", wollte Helmut Borst (Freie Wählervereinigung) von Jannik Kett von der N!Kom wissen. Die Antwort fiel eindeutig aus: „Diese Entscheidung wird Ihnen abgenommen.“ Kett geht davon aus, dass Strom künftig das zentrale Medium der Energieversorgung sein wird. „Das Gasnetz stirbt“, sagte er. Gründe dafür seien unter anderem steigende Gaspreise und die zunehmende Zahl von Kunden, die sich von der Gasversorgung abwenden. Dr. Matthias Krull (CDU/Freie Bürger) stellte daraufhin die naheliegende Frage: „Was machen wir mit unserer GEO?“ Eine Antwort darauf gibt es bislang nicht.

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