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Archäologen graben auf geplantem Klinikgelände in Essingen – und werden fündig

Дата публикации: 04-10-2026 15:56:00

Auf dem Gelände für den neuen Klinikstandort in Essingen graben Archäologen nach Spuren der Vergangenheit. Was sie dort im Boden gefunden haben – und was das für den Neubau bedeutet.

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Stand: 04.10.2026, 17:56 Uhr

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Luftaufnahme des kleinen Grabhügels: Die kreisrunde Struktur (Bildmitte) ist nach den Ausgrabungen aus der Luft deutlich zu erkennen. In diesem Bereich finden die Archäologen auch kleinere Streufunde.

Luftaufnahme des kleinen Grabhügels: Die kreisrunde Struktur (Bildmitte) ist nach den Ausgrabungen aus der Luft deutlich zu erkennen. In diesem Bereich finden die Archäologen auch kleinere Streufunde. © Benny Rieger, Ostalb-Archäologie

Auf dem Gelände für den neuen Klinikstandort in Essingen graben Archäologen nach Spuren der Vergangenheit. Was sie dort im Boden gefunden haben – und was das für den Neubau bedeutet.

Essingen. Sechs Goldmünzen mitten auf einem Acker – das klingt zunächst nach einem Glücksfall. Für einen kurzen Moment scheint es, als hätten die Archäologen auf der geplanten Klinikfläche in Essingen einen besonderen Fund gemacht. Doch für Dana Herrmann von der Ostalb-Archäologie GbR und für Dr. Felicitas Schmitt vom Landesamt für Denkmalpflege ist schnell klar: Es handelt sich nur um Spielzeugmünzen, die irgendwer in einer Nacht- und Nebelaktion in den Grabungsschnitten verteilt hatte. „Wir mussten dennoch darüber schmunzeln“, sagt Herrmann.

Gefunden haben die Archäologen im Rahmen der seit Ende August andauernden Ausgrabungen trotzdem etwas: „Der Verdacht, dass sich auf dem Gelände Spuren von Grabhügeln aus der frühen Eisenzeit (800 bis 400 v. Chr.) oder der späten Bronzezeit (1200 bis 800 v. Chr.) befinden, hat sich bestätigt“, sagt Schmitt. Erste Hinweise darauf hatten Luftaufnahmen im Sommer 1993 geliefert. Darauf waren zwei kreisrunde Strukturen mit etwa 15 und 35 Metern Durchmesser zu erkennen. Auch die landwirtschaftliche Nutzung des Ackers hatte immer wieder Spuren aus der Vergangenheit ans Licht gebracht – darunter Keramikscherben und ähnliche Funde.

Wolfgang Hofer, Dr. Felicitas Schmitt und Dana Herrmann (v.l.) schauen sich die kleinen Fundstücke an, die die Archäologen im Gewann Steinriegel ausgegraben haben.

Wolfgang Hofer, Dr. Felicitas Schmitt und Dana Herrmann (v.l.) schauen sich die kleinen Fundstücke an, die die Archäologen im Gewann Steinriegel ausgegraben haben. © Oliver Giers

Die Grabungen brachten nun Gewissheit. Die großen Kreise im Boden sind also tatsächlich Spuren vergangener Kulturen. Und dennoch: „Es ist kein exzeptionelles Denkmal“, sagt Schmitt. Die Grabhügel sind also weder außergewöhnlich noch besonders gut erhalten. „Da gibt es in Baden-Württemberg weitaus besser erhaltene Gräber.“

Holzkohlereste und Schädelfragmente

Auch weitere Grabungen im Bereich des kleineren Kreises brachten „keine archäologisch relevanten Funde“ zu Tage, sagt Schmitt. Was blieb, waren einzelne Streufunde: Holzkohlereste, Bruchstücke von Werkzeugen, Keramik und ein paar wenige Schädelfragmente – allesamt nur wenige Zentimeter groß und für ein ungeschultes Auge kaum zu erkennen. Überraschend dabei: Einige der Funde stammen offenbar aus der Jungsteinzeit, mit der die Experten an dieser Stelle gar nicht gerechnet hatten. Wie alt die Fundstücke tatsächlich sind, soll nun eine Radiokarbondatierung klären. Anschließend werden sie dokumentiert und im Zentralen Fundarchiv in Rastatt eingelagert.

Der größere Grabkreis wird derzeit noch untersucht. Bedeutende weitere Funde sind allerdings auch dort bislang ausgeblieben. Etwas südlich des Grabkreises konnten die Archäologen jedoch eine große und eine kleine Pfostengrube aus römischer Zeit dokumentieren. Die Spuren auf dem Acker reichen damit über mehrere Epochen hinweg. Römische Zeugnisse sind auf Essinger Gemarkung dabei keine Seltenheit – bereits an anderer Stelle wurden Zeugnisse dieser Zeit entdeckt.

Obwohl der große Fund ausblieb: Für Schmitt sind die Ergebnisse trotzdem nicht enttäuschend. Natürlich hätte sie gerne ein intaktes Grab, ein menschliches Skelett oder Beigaben wie Waffen oder Rüstungen gefunden. „Als Wissenschaftlerin ist das ganz normal“, sagt sie. Mit einem solchen Fund rechnet die Archäologin inzwischen allerdings nicht mehr. Bis Mitte Oktober wollen die Archäologen ihre Untersuchungen im Gewann Steinriegel beendet haben.

Der entdeckte Ring des Grabes wird mit Planen abgedeckt und geschützt.

Der entdeckte Ring des Grabes wird mit Planen abgedeckt und geschützt. © Oliver GiersWas das für den Klinik-Neubau bedeutet

Was bedeutet das nun für den geplanten Klinik-Neubau? „Der Erschließung und dem Bauvorhaben steht aus unserer Sicht nichts im Weg“, sagt Schmitt. Die archäologische Untersuchung habe „nichts Überraschendes“ zutage gefördert. Sogenannte Rettungsgrabungen, die den geplanten Bau deutlich hätten verzögern können, seien daher nicht notwendig. Dennoch wird das Landesamt für Denkmalpflege den geplanten Klinikbau weiter begleiten und überwachen, damit „nichts unvorhergesehen weggegraben wird“, so die Archäologin weiter.

Für die Gemeinde und das Bauvorhaben ist damit eine wichtige Hürde genommen. Bürgermeister Wolfgang Hofer freut sich aber nicht nur darüber, dass es keine unerwarteten Überraschungen gegeben hat. Sondern auch über die Funde. „Das sind kleine Schätze“ und seien für die Ortsgeschichte von Essingen durchaus von Bedeutung. Gleichzeitig betont er die gute Zusammenarbeit mit der Grabungsfirma Ostalb-Archäologie aus Neresheim und dem Landesamt für Denkmalpflege. Sein besonderer Dank gilt aber auch den Eigentümern und Pächtern der Ackerflächen, die ihre Flächen für die Grabungen zur Verfügung gestellt und die Arbeiten unterstützt haben.

Ganz verschwinden sollen die Spuren der Vergangenheit übrigens nicht: Es gibt bereits erste Überlegungen, auf dem künftigen Klinikgelände mit Informationstafeln auf die ehemaligen Kreisgräber und die Funde hinzuweisen.

Archäologische Ausgrabungen in Essingen – wer trägt die Kosten?

Mit den Ausgrabungsarbeiten wurde die Ostalb-Archäologie GbR aus Neresheim beauftragt. Ihr Angebot lag bei 110.418 Euro brutto. Bei der Maßnahme kommen unter anderem ein 20 Tonnen schwerer Kettenbagger und ein Minibagger zum Einsatz. Zusätzlich zu den Kosten der ausführenden Firma rechnet die Gemeinde Essingen mit rund 12.500 Euro für die Begleitung durch das Landesdenkmalamt und die Vermessung der Untersuchungsbereiche. Insgesamt werden die Kosten damit auf rund 123.000 Euro brutto geschätzt.

Die Kosten für die archäologischen Untersuchungen trägt zunächst die Gemeinde Essingen. Weil die Maßnahme allerdings überwiegend auf dem künftigen Klinikgelände stattfinden, soll ein großer Teil der Summe später vom Landkreis beziehungsweise den Kliniken Ostalb übernommen werden.

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