Unser Autor hat sich kürzlich auf eine Gruppenreise mit Reiseleiter begeben. Dabei hat er sich Gedanken über Freiheit und Zwang gemacht.
16.10.2026 · 12:01 Uhr
Unser Autor hat für sich festgestellt, dass ihm beim Urlaub mit einer Reisegruppe Freiheit fehlt. (Symbolbild)
Foto: dpa/Alexander HeinlKolumne | Mönchengladbach · Unser Autor hat sich kürzlich auf eine Gruppenreise mit Reiseleiter begeben. Dabei hat er sich Gedanken über Freiheit und Zwang gemacht.
Einige Gedanken zum Thema Fremd- und Selbstbestimmung und wie nah sie beieinanderliegen (können):
Meine Frau und ich haben in diesem Sommer zum ersten Mal eine Busreise mit einer Reisegruppe unternommen – eine Skandinavien-Rundreise bis hin zum Nordkap. Eine ganz und gar freiwillige, also selbstbestimmte Entscheidung – mit dem Wissen, eher mit der Ahnung, dass man sich einem Gruppenzwang unterwirft und es vom Programmablauf kein Erholungsurlaub werden wird. Aber genauso mit dem guten Gefühl, dass man sich um nichts kümmern braucht sowie vermutlich überwältigende neue Eindrücke gewinnen kann.
Was das konkret bedeutet, erfährt man im wahrsten Sinne des Wortes erst unterwegs. Wir haben in allen Hauptstädten eine Stadtrundfahrt gemacht, aber so gut wie keine zusätzliche Zeit zur Erkundung auf eigene Faust gehabt. Ich konnte durchweg die Landschaft genießen und saß nicht selbst am Steuer – doch die Bedeutung von zehn oder elf Stunden täglich im Bus mit sehr wenig Bewegung ist die Kehrseite.
Und jeden Abend kurz vor Ankunft dann der Spruch des Scharfrichters (andere nannten ihn Reiseleiter): „Morgen wieder Abfahrt 8 Uhr“ – was im Urlaub bedeutet, allerspätestens um 6.30 Uhr raus aus den Federn. Das muss man wirklich wollen – es war unsere eigene freie Entscheidung.
Wir haben festgestellt, dass das dann doch nicht unsere Art von Urlaub ist, so angenehm die Gruppe und toll die Reise auch war – uns fehlte etwa das selbstbestimmte Anhalten oder längere Verweilen an schönen Plätzen.
Wir leben – Gott sei Dank! – in einem Land, in dem wenig Zwänge herrschen. Nein, keiner muss Vegetarier sein und zwangsweise auf Fleisch verzichten, auch nicht einen Tag. Nein, niemand verbietet Kreuzfahrten oder Benzinautos oder Flüge, wir haben noch nicht einmal ein Tempolimit wie all unsere Nachbarn. Und ja, ich darf meine Meinung sagen und demonstrieren.
Ich darf einen Lebensstil pflegen, der mir gefällt, kann an Gott glauben oder nicht, kann Single sein oder einen anderen Menschen jeder Couleur lieben. Und werde vom Staat unterstützt, wenn ich Hilfe brauche.
Von den Einwohnern der 195 Staaten dieser Erde würden sicher Menschen aus 170 Ländern gerne in Deutschland leben. Ich rufe dazu auf, sich diesen Umstand wieder mehr ins Bewusstsein zu rufen. Das ist der wahre Wert unseres Landes.
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