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Infoveranstaltung beim VdK Hornbach: „Ich bin absolut überzeugt von der Inklusion“

Дата публикации: 16-10-2026 15:16:36




Der Zweibrücker spricht über die Alltagsprobleme von Menschen mit Sehbehinderung.



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Infoveranstaltung beim VdK Hornbach „Ich bin absolut überzeugt von der Inklusion“

Zweibrücken · Der Zweibrücker spricht über die Alltagsprobleme von Menschen mit Sehbehinderung.

16.10.2026 , 17:16 Uhr

Mit seiner Firma ist Raphael Netolitzky im Bereich der Hilfsmittel für Menschen mit Sehschädigung tätig. Der VdK Hornbach veranstaltet mit seiner Unterstützung eine Infoveranstaltung für Betroffene.

Foto: Raphael Netolitzky

Eine Infoveranstaltung für Menschen mit Sehschädigung bietet der VdK Hornbach am Samstag, 24. Oktober, an. Neben dem Blinden- und Sehbehindertenbund Pfalz ist an diesem Tag Raphael Netolitzky zu Gast, der mit seiner Firma „EYET4U“ Hilfsmittel für Menschen mit Sehschädigung vorstellt.

Wie steht es um die Teilhabe sehgeschädigter Menschen in Deutschland?

Raphael Netolitzky: Teilhabe ist ein dehnbarer Begriff, der in der Gesellschaft nur mäßig funktioniert. Teilhabe müssen wir uns selbst erarbeiten. Ein Beispiel sind Baumaßnahmen, zum Beispiel Leitsysteme an Bushaltestellen. Die Bauämter machen das ohne Rücksprache. Oft fühlt man sich kompetent, ohne die Betroffenen zu fragen, auch in der Politik übrigens. In Zweibrücken gibt es eine Bushaltestelle, da steht direkt am Leitstreifen ein Schild. Wenn ich das Schild mit meinem Stock nicht erreiche, stoße ich mit der Schulter dran. Ein anderes Problem ist die Ausgleichsabgabe, die Unternehmen zahlen, wenn sie keinen beeinträchtigten Menschen einstellen – die ist lächerlich gering. Wenn man dann doch eingestellt wird, geschieht es oft, dass unsere Leistungsfähigkeit unterschätzt wird. Die Gesellschaft ist auf uns weder vorbereitet noch eingestellt.

Was bieten Sie in Ihrer Firma an?

Netolitzky: Nachdem ich von 2008 bis 2015 als Filialleiter eines Herstellers von Braillezeilen dessen Kölner Filiale betreut habe, habe ich mich im Januar 2016 selbständig gemacht und habe seitdem die Firma „EYET4U“, mit der ich zum einen im Bereich der Hilfsmittel für Menschen mit Sehschädigung tätig bin, zum anderen Beratungen im Kunst- und Kulturbereich durchführe. Da ich von Haus aus Sozialarbeiter bin, beschäftige ich mich auch im Bereich der Hilfsmittelberatung in ganzheitlicher Hinsicht mit der Problematik von Menschen mit Sehbehinderung. Nicht nur die Beschaffung der Technik ist hier von Bedeutung, sondern die richtige Auswahl mit Blick auf den Lebenskontext der betreffenden Person. Mir ist es wichtig, zu erkennen, was mein Kunde in seiner jetzigen Lebensphase benötigt. Ich bin technisch blind, das heißt, ich habe nur einen kleinen Sehrest. Da bringe ich auch viel eigene Erfahrung ein. Mit meiner Selbstständigkeit habe ich mir das Recht auf Selbstentfaltung erarbeitet. Es war eine Flucht nach vorne. Früher habe ich mich zurückgezogen, heute gehe ich nach außen.

Funktioniert die Inklusion in deutschen Schulen?

Netolitzky: Ich komme aus Zweibrücken und wurde 1975 eingeschult, da gab es keine Inklusion. Ich bin auf die Blindenschule in Lebach gegangen. Heute bin ich absolut überzeugt von der Inklusion, von dem Gedanken, nicht unbedingt, wie sie verwirklicht wird. In der Regelschule habe ich einen stärkeren Wettbewerb, das schlägt sich auch in den Noten nieder – die könnten schlechter ausfallen als in einer Blindenschule. Aber die soziale Komponente einer Regelschule ist unersetzlich. Man lernt, miteinander zu kommunizieren. Ich, der ich in einer Blindenschule sozialisiert wurde, hatte das im Studium als schwierig empfunden, ich war immer anders. Das ist ein Manko, das mich durch mein Leben begleitet. Die Inklusion, so wie sie bei uns ausgestaltet wird, ist – Entschuldigung, dass ich das sage – ein gesellschaftliches Verbrechen. Die Schulen wurden mit der Aufgabe komplett alleine gelassen, die Lehrer sind überfordert. So kann Inklusion nicht gelingen. Ich sehe viele junge Menschen, die schlau sind, aber sie scheitern in der Regelschule. Sie bekommen psychische Probleme, die durch ihr Anderssein verursacht werden. Trotzdem könnte man das System retten, doch der politische Wille und das Geld fehlen. Eine Heftpflasterpolitik ist leichter.

Was würden Sie sich wünschen?

Netolitzky: Deutschland ist sozial im Rohbau. Mir fehlt eine flächendeckende Grundidee, in der Betroffene sicher sein können und die Gesellschaft darauf aufmerksam gemacht wird – es gibt uns. Wir sind Kollegen, Stammtischbrüder, Nachbarn.

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