Seit 40 Jahren hilft der Frauennotruf Saarland denen, die Gewalt oder Missbrauch erlebt haben und die jemanden zum Zuhören brauchen. Annika Knerr und Sonja Bader sprechen über ihre Arbeit und darüber, wie das Hilfsangebot manchmal ein Licht in der Dunkelheit sein kann.
Saarbrücken · Seit 40 Jahren hilft der Frauennotruf Saarland denen, die Gewalt oder Missbrauch erlebt haben und die jemanden zum Zuhören brauchen. Annika Knerr und Sonja Bader sprechen über ihre Arbeit und darüber, wie das Hilfsangebot manchmal ein Licht in der Dunkelheit sein kann.
17.10.2026 , 19:51 Uhr
Sozialarbeiterin Annika Knerr (links) und Sonja Bader in der Beratungsstelle des Frauennotrufs in Saarbrücken.
Foto: BeckerBredelIn den gemütlichen Räumlichkeiten des Frauennotrufs fällt sofort die warme und einladende Atmosphäre auf. Schnell wird deutlich: Hier ist ein sicherer Ort. In der Nauwieserstraße 19 in Saarbrücken berät der Frauennotruf Saarland Menschen ab 18 Jahren, die sexualisierte oder geschlechtsspezifische Gewalt erlebt haben.
Ein Anruf beim Frauennotruf kann für viele Betroffene der erste Schritt sein, mit dem Erlebten umzugehen. Das Angebot ist kostenlos, vertraulich und gerne anonym. Kontakt ist telefonisch, persönlich nach Terminvereinbarung oder über die Onlineberatung möglich. Annika Knerr ist Sozialarbeiterin: „Uns ist wichtig, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem Frauen ernst genommen werden und selbst entscheiden, was sie erzählen möchten und welche Schritte für sie richtig sind.“
Zum Angebot gehören unter anderem Beratung nach Vergewaltigungen, sexueller Belästigung, häuslicher und psychischer Gewalt, Stalking oder sexualisierter Gewalt in der Kindheit. Auch Angehörige, Bezugspersonen und Fachkräfte können sich an die Beratungsstelle wenden. Dabei spielt es keine Rolle, wann die Gewalt stattgefunden hat. Auch eine Anzeige bei der Polizei ist keine Voraussetzung. Gerade das selbstbestimmte Vorgehen sei wichtig, erklärte Knerr: „Gewalt bedeutet häufig einen massiven Verlust von Kontrolle und Selbstbestimmung.“
Wie groß der Bedarf ist, zeigen die Zahlen: 2025 verzeichnete man 1.706 Beratungskontakte, darunter 328 Erstkontakte. Besonders häufig ging es um häusliche oder partnerschaftliche Gewalt sowie um Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt. „Eine vollkommen trennscharfe Zuordnung ist häufig gar nicht möglich, weil verschiedene Gewaltformen miteinander einhergehen können“, erklärt die Sozialarbeiterin. Wie die Unterstützung konkret aussehen kann, hängt vom Einzelfall ab. Nach einer Vergewaltigung können die Mitarbeiterinnen über die Möglichkeit einer vertraulichen Spurensicherung informieren. Auf Wunsch begleiten sie Betroffene zu medizinischen Untersuchungen, zur Polizei oder später im Strafverfahren. „Unser Ziel ist nicht, einen bestimmten Weg vorzugeben, sondern dabei zu unterstützen“, sagt Knerr.
Seit 1986 gibt es den Frauennotruf Saarland. Das Team besteht aus fünf Mitarbeiterinnen mit unterschiedlichen fachlichen Qualifikationen und einer Verwaltungskraft. „Viele denken bei dem Thema nur an gewaltvolle und schwere Themen, das ist auch Bestandteil der Arbeit, aber gleichzeitig haben wir hier auch das Privileg, viele mutige Frauen kennenzulernen und zu begleiten. Es gibt das Licht in der Dunkelheit“, erzählt Knerr über ihre Arbeitserfahrungen.
Neben der Beratung gehören auch Prävention, Fortbildungen und Öffentlichkeitsarbeit zur Arbeit der Einrichtung. Träger ist die „Notrufgruppe für vergewaltigte und misshandelte Frauen und Mädchen“. Die Arbeit wird zu 95 Prozent vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit finanziert. Für die Zukunft wünscht sich Knerr vor allem mehr gesellschaftliche Sensibilisierung und verlässliche Hilfsstrukturen.
Ihre wichtigste Botschaft ist jedoch unmittelbar: „Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen Gewalt anzutun. Wir wissen gleichzeitig, dass der erste Schritt in eine Beratungsstelle sehr schwer sein kann. Man muss bei uns aber weder bereits wissen, wie es weitergehen soll, noch muss man sich sicher sein, ob das Erlebte ‚schlimm genug‘ war. Genau dafür ist Beratung da.“ (brn/ceh)
Der Frauennotruf ist unter Telefon (0681) 3 67 67 erreichbar. Die telefonische Direktberatung findet montags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr sowie dienstags und freitags von neun bis zwölf Uhr statt. Auch außerhalb dieser Zeiten kann eine Nachricht hinterlassen werden. Die Kontaktaufnahme über die Internetseite www.frauennotruf-saarland.de ist jederzeit möglich.
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