Ab dem Herbst steigt die Zahl der Erkältungen deutlich an. Stiftung Warentest hat die Wirkung von Hustenmitteln getestet. Wir verraten, wie die Tabletten und Säfte abschneiden und welche Hausmittel generell bei Erkältung helfen.
Bonn · Ab dem Herbst steigt die Zahl der Erkältungen deutlich an. Stiftung Warentest hat die Wirkung von Hustenmitteln getestet. Wir verraten, wie die Tabletten und Säfte abschneiden und welche Hausmittel generell bei Erkältung helfen.
09.10.2026 , 08:46 Uhr
Die Stiftung Warentest hat Mittel gegen Husten unter die Lupe genommen - und empfiehlt nur wenige.
Foto: dpaOb Husten, Schniefen oder Niesen: Im Herbst beginnt die Erkältungssaison, das Robert Koch-Institut (RKI) nennt Ende September/Anfang Oktober als offiziellen Start. Millionen Menschen kämpfen dann in den folgenden Wochen und Monaten mit Atemwegsinfektionen, rund 5,6 Millionen Betroffene sind es aktuell pro Woche, wie das RKI Anfang Oktober schreibt. Die meisten Betroffenen einer Erkältung klagen laut einer Umfrage des Statistikportals Statista über Husten. Doch was hilft dagegen? Die Stiftung Warentest hat Hustenmittel unter die Lupe genommen. Wir zeigen, wie der Test ausgefallen ist, und verraten, welche Hausmittel bei Husten und anderen Erkältungssymptomen helfen.
Sieben bis neun Tage dauert es meist von den ersten Symptomen bis zu deren Abklingen. Darauf machen beispielsweise verschiedene Krankenkassen und die Organisation Stiftung Gesundheitswesen aufmerksam. Halsschmerzen und Halskratzen sind die ersten Anzeichen einer Erkältung, die in der Regel einem bestimmten Muster folgt. Nach einem bis zwei Tagen kommt dann der Schnupfen hinzu sowie Kopf- oder Gliederschmerzen. Letztes Symptom ist dann der Husten.
Die meisten Symptome sind in den ersten fünf Tagen am stärksten und klingen nach rund einer Woche ab. Hartnäckigen Husten sind viele Betroffene manchmal aber auch erst nach einigen Wochen los. Die Experten weisen darauf hin, dass der Verlauf jedoch sehr individuell ist und die Symptome von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt sein können.
27 rezeptfreie Hustenmittel hat die Stiftung Warentest in der Novemberausgabe 2025 unter die Lupe genommen. Darunter waren auf der einen Seite Hustenstiller, die speziell gegen den Reizhusten helfen sollen, und auf der anderen Seite Hustenlöser, die den Schleim lösen und das Abhusten erleichtern sollen. Die Preise der Medikamente reichen von 2,15 bis 14,80 Euro pro Packung, die Mittel erhalten pflanzliche oder synthetische Wirkstoffe und sind in Drogerien oder Apotheken erhältlich.
Einen oder mehrere Testsieger hat das Verbrauchermagazin nicht ermitteln können. Stattdessen fällt das Urteil ernüchternd aus: „Das Geld für Hustenmittel können sich Verbraucher in der Regel sparen“, heißt es im Testbericht. Das gilt besonders für die Hustenstiller. Alle 13 Mittel fallen im Test durch. Der Grund sei, dass die Wirkstoffe nicht ausreichend nachgewiesen seien. Das gelte sowohl für die pflanzlichen als auch für die synthetischen Mittel. Bei den 14 Hustenlösern sieht es etwas besser aus; sie sind dem Test zufolge „mit Einschränkung geeignet“. Eine Wirkung sei zwar nachgewiesen, die sei aber nur gering, heißt es.
Bei Husten greifen viele Menschen zu Arzneimitteln. Ein Test von Stiftung Warentest zeigt jedoch, dass die Hustenmittel nur bedingt helfen.
Foto: picture alliance / dpa-tmn/Christin KloseDoch was hilft bei Husten? Ein Allheilmittel gibt es nicht, Erkältungen klingen von alleine wieder ab. Die beiden Tipps, die Mediziner wohl am häufigsten geben, sind viel Ruhe und viel trinken. Und generell hilft vorbeugend eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Viele Menschen greifen darüber hinaus zu Hausmitteln, um die Symptome zu lindern. Helfen können Arzneipflanzen. „Ein Gemisch aus Thymian und Primelwurzel, das Hustenbeschwerden lindert und die Krankheitsdauer verkürzt“, sei sehr hilfreich und auch gut erforscht, sagt Heidi Braunewell, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Phytotherapie, der Deutschen Presse-Agentur.
Ebenso können ätherische Öle, Badezusätze oder Tees mit Salbei, Pfefferminze, Spitzwegerich, Eibisch, Efeu, Sülzholzwurzel und Fenchel wirksam sein. Während Efeu beispielsweise bei bronchialen Infekten helfe und krampfartigen Husten löse, wirke Süßholzwurzel entzündungshemmend und schleimlösend, erklärt Braunewell. Zum Einsatz gegen die Erkältung kommen häufig auch Kapuzinerkresse, Meerrettich und Ingwer. „Es gibt Studien, die belegen, dass durch diese Scharfstoffe Erkältungen abgekürzt werden können“, sagt Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel-Krankenhaus Berlin und Stiftungsprofessor für Naturheilkunde an der Berliner Charité.
Die Arzneipflanzen können auch als Zusätze beim Inhalieren genutzt werden, wie die AOK und die Stiftung Gesundheitswesen informieren. Der heiße Wasserdampf befeuchte die Schleimhäute in den Atemwegen und könne den Schleim verflüssigen. „Damit unterstützt das Inhalieren die natürliche Reinigungs-Funktion der Schleimhaut.“
Zu den ältesten Hausmitteln bei Husten zählt Honig, den wir in einer früheren Verbraucherblickausgabe unter die Lupe genommen haben. Und das zu Recht, wie Michalsen sagt. Honig habe eine entzündungshemmende, antibakterielle und antivirale Wirkung. Zudem rege Honig den Speichelfluss an und lege sich wie ein (Schutz-)Film über die Schleimhäute, schreiben die AOK und Ökotest. Die Stiftung Gesundheitswesen macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: Studien hätten gezeigt, dass Honig Kindern bei akutem Husten helfen kann. Der Husten trete weniger heftig und seltener auf, auch der Schlaf könne verbessert werden. Allerdings dürfen Kleinkinder unter einem Jahr keinen Honig zu sich nehmen.
Am Ende stellt sich noch die Frage, welcher Honig es denn sein soll. Während die AOK zum vergleichsweise teuren Manuka-Honig rät (Grund ist ein hoher Gehalt an Methylglyoxal), macht die Wahl des Honigs für Michalsen keinen Unterschied. Jeder Honig habe im Grunde dieselben Eigenschaften, Verbraucherinnen und Verbraucher sollten bestenfalls auf Bio-Qualität achten, meint der Mediziner.
Bei Erkältungen helfen soll die Hühnersuppe. Sie kann bei Erkältungen wohltuend sein und dem Körper Energie liefern. Laboruntersuchungen deuten laut der Stiftung Gesundheitswesen sogar auf eine antientzündliche Wirkung hin. Beleg für die Wirksamkeit der Suppen gebe es jedoch nicht, weil entsprechende Studien fehlen.
Wenn die Nase läuft oder verstopft ist, kann eine Nasendusche helfen. Die Nase wird mit einer Kochsalzlösung durchgespült, sodass der Schleim verflüssigt wird und abfließen kann. Zudem soll sie die Krankheitserreger nach außen spülen. Studien zeigen tatsächlich einen leicht positiven Effekt, schreibt die Stiftung.
Generell sind Wärmeanwendungen ein beliebtes – und häufig auch hilfreiches – Mittel, wie bereits das Inhalieren zeigt. Ein Fußbad aus Wasser und ein wenig Senfmehl oder Ingwerpulver kann die Durchblutung fördern. „Man weiß, dass die Temperatur der Füße auch die Temperatur in der Mund- und Rachenschleimhaut bestimmt“, sagt Andreas Michalsen, der dem Hausmittel einen abwehrstärkenden Effekt zuschreibt. Auch Halswickel können die Durchblutung ankurbeln und eine ähnliche Wirkung haben.
17 der 27 von Stiftung Warentest getesteten Arzneimittel sind nur in der Apotheke erhältlich, das Verbrauchermagazin wählte nach eigenen Angaben anhand einer Marktanalyse die zehn meistverkauften Produkte aus. Bei den anderen zehn Produkten aus der Drogerie wurden bekannte Marken mit entsprechender Präsenz berücksichtigt. Auf der Basis wissenschaftlicher Literatur erfolgte die Beurteilung der Hustenmittel. Zwei Gutachterinnen und ein Gutachter suchten nach Studien und prüften, „ob günstige Effekte der Produktwirkstoffe gegen Husten belegt und ob Nutzen und Risiken aller Mittel ausreichend geklärt sind.“
Darüber hinaus bat Stiftung Warentest die Anbieter zusätzlich um Studien, „die den medizinischen Nutzen ihrer Produkte für die deklarierten Effekte und Werbeaussagen belegen.“ Details zum Vorgehen beim Testen von Medikamenten hat die Stiftung Warentest ausführlich in diesem Artikel dargestellt.