Sein Roman „Schleifen“ ist ein Festival der Sprachlust. Für dieses Kunstwerk wurde der 32 Jahre alte Elias Hirschl nun mit dem Düsseldorfer Literaturpreis geehrt.
15.10.2026 · 07:53 Uhr
Düsseldorf · Sein Roman „Schleifen“ ist ein Festival der Sprachlust. Für dieses Kunstwerk wurde der 32 Jahre alte Elias Hirschl nun mit dem Düsseldorfer Literaturpreis geehrt.
Man könne Sprache beobachten wie ein Lebewesen, erklärt Elias Hirschl. Der 1994 in Wien geborene Autor erhielt im Forum der Stadtsparkasse den mit 20.000 Euro dotierten Düsseldorfer Literaturpreis. Man könne, so sagt er im Gespräch mit der Laudatorin und Leiterin des Literaturbüros NRW, Emily Grunert, beobachten, wie sie sich verändert, fortbewegt und fortpflanzt.
Hirschl wurde für seinen Roman „Schleifen“ ausgezeichnet, der auch auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis stand. Dessen Protagonistin Franziska Denk hat ein außergewöhnliches, nahezu manisches Interesse an Sprache. Jedoch nicht mehr zu Kommunikationszwecken, sondern, so Hirschl, als Gegenstand ihrer Obsession.
Vielleicht spricht er damit aber auch sein eigenes Interesse an der Sprache, die ihm zum Werkzeug wurde, an. Denn Hirschl ist Autor, klar, kommt aber ursprünglich aus dem Poetry-Slam, in dem es neben dem Schreiben eben auch um den Vortrag geht. Gleichzeitig schreibt er Musik und Texte für Bühnen und auch für das Radio. Und neben dem herausragenden Roman, der Philosophie, Mathematik und Linguistik, und mit diesen Fachgebieten eben auch das Kreieren und Kuratieren neuer Sprachen zum Thema hat, spielt Hirschl humorvoll, manchmal ein wenig nerdig, geekig, verschroben eben.
Seinem ausgezeichneten Roman „Schleifen“ gelingt noch mehr: Er macht deutlich, welche Macht Sprache haben kann, erklärte Grunert in ihrer Laudatio. Insbesondere dann, wenn Sprache jeglicher Interpretationsmöglichkeiten beraubt werde. Denn in einer Welt, in der Sprache die Realität bestimmt, würde die Frage, wer sprechen darf, und wer benennen, zu einer für uns und unsere Realität allzu bestimmende. „Eine Welt, in der alle dasselbe verstehen, wäre auch eine Welt, in der niemand von der festgelegten Interpretation der Mehrheit abweichen kann“, so Grunert.
Und damit gelingt Hirschl eben auch ein besonderer Blick auf den mancherorts aktuellen politischen Status quo. Hirschl nahm den Preis wortlos, fast ein wenig beschämt entgegen. Und wie zu Beginn der Veranstaltung, las der Autor auch zum Abschluss der Verleihung einen Auszug. Kurzweilig, unterhaltsam. Mit dem Satz „Ich steige gleich wieder ins Buch ein, das kann ich am besten“, griff er nach den neben sich liegenden 400 Seiten.
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