Chinas Autokonzerne bringen in immer kürzerer Zeit neue Modelle auf den Markt. Nun wollen die Behörden die Zulassung von Gimmicks wie versenkbaren Türgriffen, Sprachsteuerung und faltbaren Bildschirmen verschärfen – und damit die Produktzyklen verlängern.
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Chinas Autokonzerne bringen in immer kürzerer Zeit neue Modelle auf den Markt. Nun wollen die Behörden die Zulassung von Gimmicks wie versenkbaren Türgriffen, Sprachsteuerung und faltbaren Bildschirmen verschärfen – und damit die Produktzyklen verlängern.
17.10.2026, 05.30 Uhr
4 Leseminuten

Tomas Stevens / Imago
Die chinesische Regierung hat während der vergangenen Monate einiges versucht, um den ruinösen Preiskampf unter den Autoherstellern zu beenden. Sie hat stärkere Anbieter dazu angehalten, finanziell nicht mehr lebensfähige Unternehmen zu übernehmen. Die Zentralregierung hat ausserdem Druck auf die Lokalverwaltungen gemacht. Sie sollen Herstellerfirmen schliessen, die keine Aussicht auf Gewinne haben.
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Es hat offenbar nichts gebracht. Noch immer versuchen mehr als 100 Anbieter, sich mit immer billigeren Autos Kunden abzujagen. Allein während der ersten sechs Monate des laufenden Jahres haben die Hersteller 282 neue oder überarbeitete Elektro- und Hybridmodelle auf den Markt gebracht – im Durchschnitt 11 pro Woche. Es herrscht ein gnadenloser Kampf um Marktanteile. Einen kleinen Neuwagen gibt es bereits ab umgerechnet 5000 Franken.
Dabei wollen oder können sich immer weniger Chinesinnen und Chinesen ein Auto leisten. Während der ersten neun Monate des laufenden Jahres schrumpften die Verkäufe von Pkw im Jahresvergleich um 22 Prozent – und der Abwärtstrend hat sich jüngst noch beschleunigt. Allein im September fielen die Autoverkäufe um 28 Prozent. Die Hersteller machen trotzdem weiter.
Immer kürzere ProduktzyklenPeking will die Firmen jetzt deshalb mit neuen Vorschriften dazu zwingen, zumindest weniger neue Modelle in den Markt zu drücken. Dazu wollen die zuständigen Behörden die Ausstattungen neuer Pkw schärfer und über einen längeren Zeitraum kontrollieren. Bei allfälligen Mängeln wollen die Behörden die Lancierung der betroffenen Fahrzeuge sofort stoppen.
Mit dem Ziel, die Konkurrenten auszustechen, haben die Anbieter ihre Produktzyklen in letzter Zeit immer weiter verkürzt und, glaubt man den Behörden, bei der Sicherheit bisweilen geschlampt. In China sind Autos, die mit dieser Praxis produziert werden, als «rush-built cars» bekannt. Dem will Peking jetzt einen Riegel vorschieben.
Ins Visier nimmt die Regierung vor allem Gimmicks, die bei chinesischen Kunden so beliebt sind, wie etwa die ursprünglich von Tesla entwickelten versenkbaren Türgriffe, Sprachsteuerungen, mit denen sich etwa die Fenster heben und senken lassen, und faltbare LCD-Displays, auf denen die Insassen Spielfilme schauen können. Insgesamt haben die Aufsichtsbehörden 41 Features und Designs identifiziert, die sie künftig genauer unter die Lupe nehmen wollen.
Spektakuläre UnfälleNach offizieller Darstellung geht es der Regierung bei ihrem jüngsten Vorstoss ausschliesslich um die Sicherheit der Fahrzeuge und damit um den Schutz der Autokäufer. Im Umkehrschluss würde dies natürlich bedeuten, dass sich die Behörden bislang wenig um den Verbraucherschutz geschert haben.
Tatsächlich kam es in der jüngsten Vergangenheit zu wenigen, allerdings tragischen Unfällen, bei denen die Systeme von Autos versagten. Im vergangenen Jahr kamen drei Studenten in einem Sportwagen von Xiaomi ums Leben. Die Batterie des Fahrzeugs hatte zu brennen begonnen. Weil die automatischen Schliesssysteme des Autos ausfielen und die Türen sich nicht öffnen liessen, verbrannten die jungen Leute in dem Auto.
Gemäss den neuen Anforderungen müssen neue Elektro- und Hybridmodelle künftig 30 000 Testkilometer erfolgreich absolvieren, bevor die Behörden die Zulassung erteilen. Bisher genügte die Hälfte. Für Pkw mit Verbrennermotor gilt die 30 000-Kilometer-Richtlinie dagegen schon lange. «Autokäufer in China sind Testfahrer», sagte Li Fenggang, Hyundai-Chef in Peking, im vergangenen Jahr.
Ein gebrochenes BremspedalProbleme gab es kürzlich auch mit den Minivans des Modells Maextro V800. Bei dem von dem Autohersteller JAC Group und dem Tech-Konzern Huawei entwickelten Auto rastete das Bremspedal ein und liess sich auf einmal nicht mehr bewegen. In einem Fall brach das Pedal. Das Ministerium für Industrie und IT erklärte am Donnerstag, man habe eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet.
Lassen die Behörden ihren Ankündigungen Taten folgen, dürfte sich zumindest das Tempo, mit dem die chinesischen Hersteller neue Modelle auf den Markt bringen, verlangsamen. Umso besser, wenn die Fahrzeuge auch noch sicherer werden. Den Preiskampf unter den Herstellern dürften die neuen Kontrollen allerdings bestenfalls ein wenig entschärfen.
Hersteller wie BYD, Geely oder Leapmotor können die Verluste auf dem Heimatmarkt zumindest zum Teil durch Ausfuhren auffangen. Allein im September exportierten chinesische Anbieter fast eine Million Fahrzeuge, 73 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Ausfuhren von Elektro- und Hybridfahrzeugen kletterten sogar um 163 Prozent.
Chinesische Autos werden sich in Europa durchsetzenDer Beschluss der Europäischen Union und Chinas, gemäss dem die chinesischen Autohersteller ihre Ausfuhren von Hybridfahrzeugen nach Europa reduzieren müssen, dürfte den Geschäften zunächst einen Dämpfer versetzen. Auf längere Sicht dürften sich bezahlbare und qualitativ ansprechende Autos aus China aber auch in Europa durchsetzen.
Um die gesamte chinesische Autoindustrie dauerhaft auf ein stabileres Fundament zu stellen, brauchte es allerdings eine gründliche Konsolidierung. Zahlreiche Hersteller müssten vom Markt verschwinden oder von grösseren Unternehmen geschluckt werden.
Erste Züge einer Marktbereinigung sind immerhin zu erkennen. Die Autohersteller Nio und Geely haben Anteile an den Tochterfirmen für das Laden und den Tausch von Batterien des jeweils anderen übernommen. Die Unternehmen Avatr, Deepal und Changan wollen ihre Backoffice-Aktivitäten zusammenlegen. Darüber hinaus hat sich der regierungseigene Anbieter FAW aus dem Nordosten Chinas an Leapmotor beteiligt.
Unter dem Dach von FAW sollen auch die zwei Joint Ventures von Toyota konsolidiert werden. Die Japaner betreiben Gemeinschaftsunternehmen mit dem Autohersteller GAC aus dem südchinesischen Guangzhou und mit FAW.
Es ist ein Anfang, aber nicht mehr.
4 Kommentare
Axel Erlebach
Gestern
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Ja klar sind das Tricks. Diese Tricks sind aber nicht besser oder schlechter als der Protektionismus Trumps. Was ist besser? Ist es besser eine neue Automacht wie China zu sein? Oder ist es besser eine vergangene Automacht wie die USA zu sein? Amerikanische Autos sind out. Chinesische sind in.
Marc Anderson
Gestern
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In den USA tankt man für 100$ und bewegt damit einen Suburban 500km weit, ein Tesla kommt mit 100$ 1000km weit, das ist ein starkes Argument für eMobilität. Auf der anderen Seite bekommt man einen gebrauchten Truck bereits für 20k$ und der hält noch lange. Ein gegen einen Benzin-F-150 lächerlich wirkende Cybertruck kostet 80k$. Ich würde den Verbrenner nicht aufgeben. Lasst den Chinesen was der Chinesen ist. Sollen sie die Welt retten.
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