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Philharmonie Luxembourg: Feines Klavierspiel und orchestrale Gulaschsuppe

Дата публикации: 19-10-2026 00:03:01

Wenn Yuja Wang auch nicht nach jedermanns Geschmack ist, so ist es doch unleugbar, dass sie eine exzellente Pianistin ist., meint Pizzicato Mitarbeiter Alain Steffen, der sie bei ihrem Konzert in der Luxemburger Philharmonie erneut spielen hörte. Ich habe Yuja Wang noch nie ‘nur routiniert’ gehört, sondern sie immer als eine Pianistin erlebt, die in […]

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Philharmonie Luxembourg
(c) Wade Zimmermann

Wenn Yuja Wang auch nicht nach jedermanns Geschmack ist, so ist es doch unleugbar, dass sie eine exzellente Pianistin ist., meint Pizzicato Mitarbeiter Alain Steffen, der sie bei ihrem Konzert in der Luxemburger Philharmonie erneut spielen hörte.

Ich habe Yuja Wang noch nie ‘nur routiniert’ gehört, sondern sie immer als eine Pianistin erlebt, die in ihren Konzerten mehr als 100 Prozent gibt.

Natürlich sieht man  die amerikanische Pianistin mit chinesischen Wurzeln  hauptsächlich im virtuosen Repertoire von Rachmaninov, Prokofiev, Scriabin und Shostakovich, dies sowohl in Soloabenden, wie in Kammermusikkonzerten oder in den großen Konzerten mit Symphonieorchester. Aber es ist falsch, Wang nur auf diese Komponisten festzulegen. Gerade in den Rezitals kann man sich davon überzeugen, dass Ravel, Fauré, Chopin, Beethoven und Ligeti ihr ebenso liegen.

Yuja Wang
(c) Norbert Kniat

Vor allem ist Yuja Wang keine Pianistin, die den sicheren und ungefährlichen  Weg wählt. Ihr Können erlaubt es ihr, immer wieder Grenzen zu übertreten und in den Konzerten etwas zu wagen. Es ist letztendlich dieser Wagemut und diese unbändige Lust, über sich selbst hinauszuwachsen, die die Konzerte von Yuja Wang so besonders machen.

Besonders hätte auch dieser Abend in der Philharmonie werden können, wo die Pianistin gleich die zwei gewaltigen Klavierkonzerte von Brahms an einem Abend spielte. Welche künstlerische und spielerische Herausforderung!

Dass dieses Konzert trotzdem einen nur mittelmäßigen Eindruck hinterließ, lag nicht an Yuja Wang. Ihre Interpretation der beiden Konzerte war atemberaubend, insbesondere, weil die Pianistin nicht die große Geste suchte, sondern vielmehr Brahms Musik immer wieder auf ihren inneren Kern zurückführte.

Selbst in den massiven Kopfsätzen verstand es Wang, die Musik zum Innehalten zu bringen. Sicher, Wangs Virtuosität war in beiden Konzerten immer wieder zu spüren, aber sie war nicht massig und effekthascherisch, sondern delikat, fein und brillant. Wang brachte Brahms Konzerte zum Leuchten, dies mit einem schlanken, differenzierten und introspektiven Spiel.

Es schien, als wolle die Pianistin die Musik immer wieder in die Stille führen, sie sich selbst reflektieren um sie dann leicht verändert, ja vielleicht sogar reifer und überlegter, weiterzuführen. Wang brachte Brahms Konzerte dazu, aus sich selber herauszuwachsen und sich permanent nach vorne zu entwickeln. Dies war ein sehr außergewöhnlicher und individueller Ansatz, der aber in jedem Punkt stimmig war.

Leider bewegten sich ihre musikalischen Partner an diesem Abend nicht auf gleicher Höhe.

Tarmo Peltokoski

Der vielgepriesene (und auch häufig kritisierte) Dirigent Tarmo Peltokoski enttäuschte auf der ganzen Linie. In keinem Moment brachte der Dirigent es fertig, sein Orchester in ein Gleichgewicht mit der Solistin zu bringen und überdeckte ihr Spiel immer wieder auf unangenehmste Weise.

Auf die schlanke, differenzierte Interpretation Yuja Wangs antwortete er mit einem viel zu massiven und unbeweglichen Orchesterspiel. Hier gab es nur deftige Hausmannskost, kein Raffinement, keine Farben, keine Stimmungen.

Der träge und pastoser Einheitsklang des Orchesters wirkte auf die Dauer einschläfernd und man hatte den Eindruck, als führe ein betagter Kapellmeister der zweiten Garde durch das musikalische Geschehen, was einer orchestralen Gulaschsuppe gleichkam.

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra, das wir in den Konzerten unter Lahav Shani und Yannick Nézet-Séguin als einen tollen wendigen und atmenden Klangkörper erlebt hatte, spielte an diesem Abend eher zweitklassig. Da gab es keine Rhetorik im Spiel, keinen natürlichen Fluss, keine Attraktivität. Den einzigen schönen Moment bescherte uns Emanuele Silvestri in seinem wundervoll gespielten Cello-Solo im 3. Satz des 2. Klavierkonzerts. Und weil Peltokoski an keinem Moment die Musik zum Fließen und Strömen bringen konnte, gab es statt großem Atem nur eine unschöne Schnappatmung. Das war eindeutig zu wenig Leistung, aber irgendwie typisch für diese künstlich aufgebauten Musiker, die vielleicht Talent haben, aber sich von der Musikbranche viel zu schnell verheizen lassen.

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