Am Donnerstag kann der Blieskasteler Stadtrat die Weichen für den Bau einer interkommunalen Grundschule mit Gersheim stellen. Doch es gibt keine Einigkeit. Während besorgte Eltern Unterschriften sammelten, mahnen Stimmen aus der Politik vor dem Scheitern.
Blieskastel · Am Donnerstag kann der Blieskasteler Stadtrat die Weichen für den Bau einer interkommunalen Grundschule mit Gersheim stellen. Doch es gibt keine Einigkeit. Während besorgte Eltern Unterschriften sammelten, mahnen Stimmen aus der Politik vor dem Scheitern.
19.10.2026 , 13:00 Uhr
Tina Schöndorf und Verena Meiser (von links) von der Elternvertretung der Grundschule Burgschule Medelsheim-Altheim übergaben Blieskastels Bürgermeister Bernd Hertzler (ganz rechts) ihre gesammelten Unterschriften für einen Schulneubau. Links der 2. Blieskasteler Beigeordnete Guido Freidinger.
Foto: Uwe BrengelDie am Donnerstag, 22. Oktober, 17.30 Uhr, im Blieskasteler Rathaus anstehende Stadtrats-Entscheidung über einen Neubau der interkommunalen Bickenalbtal-Grundschule in Medelsheim wirft weitere Schatten voraus. Die stärkste Ratsfraktion, die CDU, zeigte sich bisher skeptisch, die AfD hat ihre Ablehnung schon angekündigt. Angesichts der Unklarheit, ob sich im Rat also eine Mehrheit für den Neubau findet, hatte die Elternvertretung der Grundschule Burgschule Medelsheim-Altheim eine Online-Petition gestartet und um eben dieses „Ja“ geworben.
Bei einem Termin im Rathaus übergaben Sprecherin Verena Meiser und ihre Stellvertreterin Tina Schöndorf 435 gesammelte Online-Unterschriften an Blieskastels Bürgermeister Bernd Hertzler (SPD). Wie Meiser schilderte, könnte es zur Sitzung einigen Besucherandrang im Ratssaal geben – von betroffenen Eltern, aber auch lokalen Politikern des Einzugsbereichs der Schule.
Auch die Gersheimer Grünen haben sich im Vorfeld mit einer Erklärung an die Presse gewandt. Sie fürchten ein „bildungspolitisches und finanzielles Desaster für beide Kommunen“, sollte der Blieskasteler Rat das Projekt ablehnen oder weiter verschieben. Die Grünen schreiben, dass dann vier Millionen Euro an zugesagter Landesförderung aufgrund verfallender Fristen verloren gehen könnten. Auch schon geleistete Planungskosten seien dann „nutzlos versenkt“ – und das Vertrauen in die interkommunale Zusammenarbeit wäre nachhaltig beschädigt.
Denn aktuell würden am Standort rund 60 Prozent der Schüler aus Blieskasteler Ortsteilen unterrichtet – seit fünf Jahren teils in Behelfs-Containern. Auch angesichts des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung sei ein „Weiter so“ unmöglich: „Die alte Bausubstanz und der begrenzte Platz im Außenbereich lassen den Ausbau für eine moderne Nachmittagsbetreuung inklusive Ruheräumen und einer Mensa räumlich überhaupt nicht zu.“ Und die Grünen argumentieren weiter, dass „vom geplanten Neubau – einem ‚Paradebeispiel regionaler Zusammenarbeit’“ über die interkommunale Vereinbarung zwischen Blieskastel und Gersheim zehn Ortsteile direkt profitieren könnten. Ein Stopp des baureif geplanten Neubaus in Medelsheim behebe auch keinen einzigen Mangel an anderen Schulen – etwa in Lautzkirchen – sondern „vergrößert nur das infrastrukturelle Chaos in der gesamten Region“.
Auch die Fraktion der Unabhängigen (DUB), Befürworter des Neubaus, hat unlängst öffentlich nachgelegt. Die Kinder müssten im Mittelpunkt stehen und nicht „parteipolitische Bedingungen und Machtspielchen“. Damit nahmen sie nicht nur Bezug zu CDU und AfD, sondern auch den Blieskasteler Grünen, die ihre Zustimmung daran geknüpft hatten, dass auch Blieskasteler Schulen saniert würden (wir berichteten).
„Kinder haben nur eine Grundschulzeit. Sie können nicht warten, bis sich alle Fraktionen geeinigt, sämtliche Wünsche erfüllt und alle anderen Schulstandorte neu geplant haben“, schreibt die DUB-Fraktion. Allerdings ist auch sie der Ansicht, dass „die übrigen Schulstandorte konsequent in die Investitionsplanung einbezogen werden müssen“ – parallel zum Neubau in Medelsheim.
Derweil hat die Blieskasteler Verwaltung in den online einsehbaren Ratsunterlagen alle Informationen rund um das Schulprojekt ausführlich zusammengestellt. Die CDU hatte am 2. September zahlreiche Nachfragen formuliert, die im Auftrag Verwaltungsdirektor Jens Welsch am 10. September auf 22 Seiten beantwortet und dabei eine Gersheimer Stellungnahme nochmals überprüft hat. Sein Ergebnis ist eindeutig: „Die Verwaltung empfiehlt, an der Vorzugsentscheidung für einen gemeinsamen Neubau von Schule und FGTS am Standort Medelsheim festzuhalten.“ (mbe)